"Gesunde Distanz zur Werbung fehlte"
In den Anfangsjahren waren alle der Meinung, dass es kaum Unterschiede zwischen den Menschen in West- und Ostdeutschland gäbe. Dass diese Annahme falsch war, wurde erst viel später festgestellt. Ich bezweifle, dass dies ein zentrales Problem der Media war. Unter dem Strich wurden Produkte, die für „West-Märkte“ entwickelt wurden, einfach im Osten distribuiert und beworben – der Kunde wurde erst später gefragt.
Dann kam die Retro-Welle rund um Ostprodukte – dieses Phänomen zeigte ganz deutlich, wie tief verwurzelt die Identifikation und die Heimatgefühle der Ostdeutschen eigentlich noch waren. Auch die Media-Westerfahrung konnte nicht 1:1 übertragen werden, hier musste logischerweise über die Jahre in einem fließenden Prozess gelernt und justiert werden.
Ich kann mich gut daran erinnern, dass sich in den ersten zwei Jahren nach Mauerfall und Wiedervereinigung Gebrauchtwagenhändler und Versicherungsvertreter in Ostdeutschland eine goldene Nase verdient haben. Mein Eindruck war, dass hier die gesunde Distanz zur Werbung und deren Aussagen als Grundlage gefehlt hat – dies führte natürlich zu einer gesteigerten Erwartungshaltung und dementsprechend zu Enttäuschungen, wo diese nicht erfüllt werden konnte.
Otto Redakteur










