Net-Filmchen statt TV-Spots
Kommunikation 2.0 – die Welt des Medienkonsums hat sich in den letzten Jahren rasant verändert. Das Internet ist für die meisten mehr als ein Informationsmedium: "Oh Gott, ich bin süchtig. Es ist das Erste, was ich morgens mache, und das Letzte, wo ich nochmal reingucke, bevor ich ins Bett gehe.“ sagt Farnoush Habibi, Partytesterin aus Berlin, im großen W&V-Interview zum Thema Social Communities, „so ist eben meine Art der Kommunikation. Andere schauen Frühstücksfernsehen, ich hole mir meinen Kaffee und checke meine Emails.“ Jetzt liegt es an den PR- und Werbeagenturen auf die Entwicklung zu reagieren und ihre Angebote in Richtung Social Communities weiter auszubauen.
Alle fünf Befragten im Alter zwischen 20 und 29 Jahren geben an, ihre sozialen Kontakte im In- und Ausland, sowie den Austausch von Information und Kommunikation hauptsächlich über Social Networks, allen voran MySpace und Facebook, zu pflegen. Dabei ist den Usern oft gar nicht bewusst, wie sie dort aktiv mit Werbung konfrontiert werden. Auf die Frage, ob sie schon mal auf einen Werbebanner geklickt habe, sagt Negien Haddas Kaveh: "Aus Versehen. Es kommt aber darauf an. Wenn sie interessant gemacht sind, so wie manche auf Facebook, schaue ich mir die manchmal an.“
Wenn sie richtig platziert werden, machen youtube-Werbefilme via Facebook rasend die Runde, da sie reichlich und freiwillig auf dem eigenen Profil gepostet und kommentiert werden – und das nicht nur von Werbern. Kampagnen, wie die berühmten Evian-Babies oder die Samsung-Digicam mit zweitem Display sind dank Facebook in aller Munde. Noch macht Videowerbung im Internet nur einen kleinen Anteil unter den Online-Werbeformen aus. Aber die Zuwächse sind enorm. Das Problem der Agenturen ist, dass sie inzwischen fast alle Social Media im Portfolio haben, ihnen aber noch die große Erfahrung fehlt.
TV-Spots werden in der Zielgruppe der 20 bis 29-Jährigen immer unwichtiger. Viele sehen kaum noch, oder gar nicht mehr fern. "Ich gucke mir gern eine DVD auf meinem Rechner an, dazu brauche ich keinen Fernseher“, sagt der freiberufliche Fotograf Thomas Kuntze. Auch Tageszeitungen und Zeitschriften verlieren in dieser Zielgruppe an Bedeutung. "Ich habe mein Abo jetzt aufgegeben. Ich habe dazu keine Zeit mehr“, erklärt Texterin Verena Schmuck. Auch Farnoush Habibi sagt: "Wenn ich was wissen will oder was gehört habe, gehe ich online. Dann google ich es meistens“. Das geht schneller als morgens lange die Zeitung studieren.
Die gesparte Zeit wird dann gerne für Videos genutzt. Ob Werbung oder nicht, Videos im Internet werden freiwillig und zum Vergnügen angesehen. Da in Sachen Internetkonsum bei vielen die Grenzen zwischen privat und beruflich verwischt sind, wird der Zeitaufwand für googeln, Facebook und Co. anders - positiver - wahrgenommen als etwa der fürs Fernsehen oder Zeitung lesen.
Frömmer Redakteur










