Cannes 2011: Zwischenbilanz - Kempertrautmann fordert Jung von Matt heraus
Zwischenbilanz in Cannes. Nach neun Kategorien, in denen die Jurys inzwischen Löwen vergeben haben, steht fest: Kempertrautmann feiert in diesem Jahr in Cannes nicht nur ein bemerkenswertes Comeback. Die Hamburger machen auch der Agentur Jung von Matt das Leben schwer, die in diesem Jahr nicht nur angetreten ist, ihren Titel als "Independent Agency of the Year" zu verteidigen. Das Festival hatte ihn ihr vergangenes Jahr verliehen. Jung von Matt hatte sich auch vorgenommen, den Rekord aus dem vergangenen Jahr zu brechen. 14 Löwen hatte die Agentur 2010 in Cannes gewonnen.
Nach drei Tagen hat Jung von Matt zumindest das eine Ziel erreicht: 15 Löwen stehen zum aktuellen Zeitpunkt in der Bilanz der Hamburger, fünf goldene, vier silberne und sechs bronzene. 13 Löwen kann Kempertrautmann dagegen setzen. Für den Kreativvorstand von Jung von Matt, Armin Jochum, ist das keine Überraschung: "Mir war klar, dass Kempertrautmann hier groß auftrumpfen wird“, sagt er.
Im vergangenen Jahr hatten die KT-Chefs Michael Trautmann und André Kemper darauf verzichtet, bei Wettbewerben einzureichen, um in Ruhe die Digitalisierung der Agentur vorantreiben und Geld für neue Investitionen in die Hand nehmen zu können. Die Verschnaufpause hat den Werbern offenbar gut getan. Vor allem für den Kunden Edding ("Wall of Fame", "Digital Highlighter") gewinnt Kempertrautmann eine Reihe an Löwen, außerdem für die Initiative Vermisste Kinder. Insgesamt sind es drei Gold-, fünf Silber- und fünf Bronze-Löwen. Auf der Film-Shortlist ist Kempertrautmann nicht vertreten; Jung von Matt dafür schon (mit einer Arbeit).
"Ich muss zugeben, dass wir mit diesem Erfolg nicht gerechnet haben", sagt André Kemper, Kreativchef, Mitbegründer und Inhaber von Kempertrautmann in Hamburg. "Das ist nicht planbar." Aber es zeige, dass Kempertrautmann die richtige Richtung eingeschlagen habe. "Das Jahr Pause hat uns gut getan. Award Business kann ja ganz schön anstrengend sein. Wir wollten uns in Ruhe auf die Digitalisierung unserer Agentur konzentrieren und darauf, verstärkt integriert zu arbeiten." Tatsächlich hat die Agentur gerade in der Kategorie Cyber abgeräumt. 41.500 Euro hat Kempertrautmann für Cannes investiert.
Was in diesem Jahr auffällt: Während nach wie vor die kleinen Sonderarbeiten auf den Preisverleihungen dominieren, legt Alexander Schill, CCO von Serviceplan und Jurypräsident der diesjährigen Direct-Jury, das Thema Goldideen ad acta. "Es geht doch nicht darum, dass wir immer nur die Briefings der Kunden abarbeiten", sagt er. Viel mehr definiert er die Rolle der Agenturen als kreative Dienstleister für die Unternehmen. Wozu eben auch immer wieder kleine kreative Lösungen gehören.
Und in den Kategorien, in denen die Arbeiten im Internet zu sehen sind und dadurch die Konsumenten viel stärker involvieren, ist das Thema Goldidee sowieso passé. "Wenn Millionen Menschen einen kleinen Film anklicken oder weiterleiten, dann erreicht eine kleine Arbeit schnell ein großes Publikum und bekommt dadurch Relevanz", sagt Schill. Die deutschen Kollegen in den anderen Jurys sehen das ähnlich. Über Goldideen haben die Juroren nur in klassischen Disziplinen wie Press debattiert.
Sowohl Jung von Matt als auch Kempertrautmann hingegen punkten mit Arbeiten für die Initiative Vermisste Kinder, den WWF-Case und der Edding Wall of Fame in den integrierten und digitalen Kategorien. (lhe/cob)
Die ersten sechs Agenturen nach den ersten neun Preisverleihungen; Gold= 6 Punkte, Silber= 4 Punkte, Bronze= 2 Punkte
| Agentur | Gesamt | Gold | Silber | Bronze | Punkte |
| Jung von Matt | 15 | 5 | 4 | 6 | 58 |
| Kempertrautmann | 13 | 3 | 5 | 5 | 48 |
| Scholz & Friends | 6 | 1 | 3 | 2 | 22 |
| Serviceplan | 6 | 1 | 2 | 3 | 20 |
| Ogilvy & Mather | 6 | 1 | 1 | 4 | 18 |
| Grabarz & Partner | 4 | 2 | 1 | 1 | 18 |
Herrmann Redakteur










