"Verfrühter Enthusiasmus"
Damals, vor zwanzig Jahren waren die Agenturen - die kreativen, wie auch die Mediaagenturen - geradezu enthusiastisch angesichts der ungeahnten Möglichkeiten, die sich ihnen nach dem Mauerfall im Osten zu bieten schienen. Von heute auf morgen war ein ganz neuer Markt entstanden, die Konsumsegnungen des Westens würden in kürzester Zeit den Osten erobern und wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.
Bei den großen Agenturen und Networks wuchs der Tatendrang. Man machte sich bereit für den Aufbau von Dependancen in Berlin, der zukünftigen Hauptstadt. Schließlich wollte man dort sein, wo die Werbungtreibenden sind, und die würden ja sicherlich auch bald von Berlin ihren Aufbruch gen Osten starten. Naja, so dachte man. Tatsächlich blieben die Unternehmen im Westen, und der Aufbruch Ost der Agenturen stand oft genug unter dem Motto: Sie kamen, sahen - und gingen wieder.
Denn speziell bei der Zielgruppenansprache wurde deutlich, dass da nicht zusammen angesprochen werden konnte, was jahrzehntelang nicht zusammen gehört hatte. Die Bewohner der Ex-DDR wollten sich nicht von Besser-Wessi-Textern vom Kauf irgendwelcher West-Produkte überzeugen lassen. Sie wollten von ihresgleichen angesprochen werden. Profitiert haben davon kleinere, regional ausgerichtete Agenturen. Für die großen (Media-)Networks ist der Osten Deutschlands Niemandsland, und Berlin bestenfalls eine Insel darin. Das ist bis heute so geblieben. Berlin ist das Pflaster der Politik und der Lobbyisten - nicht das Pflaster der Markenartikler und Agenturen.
Otto Redakteur











