Aufklärungsanzeigen:
"Doppelmoral": Dr. Wolff beklagt Werbezensur der Medien
Auf der einen Seite berichten sie breit über Michael Douglas und seine Oralsex-Zitate, auf der anderen Seite lehnen sie Aufklärungsmotive ab: die Pharmafirma Dr. Wolff wirft den Medien Scheinheiligkeit vor.
Auf der einen Seite berichten sie breit über Michael Douglas und seine Oralsex-Zitate, auf der anderen Seite lehnen sie medizinische Aufklärungsmotive ab - die Pharmafirma Dr. Wolff wirft den Medien Scheinheiligkeit vor. 20 Zeitungen hätten den Abdruck von Aufklärungsanzeigen zu Scheidentrockenheit verweigert, so die Bielefelder Firma. Dabei hätten sie auf die "selbst auferlegten Richtlinien" verwiesen, die "sich angeblich an gesellschaftlichen Normen" orientierten. Unter den Zeitungen, die nicht drucken wollten, waren unter anderem die westfälischen Lokalblätter "Die Glocke" und die "Westfälischen Nachrichten".
Hauptsächlich regionale Tageszeitungen hätten mit dem Motiv ein Problem, so Eva Gertz, Pressereferentin der Dr. Wolff-Gruppe, gegenüber W&V Online. Große überregionale Zeitungen wie "Bild" oder "Süddeutsche Zeitung" zeigten sich in der Regel liberaler. Sie hätten die Anzeigen, die schon seit zwei Jahren veröffentlicht würden, ohne Probleme abgedruckt.
Den anderen Blättern hält die Firma nun vor, sie hätten aber keinerlei Bedenken, über den Oralsex von Michael Douglas und den Zusammenhang mit seiner möglichen Kehlkopferkrankung zu berichten. "Das ist nicht nachvollziehbar, denn es wird ganz offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen", findet Geschäftsführer Eduard Dörrenberg. Und seine Pressereferentin ergänzt: "Wir haben da eine Doppelmoral herausgehört." Gerade die regionalen Tageszeitungen seien für die Mediapläne des Unternehmens wichtig, denn ältere Frauen, die über die Problematik Scheidentrockenheit aufgeklärt werden müssten, lesen viel häufiger ein Lokalblatt als eine überregionale Tageszeitung. Sie kann den Umgang mit der aufklärenden Anzeige überhaupt nicht verstehen, denn diese "zeige ja nichts".