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Claude Schmit, Geschäftsführer des Kinder- und Familiensenders Super RTL.
Claude Schmit, Geschäftsführer des Kinder- und Familiensenders Super RTL.

Claude Schmit: „Den Wandel gestalten“

veröffentlicht am 26.08.2009 um 09:00 Uhr · Die Zukunft der Kommunikation · Artikel

Ich bin vor 15 Jahren aus der Stahlbranche zum Fernsehen gewechselt, seit 1999 bin ich Geschäftsführer von Super RTL. Hätten sich die Prophezeiungen der 90er Jahre erfüllt, gäbe es diesen Beruf heute nicht mehr. Die Digitalisierung und das interaktive Fernsehen sollten für nicht weniger als eine Medienrevolution sorgen. Vorbei die Zeiten des passiven Fernsehkonsums, der Zuschauer ist zugleich sein eigener Programmgestalter. Mittlerweile bin ich der dienstälteste Senderchef in Deutschland und möchte das auch noch eine Weile bleiben.

Dennoch – die Medienlandschaft befindet sich nach wie vor in einer Zeit des rasanten Wandels. Wir erleben, dass neue Technologien neue Formen des Medienkonsums ermöglichen. Das Internet entwickelt sich zu einer Art Super-Medium mit dem Potenzial, alle anderen Medien in sich zu vereinen.

Unsere (Überlebens-) Strategie ist der Umbau des vormals klassischen Kindersenders Super RTL zu einer cross-medial aufgestellten Kinderunterhaltungsmarke. Dabei nutzen wir das Fernsehen als Leitmedium der Kinder, um Trends zu setzen und neue Themenimpulse zu geben. Unter unseren Dachmarken "Toggo" für ältere Kinder und "Toggolino" für Vorschüler vermarkten wir diese Themen auf allen für Kinder interessanten Plattformen. Mittlerweile betreiben wir mehr als zehn Websites, darunter zwei sehr erfolgreiche Bezahlangebote für Kinder. Wir machen Events, verkaufen Kinderzeitschriften, Kindereis und Kinderferien, haben Radio-Programme, Mobilfunk-Tarife sowie ein eigenes Retail-Konzept entwickelt. Je breiter wir aufgestellt sind, desto besser können wir auch zukünftig den immer differenzierteren Vorlieben und Interessen unserer Zielgruppe gerecht werden.

Ich weiß nicht, wie die Kommunikationszukunft aussehen wird. Es gibt neue, teils düstere Prophezeiungen: Der Journalismus wird sterben, mit ihm die Zeitung, das Buch und natürlich das Fernsehen. Als Vater von sechs Kindern weiß ich, dass es oft anders kommt als man erwartet. Aber selbstverständlich wird sich die Medien- und Kommunikationslandschaft verändern; sie wird digitaler, individueller und vielstimmiger, mit neuen Seh- und Hörgewohnheiten – und sie bietet demjenigen eine Vielzahl an Möglichkeiten, der um die Bedürfnisse seiner Kunden weiß.

Die Kommunikation der Zukunft erfordert neue Tugenden: Wir müssen Zuhören lernen, wir müssen vernetzt und transparent kommunizieren. Social Media bedeutet nicht etwa den Verlust der Kommunikationshoheit, sondern bietet die Möglichkeit, in einen neuen, intensiven Dialog mit unseren Kunden bzw. Zuschauern zu treten, diese unmittelbar in Planungs- und Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Als Medienunternehmer sollten wir uns nicht vor den neuen Entwicklungen fürchten, sondern sollten von ihnen profitieren.

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