Burson-Marsteller Media Survey
30.04.2010 · Medien/ Werbemarkt allgemein · Media-StudieAuswirkungen der Wirtschaftskrise auf den Journalismus; Veränderungen des Berufsfeldes durch die Neuen Medien; Veränderung des Verhältnisses von Journalisten und PR-Agenturen
Wenn die Medien sich verändern, bleibt das nicht ohne Folgen für die Arbeit von Journalisten und PR-Agenturen. „Ich lese morgens keine Nachrichtenagenturen mehr, sondern suche mir die Aufhänger für spannende Storys bei glaubwürdigen Bloggern, bei Twittern oder in für meine Themengebiete relevanten Online-Foren“, beschreibt ein deutscher Journalist seine neue Arbeitsweise im aktuellen Media Survey der PR-Berater von Burson-Marsteller.
In der Untersuchung wurden Redakteure aus Europa, Afrika und dem Mittleren Osten zu den Auswirkungen der Wirtschaftskrise und der Rolle der neuen Me­dien in ihrem Jobumfeld befragt. Zwar sieht die PR-Schmiede infolge der geringen Fallzahl von insgesamt 115 Befragten ihre Umfrage nur als Trendreport. Aber: „Die Ergebnisse sind über die verschiedenen Nationen hinweg relativ einheitlich. Die Journalisten haben derzeit ähnliche Sorgen“, betont Karl-Heinz Heuser, CEO von Burson-Marsteller Deutschland.
Acht von zehn Interviewpartnern berichten von Kostenkürzungen in ihren Redaktionen infolge der Krise. Dabei wird in erster Linie an freien Autoren gespart. Die Ressorts Feuilleton (28 Prozent) und Nachrichten (20 Prozent) leiden nach Meinung der Journalisten besonders unter Kosteneinschnitten und Entlassungen. „Mit jeder Sparrunde sinkt die Qualität des Blattes“, so ein Studienteilnehmer aus Deutschland.
Außentermine wahrnehmen und Kontakte persönlich pflegen, wird zum Luxus: Ein Fünftel berichtet von weniger Treffen und „Lunches“ mit Informanten, 13 Prozent besuchen seltener Pressekonferenzen und Events. Jeder Fünfte hat weniger Zeit und Platz für redaktionelle Beiträge, weiteren 20 Prozent steht ein geringeres Zeitkontingent zum Recherchieren von Geschichten und Artikeln zur Verfügung. „Die Vertiefung der Themen findet nicht mehr so statt wie vor fünf Jahren“, beobachtet Heuser.
Das liegt auch daran, dass die Journalisten zunehmend vielfältiger eingesetzt werden. Die Mehrheit der Befragten muss mittlerweile mehreren Aufgaben und Rollen gerecht werden. So schreiben zehn Prozent nebenher Blogs. Weitere zehn Prozent sind auch für zusätzliche Foto- und Videoaufnahmen zuständig.
Über die Bedeutung der neuen Medien und digitalen Möglichkeiten herrscht Uneinigkeit. 17 Prozent sehen in den digitalen Medien die größte Bedrohung für den Qualitätsjournalismus. Als zerstörerische Kräfte werden vor allem Blogs (27 Prozent) angesehen. Andererseits ziehen 42 Prozent Nutzen aus Suchtechnologien, und für 19 Prozent haben Blogs den Journalismus sogar verbessert.
Bewegung bringen die Veränderungen der Arbeitswelt der Journalisten auch in die Rolle der Public Relations. Fast die Hälfte der Befragten hat mehr mit PR-Agenturen zu tun als noch vor einigen Jahren. Die Anforderungen an die Öffentlichkeitsarbeit steigen ebenfalls. Mehr als ein Viertel wünscht sich, dass PR-Agenturen ihre Geschichten gezielter und aktiver anbieten. Umdenken müssen die Agenturen auch beim Formulieren ihrer Themen. „Die Information muss aufbereitet sein und im Kontext eingeordnet“, so Heuser. Die Nachricht allein sei hingegen im Online-Zeitalter nichts mehr wert.









