Zukunft und Zukunftsfähigkeit der IKT und Medien bis 2030
05.11.2009 · Internet / Mediennutzung · Markt-StudieDie Studie „Zukunft und Zukunftsfähigkeit der IKT und Medien“ wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie als offizielles Projekt des Nationalen IT-Gipfel-Prozesses unterstützt. Über 550 internationale Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben 2009 in einer wissenschaftlich fundierten, international angelegten Delphimethode 144 Zukunftsszenarien zu thematischen Schwerpunkten der IKT und Medien für die kommenden 20 Jahre eingeschätzt und deren Relevanz bewertet.
In den nächsten zwanzig Jahren wird sich unsere Informationgesellschaft durch die zunehmende Digitalisierung grundlegend verändern. Im Jahr 2015 gehört mobiles Internet zum Alltag. Es wird völlig normal sein, unterwegs immer und überall auf Informationen, Inhalte und Anwendungen Zugriff zu haben. Auch im Automobil: Dort wird das Internet die Fahrzeugkommunikation steuern, für die Routenplanung und Verkehrsinformationen sorgen und vor Gefahren warnen. Bis 2024 entwickelt sich das Internet gar zum Unterhaltungsmedium Nummer 1 in Deutschland mit weitreichenden Folgen für die Mediennutzung. Und Paid Content wird gesellschaftsfähig.
Diesen Blick in unsere digitale Zukunft gewährt die internationale Delphistudie "Zukunft und Zukunftsfähigkeit der Informations- und Kommunikationstechnologien und Medien". Rund 550 IKT-Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wurden zu wesentlichen Entwicklungen ihrer Branchen für die kommenden zwanzig Jahre befragt. Die Herausgeber der Studie – Münchner Kreis, EICT, Deutsche Telekom und TNS Infratest – wollen mit den Ergebnissen eine breite gesellschaftliche Diskussion über die Bedeutung und zukünftige Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien und Medien anregen. Basierend auf sehr detaillierte Analysen und Thesen geben die Herausgeber konkrete Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft.
So raten sie zu einer gezielten Förderung der Medienkompetenz. Denn spätestens in zehn Jahren werden über 95 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland, Europa und den USA das Internet regelmäßig nutzen. Vor allem in Deutschland droht jedoch die digitale Spaltung. Denn die Bundesbürger verfügten im internationalen Vergleich noch nicht über genügende Kompetenzen im Umgang mit den neuen Technologien und Medien. „Politik und Wirtschaft sollten die Fertigkeiten der Bürger im Umgang mit dem Internet und mit digitalen Daten gezielt fördern. Dies wird sowohl die Akzeptanz der IKT insgesamt erhöhen als auch das Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit den neuen Technologien schärfen“, sagte Robert A. Wieland, Geschäftsführer von TNS Infratest. Medienkompetenz wird nach Ansicht der befragten Experten auch im Arbeitsumfeld der Menschen immer mehr an Bedeutung gewinnen. „Die Kluft zwischen Gesellschaftsgruppen, die am digitalen Leben teilhaben und denen, die hiervon nicht profitieren, gilt es zu überwinden. Und zwar in mehrfacher Hinsicht: zwischen Stadt und Land, Alt und Jung sowie zwischen Menschen geringeren und höheren Bildungsstands“, sagte Prof. Arnold Picot, Vorstandsvorsitzender des Münchner Kreises.
Wichtig sei auch der Ausbau leistungsfähiger und mobiler Kommunikationsnetze, dies werde die gesamte Wirtschaft stimulieren. Denn ab 2015 nutzen mehr Bürger das Internet mobil als über stationäre PC. Die Zukunft gehöre Applikationen wie Navigations-, Ortungs- und Lokalisierungssysteme, Communities und Assistenten. „Die Nutzung des Internet über unterschiedliche Endgeräte und Netze hinweg wird für Menschen und in Unternehmen völlig neuartige Möglichkeiten schaffen, immer und überall auf Informationen, Inhalte und Anwendungen zuzugreifen“, betonte Christopher Schläffer, Chief Product & Innovation Officer, Deutsche Telekom AG.
Dies hat Auswirkungen auf die Mediennutzung. Spätestens 2024 werde das Internet das Unterhaltungsmedium Nummer 1 in Deutschland sein. Ab dem Jahr 2020 sei es für die Bürger in Deutschland normal, ein und denselben Medieninhalt über verschiedene Träger zu nutzen – Zeitungsartikel auf dem mobilen Endgerät, Fernsehsendungen auf dem PC oder Internetinhalte auf dem Fernseher.
Gute Nachrichten für den Printmarkt: Zeitungen und Zeitschriften wird es auch in den kommenden Jahrzehnten in Deutschland ganz klassisch auf Papier geben und nicht nur digital im Internet. Sie würden jedoch durch neue Medien ergänzt und in ihrer Nutzung konvergent erweitert. Eine Zukunft sehen die Herausgeber auch für Paid Content. Für über die Hälfte der Internetnutzer in Deutschland, Europa und den USA gehört es nach Expertenauffassung im Jahr 2015 zur Normalität, für den Abruf professionell erstellter Medieninhalte aus dem Internet, wie Filme, elektronische Zeitungen und Zeitschriften oder Musik, zu bezahlen.
Die Delphistudie zeigt, dass IKT in den kommenden Jahren vor allem in den Branchen Automobil, Automatisierung und Maschinenbau, Energie, Medien und im Gesundheitssektor als Wachstumsbeschleuniger und Innovationstreiber wirken wird. Die Wirtschafts- und Technologiepolitik der kommenden Jahre müsse den Technologietransfer und die Technologieentwicklung in und zwischen den Wirtschaftssektoren gezielt stimulieren, so die Verfasser. Damit könnten neue, international wettbewerbsfähige Geschäftsmodelle entstehen, Nachhaltigkeit wirksam unterstützt und der CO2-Ausstoß reduziert werden.
„Durch die frühe Förderung und Umsetzung von Open Innovation kann die deutsche Forschung und Entwicklung ihre Wettbewerbsposition weltweit weiter ausbauen, stellte Prof. Hartmut Raffler, Vice President, Siemens Corporate Technology, fest. Auch auf den Automobil- und Transportsektor werden laut Expertenbefragung IKT-Innovationen starken Einfluss nehmen. Ab 2015, so die Studie, wird das Internet auf Deutschlands Straßen der zentrale Kommunikationszugang für fahrtrelevante Informationen, wie Routenplanung, Verkehrsinformationen und Gefahrenwarnung sein.
Unterstützt wurde die Studie durch Siemens, Vodafone, Focus, VDE, SAP, Alcatel-Lucent Stiftung und IBM sowie im Rahmen des IT-Gipfel-Prozesses vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.
Die vollständige Studie steht zum kostenfreien Download bereit unter: www.zukunft-ikt.de, www.muenchner-kreis.de, www.eict.de, www.telekom.com/zukunftsstudie, www.tns-infratest.com/zukunftsstudie, www.siemens.de/muenchner-kreis-zukunftsstudie2009 oder www.bmwi.de.






