"Plakatanschläge" statt Out-of-Home: Die Gründerjahre der Außenwerbung
Anschläge werden heutzutage im täglichen Sprachgebrauch meist verübt. Früher wurden sie noch viel häufiger an die Wand gehängt oder geklebt – denn so wurden in der Regel Plakate bezeichnet.
Zu den ersten Branchen, die im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in Paris und London ein breites Publikum mit „Anschlägen“ umwarben, zählten das Unterhaltungsgewerbe und Verlage. Die Hersteller von Konsumgütern zogen aber bald nach. „Die Benutzung der Anschläge hat in neuerer Zeit ungemein zugenommen“, heißt es dementsprechend auch in der vierten Auflage von Meyers Konversationslexikon (1885 bis 1892). „Neben den besonders dafür errichteten Säulen (Anschlagsäulen) auf Straßen und Plätzen bedient sich die Reklame sogar transportabler Gestelle“. Grund der wachsenden Beliebtheit: Für die Masse der in industrieller Großproduktion hergestellten Waren musste ein künstlicher Bedarf geschaffen werden. Spätestens ab 1910 erschien in Berlin bereits die viel gefragte und bei Sammlern nach wie vor sehr begehrte Fachzeitschrift „Das Plakat – Mitteilungen des Vereins der Plakatfreunde“.
Einen umfassenden Einblick in die Geschichte der Plakatwerbung gibt nun das Germanische Nationalmuseum Nürnberg. „Plakativ – Produktwerbung im Plakat“ heißt eine Ausstellung, die bis 11. April 2010 rund 350 teils großformatige Plakate aus der Zeit von 1885 bis 1965 zeigt. Neben dem Charme historischer Reklame vermittelt sie auch frühe Werbesprüche und -Strategien.
Wadlinger Redakteur










