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Runter vom Gas-Kampagne. Zu sportlich, zu gewagt
Mein Maserati fährt 210. Schwupp, die Polizei hat’s nicht gesehen. Das macht Spaß. Ich geb Gas.“ So düste Anfang der Achtziger Markus mit seinem Hit durch die Neue Deutsche Welle.
Den Raser, der kürzlich mit 240 Stundenkilometern quer durch Bayern bretterte, hat die Polizei sehr wohl gesehen. Und verfolgte ihn mit 19 Streifenwagen und einem Hubschrauber. Gott sei Dank ist nicht passiert. Die Gefahren, die zu schnelles Fahren mit sich bringt, sind immer noch nicht jedem bewusst. Daher gehen das Bundesverkehrsministerium und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) bereits seit Jahrzehnten mit Kampagnen gegen die Ignoranz vieler Fahrer an. Jeder, der Auto fährt, erlebt es immer wieder: An völlig unübersichtlichen Stellen wird überholt, Lichthupendrängler und Dichtauffahrer hängen auf der Stoßstange – riskante Situationen zuhauf. Der Fahrzeugführer setzt nicht nur sein Leben aufs Spiel, sondern auch das Unbeteiligter.
Die Anzahl der tödlich verletzten Unfallopfer 2007 ist erschreckend: fast 5000. Die der zum Teil erheblich Verletzten: 430 000. Allein in Deutschland. Die 2008 initiierte Kampagne trug dazu bei, die Zahlen zu verringern. 2008 kamen knapp 500 Menschen weniger ums Leben, Über 23 560 weniger wurden verletzt. Immer noch Hunderttausende zu viel. Daher sollen mit der Verkehrssicherheitskampagne „Runter vom Gas!“ möglichst viele Verkehrsteilnehmer erreicht werden. Nach dem Motto: Überhöhte Geschwindigkeit geht alle an.
Als weitere wichtige Zielgruppe galten seit Kampagnenstart die Multiplikatoren, also Medien-entscheider. Journalisten sorgten für öffentliche Diskussionen. Und trugen mit dazu bei, auch rücksichtslose Fahrer wachzurütteln. Unternehmen und Institutionen machten die Maßnahmen bei ihren Mitarbeitern und Kunden publik. Die Unterstützung war enorm. Die Deutsche Telekom, 3M, Tank & Rast, die großen deutschen Motorradhändler Hein Gericke und Louis, Kinoketten und die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung – alle machten mit. Sie förderten die Kampagne mit geldwerten Leistungen und durch kostenlose Präsenz in ihren internen und externen Medien, Geschäftsstellen und am PoS. Die erfreuliche Folge: mehr als Verdoppelung des Mediawerts (plus 130 Prozent auf 7,8 Millionen Euro).
Die Kreativstrategie sah vor, allen Verkehrsteilnehmern authentisch, ohne jegliche Verharmlosung und erhobenem Zeigefinger die eventuellen Konsequenzen ihres Fehlverhaltens vor Augen zu führen. Todesanzeigen als Eyecatcher. Das lässt selbst hartgesottene Ignoranten nicht kalt. Platziert sind die Motive an viel befahrenen Straßen, an Autobahnen, in Autozeitschriften und Fahrschulen sowie bei Motorradhändlern. Ein Mix aus Outdoor, Print und TV brachte schnell die gewünschte Aufmerksamkeit. Ebenso wie der Internet-Auftritt und PR.
Gebührende Aufmerksamkeit fand die Kampagne auch beim Effizienzpreis des Gesamtverbandes Kommunikationsagenturen GWA. Walter Eichendorf, Präsident des DVR: „Die Auszeichnung des GWA bestätigt uns auf unserem neu eingeschlagenen Weg in der Verkehrssicherheitskommunikation: Mit einer emotionalen Ansprache möchten wir die Verkehrsteilnehmer für das Risiko überhöhter Geschwindigkeit sensibilisieren. ‚Runter vom Gas!‘ ist die erfolgreichste Verkehrssicherheitskampagne, die es in Deutschland bislang gegeben hat. Wir danken allen Partnern,die zu diesem Erfolg beigetragen haben.“
Dominik Thesing, Geschäftsführer Scholz & Friends, Berlin: „,Runter vom Gas!‘ hat eine klare Botschaft: Rasen kann tödlich sein.Das ist bei den Menschen angekommen, weil die Kampagne gut orchestrierte Kommunikation, aber auch orchestrierte Aktion war: Polizisten, Feuerwehr, Bußgeldstellen – bei ‚Runter vom Gas!‘ haben sich viele Menschen beteiligt, für die Verkehrssicherheit Teil ihrer Arbeit ist.“ Allmählich verändert sich die tief verwurzelte positive Einstellung zum schnellen Fahren – der Spruch „freie Fahrt für freie Bürger“ dürfte damit ausgedient haben. Also ihr Markusse: Runter vom Gas!
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Gerber Redakteur








