Wie würde ein geeignetes Anforderungsprofil aussehen?
Zunächst einmal ist meine Erfahrung: Der Ausbildungsgrad der Führungskräfte, speziell in den Medien, ist deutlich steigerungsfähig. Daraus resultiert eine gefährliche Gratwanderung: Die Arbeit mit dem weit verbreiteten Wir-machen-das-mal-eben-klar-Typ mag eine ganze Weile gut gehen. Das sind jedoch nicht die Manager, die den Leser-, Hörer-, Seher- und Werbemarkt wirklich verstehen. Erforderlich sind „vier Fs“: Fast, Focused, Flexible, Friendly. Ein solches Führungsverhalten zahlt sich übrigens auch in stürmischen Zeiten aus, weil Fehlentwicklungen in der Krise besonders teuer sind.

Die „Fs“ müssen Sie uns erklären.
Es geht darum, Entscheidungen schnell („fast“) zu treffen und umzusetzen. Anschließend müssen Führungskräfte „flexible“ reagieren, je nachdem, ob sich ihre Entscheidung als richtig erweist. Gegebenenfalls müssen sie bereit sein, jenseits aller Eitelkeiten schnell die Reißleine zu ziehen. Das ist wichtig: In einigen Märkten wird man auch künftig nur auf Sicht fliegen können. „Focused“ meint, nicht alle Projekte gleichzeitig voranzutreiben.

Verzetteln sich viele Führungskräfte?
Nicht nur das. Ich kenne Medienmanager, die 80 Prozent ihrer Zeit in die Selbstdarstellung stecken statt in Titel und Formate.

Führen denn harte, fokussierte Entscheidungen nicht automatisch zu einem Vertrauensverlust im Unternehmen?
Nein. Nur dann, wenn der Kapitän keine Vorstellung davon hat, was zu tun ist. Oder, wenn er seine Vorstellungen nicht rechtzeitig und womöglich unzureichend kommuniziert.

Verändert die Krise den Führungsstil in den teils schwer getroffenen Medien?
Ja, aber leider nicht zum Guten. Wenn aber der innere Zusammenhalt da ist und die Mitarbeiter konzentriert und motiviert arbeiten, dann können Führungskräfte sogar in der Krise eine höhere Kampfklasse erreichen. Es gibt jedoch Führungskräfte, die sehr verunsichert sind und immer weiter in wackelige Business-Modelle investieren. Sie neigen dazu, einfach „draufzuhauen“, wenn es mal nicht gut läuft.

Konsumgüterhersteller streichen ihre Budgets zusammen, Publikumsmedien befinden sich seit Jahren in schwerer See. Bleibt Krisen-Tauglichkeit ein „Muss“?
Davon ist auszugehen. Bestimmte Segmente kommen erst einmal gar nicht aus der Krise heraus. Manager in diesen Bereichen sollten darauf vorbereitet sein: etwa überall dort, wo Kunden - wie bei den Zeitungen kaum mehr bereit sind zu bezahlen.


Autor: Thomas Forster

Thomas Forster ist Ressortleiter Neue Produkte bei der W&V. Er schreibt über Digital-, Medien-, Unternehmens- und Personal-Themen.