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Krümmelmonster in der digitalen Welt: Unersättlich, aber wenig kommunikativ.
Krümmelmonster in der digitalen Welt: Unersättlich, aber wenig kommunikativ.

W&V-Test: Cookie-Auskünfte ungenügend

veröffentlicht am 04.06.2010 um 13:25 Uhr · Cookies: Segen des Marketing - Übel der Datenschützer · Artikel

Von elf großen Sites wollte W&V als naiver User wissen, welche Daten seit wann erhoben werden und welche Rolle dabei die Cookies spielen. Das Ergebnis: Schlauer wurden wir nicht, zuweilen wirkten die Antworten eher amüsant. Ernst genommen fühlten wir uns nicht wirklich. Unsere Anfrage per Mail bzw. Online-Formular ging an: Google, T-Online, Web.de, Focus Online Yahoo, MSN, Bild.de, Spiegel Online, RTL.de, Facebook und ProSieben.de. Adressaten waren jeweils die Kontaktadressen, die auf Datenschutzerklärungen stehen.

Spiegel Online versteckt seine Erklärung gut unter dem Punkt „Hilfe“ und dort wiederum ganz links unten zwischen vielen anderen Links. Einen Kontakt zum Datenschutz fanden wir nicht. Dafür antwortete die Technik prompt: Wenn Sie keine Abonnements bei uns haben, bzw. keine Newsletter beziehen, haben wir gar keine Daten von Ihnen." Hier antwortete offenbar jemand, der sich mit dem Thema Cookies richtig gut auskennt. Vielleicht hätten wir besser in der Redaktion von Spiegel Online nachgefragt.

Von Focus Online und Bild.de kamen innerhalb von zwei Werktagen überhaupt kein Feedback.

Von ProSieben erfuhren wir lediglich, dass das Mail ankam.

Was sind überhaupt Cookies?

Der Sinn und Zweck von Cookies ist, User im Web wiederzufinden. Nutzern sollen die Datenkekse, die beim Surfen auf ihren Rechnern gespeichert werden, schmecken. Warum? Weil sie etwa Webseiten personalisieren können oder Log-in-Daten nicht jedes Mal eingeben müssen. Unternehmen lernen dagegen, was Nutzer wollen und können parallel relevantere Werbung ausspielen. Im Kern gilt dabei: solange ein einzelner User über die Daten nicht zu identifizieren ist, bleibt alles im datenschutzrechtlich grünen Bereich. Werbungtreibenden geht es ja auch nicht um persönliche Daten, sondern um Merkmale und Zielgruppen. Die Tatsache, dass Informationen gesammelt werden, wird Usern in Datenschutzerklärungen und/oder AGBs erklärt.

T-Online erklärte etwa: „Für die von Ihnen gewünschte Auskunft benötigen wir noch weitere Informationen von Ihnen. Bitte teilen Sie uns daher noch folgende Daten mit: Ihre komplette Anschrift und Ihre Kundennummer.“ Absender war der Konzerndatenschutz Deutsche Telekom AG. Kommentare zu vorangegangenen Datenschutz-Pannen dieser Abteilung erübrigen sich jedoch, weil im zweiten Anlauf jemand offenbar die Frage gelesen hatte: „Wenn Sie Internetseiten der Deutsche Telekom Gruppe besuchen, werden mittels einer anonymen Benutzernummer in einem Cookie Interessen von Ihnen festgehalten, wie z. B.: Kategorie der von Ihnen aufgerufenen Beiträge, z. B. Nachrichten-Inland, Sport-Formel 1 Nutzungshäufigkeit, also die Anzahl der aufgerufenen Seiten an einem Tag. Es ist in keinem Fall möglich, auf Ihren Namen, Ihre Anschrift oder weiteren persönlichen Daten zu schließen.“ So in etwa stellten wir uns die Antworten vor. Auf den entsprechenden Seiten von T-Online wird sogar unter „Targeting“ genau erklärt, was im Detail in Cookies gespeichert wird.

Web.de bat um Verständnis, dass „wir an dieser Stelle leider nicht persönlich auf Ihre E-Mail antworten können.“ Es folgte eine Liste von Websites, auf denen weitere Kontaktadressen zu finden sind, etwa Kundenservice, Jobs oder Fragen zur GmbH. Aber nicht nur diese Antwort ging haarscharf an der Frage vorbei und wir kapitulierten.

RTL antwortete mit dem Satz: „Unter ihrer Mailadresse (eine @wuv.de-Adresse) sind in unserer Datenbank keine Daten gespeichert.“ Spannend. Also, es scheint eine Datenbank zu geben, in der Daten zu E-Mail-Adressen gespeichert werden. Das war aber nicht die Frage. Auf Nachfrage, in die wir auch die betreffenden normalen und Flash-Cookie-Dateien gepackt hatten (von RTL.de und dem RTL-Video-Angebot Clipfish), kam eine halbwegs befriedigende Antwort: „Über die von Ihnen übermittelten Cookie-Dateien sind bei uns keine personenbezogenen Daten über Sie gespeichert. Es handelt sich um Cookies unserer Targeting-Dienstleister, von Google-Analytics, temporäre Cookies, die während der Nutzung von Clipfish nach Login gesetzt werden und Flash-Cookies über die die Lautstärkeneinstellung des Flash-Players ermittelt wird, sowie Analyse-Cookies der IVW.“ Was gespeichert wird – außer der Lautstärkeneinstellung – wissen wir aber immer noch nicht. Da diese Antwort aus der Pressestelle kam – und wir dort gut bekannt sind – muss das Lob zudem relativiert werden.

MSN und Yahoo waren die einzigen, die durch Martina (Yahoo) und Jeff (Microsoft) persönlich antworteten. Alle anderen Antwortgeber (oder Mail-Maschinen) sprachen als „Ihr Service-Team“ mit uns. Im Zweifelsfall hätten wir zu Jeff und Martina mehr Vertrauen. Das Problem mit Jeff, er sitzt in den USA und spricht nur Englisch. Er verwies aber auf die deutschen Kollegen mit der Telefonnummer der deutschen Zentrale und einem Link zu deutschen Informationen.

Leif Pellikan bloggt
Leif Pellikan bloggt

Wozu dienen Cookies, was wird hier gemacht? Was weiß Google über uns? Und warum schafft es eine komplette Branche eigentlich nicht, für Transparenz zu sorgen? W&V-Redakteur Leif Pellikan bloggt über den merkwürdigen Umgang mit den Datenkeksen. Diskutieren Sie mit!

Yahoo wiederum bedauerte im zweiten Anlauf, dass die Informationen auf der Yahoo-Webseite Ihre Frage nicht beantworten konnte, wie es Martina als Informationsquelle empfohlen hatte. Aber um den Fehler zu beheben, seien weitere Angaben notwendig: Welchen Browser (z.B. Internet Explorer, Firefox) verwenden Sie? Welche Schritte nahmen Sie vor, bevor das Problem auftrat? Wird eine Fehlermeldung angezeigt? Wenn ja, wie lautet sie genau? Wie häufig ist sie aufgetreten? Aha. Es war nicht Martina, aber offenbar der zweite Mitarbeiter, der meine Frage nicht verstand. Aber nachdem hier offenbar Menschen mit uns kommunizierten, wagten wir einen dritten Versuch. Und er klappte. Eine Yahoo-Mitarbeiterin erklärte was Cookies sind und wer speichert (Yahoo und Werbepartner). Was nicht aufgeklärt wurde: Welche Informationen gesammelt werden.

Google bewies vorauseilenden gehorsam und dass Maschinen nicht lesen können: „Vielen Dank für Ihre E-Mail. Allgemeine Informationen sowie den Datenschutz und rechtliche Fragen betreffende Informationen zu Google Street View finden Sie auf dieser Seite.... Mit freundlichen Grüßen, Ihr Google-Team“. Auch wenn Googles Datenschutzproblem derzeit Streetview heißt, hier zu wollten wir nichts wissen. Eine Antwort auf den zweiten Versuch blieb aus. Dabei bietet Google enorm viele Informationen auf seinen Seiten und erklärt dort auch halbwegs transparent wozu Cookies dienen; wenn auch nicht deutlich erklärt wird, was Google speichert.

Facebook, derzeit als „Oberböser“ gehandelt, fährt dagegen eine andere Strategie: Massiv viel Informationen – irgendwann wird der User es verstehen oder kapitulieren. Als Antwort kam eine standardisierte Mail mit Links zu allen möglichen Datenschutzbereichen, der Möglichkeit Missbrauch zu melden und Einstellungsmöglichkeiten des eigenen Profils. Gleiches gilt für die Kontaktadresse. Sie muss auch erst in einem Wust von Informationen gefunden werden. Transparenz ist hier ein Fremdwort, Informationen werden jedoch durchaus geliefert. Immerhin liefern die verständlichen Texte auch indirekt eine Antwort zu Werbe-Cookies: „Wir teilen deine persönlichen Informationen niemals mit unseren Werbekunden. Die Auswahl von Zielgruppen für Werbeanzeigen erfolgt komplett anonym. Wenn Werbetreibende die Zielgruppen für ihre Werbeanzeigen nach demografischen Daten auswählen, schaltet Facebook diese Werbeanzeigen automatisch für das entsprechende Publikum. Unsere Werbekunden erhalten ausschließlich anonymisierte Datenberichte.“

Immerhin: Die Tatsache, dass die Aufklärungsarbeit besser werden muss, kennt die Branche. BVDW-Präsident Arndt Groth: „Wir stehen als Branche am Anfang unserer Aufklärungsarbeit. Dabei gilt es nicht nur ein internationales Umfeld mit zu berücksichtigen, sondern auch eine Sondierung politisch vertretbarer Positionen durchzuführen, um zu sehen wo wir ansetzen müssen. Unser Anspruch muss sein, die verschiedenen komplexen Geschäftsmodelle einfach darzustellen. Damit haben wir angefangen und werden dies in den kommenden Monaten weiterausbauen.“

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