Thomas Ellerbeck: "Vom Konsumenten zum Gestalter"
Selber produzieren statt passiv konsumieren, machen statt gucken - das Internet verändert die Medienlandschaft, unser Medienverhalten und auch die Kommunikationskanäle immer schneller und tiefgreifender. Die Entwicklung der Medien im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung von Medienproduktion, -aggregation, -distribution und -rezeption erfordert von uns allen vor allem echten Mut zur Veränderung.
20 Millionen Nutzer quer durch alle Altersklassen bringen sich in Deutschland heute mit eigenen Inhalten im Netz ein und die Zahl der Mitglieder in Online-Netzwerken verzeichnet rasante Wachstumsraten. Menschen, die eigene Inhalte einstellen, Ideen diskutieren, Erfahrungen und Wissen teilen, sie stehen für die Generation Upload. Sie reicht vom Internet-Entrepreneur bis zum Konzern-Angestellten, vom "Silver Surfer" bis zum Enkel. Die digitale Avantgarde hat den Trend gesetzt und daraus wird immer mehr eine breite Bewegung, ein Massenphänomen. Es entsteht zudem der Raum für eine neue kreative Ökonomie - interessant für Großunternehmen, aber mehr noch für Start-ups und Entrepreneurs, weil für sie die Eingangsbarrieren niedrig sind.
Das Internet macht aus der Welt ein Dorf und gesellschaftliche Partizipation wird leichter, gerechter und demokratischer. Denn geographische Grenzen verlieren ebenso die Relevanz wie der persönliche Lebensmittelpunkt oder Arbeitsort. Der Zugang zu Informationen und Netzwerken ist nahezu identisch, ob in New York oder Gütersloh, Seoul oder Pinneberg. Der Kontakt zwischen Sender und Empfänger, wird viel direkter und schneller. Das Feedback folgt auf dem Fuße: Nutzer kommentieren, kritisieren und applaudieren zugleich. Dieser Trend zur Partizipation geht weiter und ergreift vor allem auch die politische Kommunikation, den Dialog zwischen Politik und Bürger. Ja, ich bin überzeugt, dass die Generation Upload mit den heutigen technischen Möglichkeiten Kommunikation sehr viel nachhaltiger verändern wird, als es viele erwartet haben. Das gilt auch für das persönliche Nutzungsverhalten eines jeden Einzelnen. Mir selber gibt die mobile Kommunikation unendlich viel Freiheit und Unabhängigkeit und ich werde vom Konsumenten zum Gestalter.
Die Rolle der klassischen Medien verschiebt sich. Das war beim Start von Radio und Fernsehen nicht anders. Klassische Medien, wie auch die Zeitung, müssen aber keinesfalls Ihre Berechtigung und ihren Wert verlieren. Das Agenda-Setting wird viel stärker im Web 2.0 stattfinden, wo Nachrichten sich schnell, aber häufig ohne sichere Quelle verbreiten. Das hat eine Konsequenz: Nachrichten sind durch die Informationsexplosion im Netz im Überfluss verfügbar, ihr Wert sinkt gegen Null. Kaum jemand ist bereit für die pure Nachricht zu bezahlen, zumal sie häufig auf gleichen Quellen beruht. Aber in der gleichen Weise wie die Informationsdichte und mit ihr die Unübersichtlichkeit steigt, wächst die Bedeutung von fundierter Bewertung. In einer Zeit des Überflusses an Daten und Information geht es dann immer stärker um Wissen und Verstehen.
Die Zeitungsverlage suchen für Zeitungen und Magazine einmal mehr nach einer Antwort, wo ihr Platz 2020 sein wird. Meine Antwort ist weder progressiv noch originell. Sie lautet: Qualitätsjournalismus. Auf den Absender und somit die Marke, kommt es an - beim Medium, beim Anspruch an sich selbst und an die Autoren. Qualität hat einen Markt und ihren Preis. Je mehr Nachrichten es gibt, umso wichtiger wird die fundierte Bewertung. Richtig, das geht auch Online. Aber eine Zeitung anzufühlen, etwas zu markieren, heraus zu schneiden, sich im wahrsten Sinne durch sie "durch zu arbeiten", hat zusätzlich etwas mit Kultur und Ästhetik zu tun. Auch daran glaube ich.
Otto Redakteur










