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Rasantes Tempo auf der mobilen Datenautobahn

Rasantes Tempo auf der mobilen Datenautobahn

veröffentlicht am 30.09.2009 um 12:00 Uhr · W&V-Serie: Mobile Internet · Artikel

Es ist eines der Hoffnungsträger im krisengeplagten Jahr 2009: das mobile Internet. Während überall Etats zusammengestrichen werden, Medien um ihre Existenz bangen, gedeiht hier ein viel versprechender Markt: Laut TNS Infratest surfen 16 Prozent der Deutschen im mobilen Internet – und Monat für Monat werden es mehr. „Wir gehen davon aus, dass das mobile Web in drei bis fünf Jahren zum stationären aufgeschlossen hat“, sagt Robert Fahle, Leiter Mobile bei RTL interactive. Dann sollen etwa 40 bis 50 Prozent der User unterwegs Überall-Web nutzen. Der Markt braust also mit enormem Tempo voran – gepusht durch Apple. Die iPhones, eingeführt im November 2007, sorgen inzwischen für knapp ein Drittel aller Seitenzugriffe im mobilen Web. Seit ihrer Einführung hat sich der Datenverkehr auf dem Handy mehr als verzehnfacht. Entsprechend groß ist jetzt die Hoffnung bei Content-Anbietern und Dienstleistern auf neue Umsatzquellen. Ein vor Kurzem noch wenig beachteter Nischenmarkt befindet sich auf dem Durchbruch zum Massenmarkt.

Auch die Mobilfunker geben Gas."Steigende Datenumsätze sind für alle Anbieter extrem relevant“, sagt Eric Berger, Vorstand der Freenet AG. Die Sprachumsätze sinken, die wegbrechenden Erlöse soll nun das mobile Web auffangen. Die Mobilfunker bieten verstärkt entsprechende Flatrates an. Zudem überlegen sie, wie sie das Angebot über Werbung finanzieren können. Die Medienkonzerne haben ebenfalls Angst davor, den Trend zu verschlafen. Beim Springer-Verlag hat man den zukunftsträchtigen Geschäftsbereich „von Anfang an auf mehrere Säulen gestellt“, wie Donata Hopfen, General-Managerin von Bildmobile,erklärt. Dazu gehört auch ein eigener Bild-Tarif, mit dem User kostenlos auf dem eigenen Portal der Bild-Zeitung surfen können. Dabei genügt es nicht, den herkömmlichen Internet-Auftritt einfachauf das Handy-Display zu schieben. „Wer Online-Inhalte nur eins zu eins in mobile Web-Angebote überträgt, wird abgestraft“, sagt Fahle von RTL. Ganz wichtig: der Bezug zur mobilen Nutzungssituation. Alles, was zeitgleich passiert, muss in der Navigation ganz oben zu finden sein. Mehr als im stationären Web erwarten User eine relevante Vorauswahl.

Daneben treiben Videos den Markt. „Wir sehen an der Nutzung von Angeboten wie YouTube, dass kurze Bewegtbild-Sequenzen auf dem Handy natürlicher Teil mobiler Internet-Nutzung geworden ist – besonders bei jungen Zielgruppen“, erklärt Vodafones ECommerce-Gesamtleiter Volker Gläser. Die Videos sollen jetzt auch die Werbevermarktung ankurbeln. Diese steht zwar noch am Anfang – „hat allerdings riesige Wachstumschancen“, sagt Dirk Kraus, Vorstandschef vom Mobile-Spezialisten YOC. Allerdings fehlen vielen noch valide Reichweitendaten. Doch die Zahlen sollen bald vorliegen: „Dann wird Mobile-Advertising einen Riesenschub erhalten“, verspricht Kraus. Vor allem hochattraktive Zielgruppen – junge User und Business-Klientel, die viel unterwegs sind, lassen sich mobil gut erreichen.Im Jahr 2008 wurden rund 100 Millionen Euro über Mobile-Marketing erlöst, aber nur zehn Prozent kamen über Werbung wie etwa Banner. Der Rest verteilt sich auf Dienstleistungen und Kosten für Werbe-SMS. Dieses mobile Marketing ist längst etabliert, der Werbemarkt birgt noch ungeheures Potenzial. „Die großen Werbungtreibenden haben diesen Kanal verstanden“, sagt Stefanie Krebs, Vorstandssprecherin vom Mobile-Pionier 12snap. Der Kanal über das Handy „gehört bereits zum Kerngeschäft“, sagt Konstantin Sixt, zuständig für die Online-Kanäle des Mietwagenkonzerns.

Marketinginstrumente sind auch die Applications für iPhone und Co. Hinter den Programmen muss aber nicht immer Werbung stehen. Die Post verkauft beispielsweise Briefmarken via iPhone, Sixt vermietet darüber Autos. Mehr als 10 000 Mal wurde allein die iPhone-Variante abgerufen – und sie wird laut Sixt „kräftig genutzt“. Noch folgen dem Trend meist die technikaffinen Early Adopters. Aber die Geräte, mit denen auch Lieschen Müller komfortabel surfen kann, verbreiten sich unaufhaltsam.

Mit welchen Konzepten Medien, Gerätehersteller, Telekommunikationsanbieter und Dienstleister vom Hype profitieren wollen, lesen Sie in Ausgabe 32/2009 der W&V.

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