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Es gewinnt die Nische: Junge Hörer mögen das Besondere - was die MA 2011 Radio II  vor allem für Berlin belegt.
Es gewinnt die Nische: Junge Hörer mögen das Besondere - was die MA 2011 Radio II vor allem für Berlin belegt.

MA 2011 Radio II: Die Analyse

veröffentlicht am 12.07.2011 um 11:15 Uhr · Radiotrends · Artikel

Die Stunde des Vergleichs im deutschen Radiomarkt ist mal wieder gekommen – und dieses Mal ist der Vergleich bei der am Dienstag vorgelegten MA 2011 Radio II auch wieder möglich. Nachdem im März erstmals die Radionutzung für Werktage und für das Wochenende separat ausgewiesen worden sind, kann die AG.MA nun die Reichweiten der letzten MA wieder gegeneinander abwägen. Und heraus kommt: Mainstream bei den Jungen zieht nicht mehr so gut – eher schräg und besonders sollte Hörfunk für diese Zielgruppe sein. Das Energy-Netzwerk etwa – mit starken Zuwächsen bei der vergangenen Frühjahrs-MA - muss dieses Mal Federn lassen. Und die Info-Wellen scheinen derzeit einen schweren Stand bei den Hörern zu haben.

Bitterer Anblick beim ersten Durchforsten der Reichweitenlisten: Antenne Bayern muss noch mehr Hörer abgeben – und fällt deutlich unter die Millionen-Grenze. Nochmals 131.000 Fans weniger – der höchste Verlust bei den absoluten Reichweiten der MA 2011 Radio II – bringen die Münchner auf unter 900.000 Hörer in der beworbenen Durchschnittsstunde. Erst mit großem Abstand folgt ein anderer Sender auf der Minus-Liste: WDR 4 mit 68.00 Hörern weniger und Hit-Radio Antenne aus Hannover. Dort fehlen gegenüber der Frühjahrs-MA 61.000 Hörer.

Angesichts starker Werte bei den absoluten Hörerzahlen dürfte die Freude bei einigen Sendern allerdings auch groß sein – der Oberhauser Mantelprogrammlieferant Radio NRW etwa kann beachtliche 74.000 Hörer mehr in der beworbenen Durchschnittsstunde und damit nun 1,67 Millionen Hörer vorweisen. Danach folgt – ebenfalls aus der Region – die WDR-Jugendwelle 1Live mit 58.000 neuen Fans. Hit-Radio FFH kann endlich den Abwärtstrend nach dem Relaunch stoppen und meldet 57.000 zusätzliche Hörer gegenüber der MA 2011 Radio I.

Bei der MA 2011 Radio II am Dienstag gibt es auch klare Sieger nach Prozenten. Ganz nach oben aufs Treppchen kommt 100,6 Motor FM mit 75 Prozent Zuwachs – allerdings auf niedrigem Niveau und jetzt 21.000 Hörern. Starke Zuwächse kommen dieses Mal von Hitradio RTL Sachsen. Die Welle steht mit plus 35,5 Prozent auf jetzt 202.000 Hörer ab zehn Jahren in der durchschnittlichen Werbestunde in den MA-Listen.

Den größten Zuwachs in absoluten Zahlen verzeichnet dieses Mal das oben bereits erwähnte Radio NRW. Die Oberhausener führen die Riege der Reichweitengewinner der MA 2011 Radio II mit 74.000 Hörern mehr in der beworbenen Durchschnittsstunde bei jetzt 1,67 Millionen Hörern an. Damit ist der höchste Zuwachs größer als zur Frühjahrs-MA ausgefallen. Danach folgt – dieses Mal nicht Bayern 3 – der junge WDR-Konkurrent 1Live aus Köln mit weiteren 58.000 Hörern mehr bei jetzt 1,09 Millionen Hörern absolut. Damit hat der WDR, dessen andere Wellen WDR zwei und WDR dieses Mal 35.000 beziehungsweise 68.000 Hörer gelassen haben, einen neuen Radio-Millionär. Spannend ist wieder einmal der Blick in den Süden.

Während sich Antenne Bayern vom Dasein als Hörfunk-Millionär verabschiedet und mit einem Verlust von 12,7 Prozent seiner Hörerschaft auf jetzt 899.000 Hörer leben muss, kann beim öffentlich-rechtlichen BR der Sektkorken knallen. Zwar gibt das 2010 so starke Bayern 1 erneut leicht ab (minus 3,8 Prozent oder 45.000 Hörer), aber mit einer Reichweite 1,14 Millionen Hörer in der beworbenen Durchschnittsstunde ist das Münchner ARD-Programm erneut der reichweitenstärkste Einzelsender der aktuellen Media Analyse (gefolgt vom weiter starken SWR3 aus 1,125 Millionen Fans). Trostpflaster für das Team um Antenne-Senderchef Karlheinz Hörhammer: Die Tochterwelle Rock Antenne wächst dieses Mal um 10.000 Hörer und kratzt mit 98.000 Durchschnittsstundenhörern an der wichtigen Schwelle der sechsstelligen Hörerzahlen. Doch auch Bayern 3 ist nicht aufzuhalten: Nach den Justierungen der vergangenen Monate kommt die jüngere BR-Welle mit einem Zuwachs um 42.000 Hörer (plus 5,2 Prozent) auf 850.000 Hörer – und damit wieder in Reichweite von Antenne Bayern. Ein Anblick, den es seit Jahren bei einer Radio-MA nicht mehr gegeben hat.

Im hart umkämpften Berliner Markt floriert die Nische: Von dort kommt der Reichweitengewinner nach Prozenten – Motor FM. Mit 75 Prozent wächst beim Independent-Radio die Hörerzahl deutlich an – auf nun 21.000 Hörer pro Werbestunde. Black Music kommt ebenfalls an – Jam FM legt um ein gutes Drittel an Reichweite auf jetzt 35.000 Hörer zu, die Rockwelle Star FM hat mit 27,1 Prozent mehr Reichweite nun ein Hörer-Portfolio von 75.000 Fans. Die großen und alten Berlin-Wellen wie 94,3 rs2, Berliner Rundfunk oder BB Radio legen klar zu – und 104.6 RTL hat mit jetzt 209.000 Hörern pro beworbener Durchschnittstunde wieder die Nase vorne.

Und was macht der hessische Radiomarkt? Platzhirsch FFH kann endlich seine Höreverluste stoppen. Mit plus 57.000 Hörern kann der Platzhirsch aus Bad Vilbel sein minus der Frühjahrs-MA mehr als wieder ausgleichen – und blickt mit nun 494.000 Hörern pro Werbestunde wieder auf die Grenze der halben Million Hörer. Um die Tochter-Oldie-Welle Harmony FM ist es weniger gut bestellt – dort fehlen bei der MA 2011 Radio II immerhin 41,5 Prozent an Reichweite gegenüber der Vorgänger-Analyse. Nurmehr 24.000 Hörer in der Werbestunde verfolgen die FFH-Welle. Abgeben muss eine weitere Privat-Welle am Main: Das noch recht frisch relaunchte Energy Rhein-Main, das NRJ als Nachfolger von Main FM aufgebaut hat, kann weiter nicht punkten und kommt nach weiteren Verlusten auf nur noch 4000 Hörer pro Werbestunde. Federn lässt auch die Info-Welle des HR, HR-Info. Dort fehlen gegenüber dem Frühjahr 20 Prozent an Reichweite bei nun 24.000 Nachrichtenfans. Sieger im Hessischen nach Prozenten ist dagegen Radio Bob, das sich unter der Regie des neuen Eigners Regiocast erneut gesteigert hat und nun 63.000 Fans pro Werbestunde auflisten kann.

Im Saarland stagniert Radio Salü bei einem Verlust von 4000 Hörern bei 81.000 deutschsprachigen Hörern ab zehn Jahren. Erneut deutlicher verliert die öffentlich-rechtliche SR1 Europawelle mit nun sogar 18,5 Prozent minus. Den Ausgleich schafft die Schwester, SR3 Saarlandwelle, dieses Mal nicht. Auch sie verliert – 6000 Fans auf nun 88.000 Hörer in der beworbenen Durchschnittstunde.

In Baden-Württemberg muss Baden.FM erneut ein Minus hinnehmen – dieses Mal gehen ganze 48 Prozent der Reichweite verloren. In der Region Stuttgart verliert Hit-Radio Antenne 1 weite Teile seiner neuen Fans – minus 46.000. Allerdings können im "Ländle" Sender ihre Verluste der vergangenen MA wieder ausgelichen – so etwa das Ulmer Donau 3FM (plus 5000 Hörer) oder Radio Seefunk (plus 6000 Hörer). Stark erneut: Radio Regenbogen mit einem Zuwachs von 15,1 Prozent beziehungsweise 33.000 weiteren Hörern auf die neue Marke von 252.000 Hörern pro Werbestunde. In Rheinland-Pfalz hält sich RPR1 – als einziger Sender der aktuellen MA stagniert er bei 0,0 Prozent und einer Reichweite von weiterhin 224.000 Hörern. Schwester Big FM gewinnt weiter dazu – um 4,4 Prozent auf jetzt 188.000 junge Fans.

Im hohen Norden verliert wiederum Radio Nora stark: Die Kieler können nach mehreren MAs im Plus das hohe Niveau definitiv nicht mehr halten und geben zum zweiten Mal in diesem Jahr satte 31 Prozent oder weitere 18.000 Hörer gegenüber dem Update der Frühjahrs-MA ab. Delta Radio kann in Schleswig-Holstein weiter Boden gut machen. Die kommerzielle Welle zählt nach einem satten Plus von 22,4 Prozent nun 82.000 Radiofans pro durchschnittlicher Werbestunde. R.SH rutscht pünktlich zum 25. Geburtstag wieder ins Plus und kommt nun auf 266.000 Hörer ab zehn Jahren.

Wesentliche Gewinne meldet in Hamburg nur ein Sender – Klassik Radio für sein UKW-Gebiet an der Alster. Radio Hamburg fängt sich und wächst wieder um 5000 Hörer auf jetzt 224.000 Radiofans pro Werbestunde. Energy Hamburg gibt die Gewinne der vergangenen MA fast wieder komplett ab und landet mit 27,5 Prozent weniger Reichweite in den aktuellen MA-Listen des Vermarkters AS&S Radio - und zählt nun 29.000 Hörer. Die meisten Hörer absolut hat das Alster Radio verloren – 18.000 auf nun 55.000 Fans

Im Osten der Republik erholt sich der Hörfunk –das Plus regiert dieses Mal nach starken Verlusten zur Frühjahrs-MA. Nur MDR1 muss in Thüringen Hörer abgeben – und Energy Sachsen verliert mehr als den Zugewinn der letzten MA – mit minus 32 Prozent. Sehr stark im Osten: Hitradio RTL Sachsen (plus 35,6 Prozent), Antenne MV (plus) 28,7 Prozent) und Antenne Thüringen (plus 25,1 Prozent). Feierstunde auch bei der PSR-Familie: PSR selbst legt um weitere 4,9 Prozent auf nun 258.000 Hörer zu, R.SA ebenfalls um 13,3 Prozent auf 170.000 Hörer pro Werbestunden zu.In Sachsen-Anhalt kämpft sich Radio SAW unaufhörlich nach vorne: mit weiteren 22.000 Fans und nun 375.000 Hörern pro Werbestunde feiert auch dieser Sender einen neuen Reichweitenrekord.

Den Zweikampf in Niedersachsen entscheidet dieses Mal FFN für sich - Hit-Radio Antenne verliert stärker. 61.00 Hörer muss die Welle abgeben – auf nun 379.000 Fans. Radio FFN lässt nur 2000 Hörer ziehen – und zählt immerhin noch 473.000 Hörer. Der Abstand wird damit wieder größer. Der private Sender Radio 21 kann sich der unter neuem Eigner Steffen Müller und seiner bei 86.000 Hörern behaupten. Zu den Gewinnern zählen auch bundesweite Wellen wie Klassik Radio (plus 9,1 Prozent) oder das junge Techno-Radio Sunshine Live (plus 7,5 Prozent).

In der zweimal jährlich veröffentlichten Erhebung untersucht die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (AG.MA) die Radionutzung der deutschen Bevölkerung ab zehn Jahren; zum dritten Mal inklusive der deutschsprachigen EU-Ausländer. Die Reichweite aller Werbewellen steigt bei der MA 2011 Radio II leicht an um 0,4 Prozent oder 85.000 Hörer. Eine Durchschnittsstunden-Reichweite von 23,3 Millionen attestiert die AG.MA allen ausgewiesenen beworbenen Sendern. Die ARD-Wellen haben bei der MA 2011 Radio II erneut leicht abgegeben – um 0,1 Prozent. Das heben die Privaten wieder auf – und gewinnen insgesamt 0,2 Prozent Reichweite hinzu.

Befragt hat die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse mehr als 65 000 Menschen nach ihren Lieblingswellen. Zum zweiten Mal wird die Radionutzung für Werktage und für das Wochenende separat ausgewiesen. Zuvor sind die Reichweite pro Stunde von Montag bis Samstag ermittelt worden.

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