Offenbar sorgen auch umstrittene Personalentscheidungen von Chefredakteurin Ines Pohl im Zuge der Strukturreform um Seite 1-Team und Rechercheteam für Unruhe. Auch die blattmacherische Kreativität steht intern in der Kritik, heißt es in der Redaktion.  Ein direkter kausaler Zusammenhang zu den Abgängen lasse sich aber nicht unbedingt herstellen. Äußere Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle: Ansteigende Mieten und höhere Arbeitsanforderungen bei der "taz" selbst stellen unterbezahlte "taz"-Journalisten vor die Frage, ob sie sich das in der zweiten Lebenshälfte noch leisten können - vor allem wenn es eine Familie zu versorgen gilt. 

"Die Abgänge schmerzen uns schon,"kommentiert Anja Mierel, Pressesprecherin der "taz", die auffällige Personalfluktuation der langjährigen Tazler.  Grund des Personalkarussels sei aber nicht blattmacherische Frustration. "Das sind überwiegend Zufälle," sagt Mierel. 

Immerhin bekommt  das Ressort  Wirtschaft und Ökologie Verstärkung. Ressortleiterin Beate Willms, hat mit  Kai Schöneberg, 44, einen neuen Co-Ressortleiter bekommen.  Der studierte Wirtschaftshistoriker kommt von der "Financial Times Deutschland", wo er unter anderem für die Seite 1 zuständig war.


Autor: Judith Pfannenmüller

ist Korrespondentin für W&V in Berlin. Sie schaut gern hinter die Kulissen und stellt Zusammenhänge her. Sie liebt den ständigen Wandel, den rauhen Sound und die thematische Vielfalt in der Hauptstadt.