ARD/ZDF: VDZ-Präsident Burda lobt Becks Werbe-Vorstoß
Nichtsdestotrotz wollen die Zeitschriftenverleger unter der Leitung ihres Präsidenten Hubert Burda neben dem stufenweisen Werbestopp bei ARD und ZDF noch mehr erreichen - nämlich eine Begrenzung des Online-Budgets.
Die Zeitschriftenverleger zeigen sich erfreut von der Forderung des Vorsitzenden der Rundfunkkommission der Länder, Kurt Beck, nach einem Verzicht auf Werbung für ARD und ZDF. Hubert Burda, Präsident des VDZ Verband Deutscher Zeitschriftenverleger betont: "Damit kommt endlich eine ordnungspolitische Diskussion in Gang, bei der die Chancengleichheit privatwirtschaftlich verfasster Medien gegenüber dem Gebührenprivileg der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten thematisiert wird.“ Im gleichen Atemzug tut Burda allerdings erneut seine Sorge kund, ARD und ZDF könnten im Internet zu ausufernd handeln. Die "ungebremste Expansion der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in das Internet" mache den Verlegern weiterhin Sorge, so Burda. Er betont: "Der Verzicht auf Werbung darf kein Freibrief für den Ausbau der öffentlich-rechtlichen Online-Auftritte sein.“
Wie der W&V-Schwestertitel "Kontakter" in seiner aktuellen Printausgabe berichtet (EVT: 15.3.), schlägt Kurt Beck vor, die Werbefreiheit im Fernseh-Programm von ARD und ZDF sukzessive ab 2013 mit dem 14. Staatsvertrag einzuschränken. Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger sieht darin nun "einen ersten Schritt zu einer Neuausrichtung der Medienpolitik, wie beispielsweise in Spanien und Großbritannien", wie es heißt. Der Verband weist zudem auf das Modell der englischen BBC hin, wo das Online-Budget um 25 Prozent zurückgefahren werden soll. Dies sei auch ein Modell für Deutschland, so der VDZ. "Die Gebührenfinanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist ein Privileg, das zur Selbstbeschränkung verpflichtet. Funktioniert es nicht, ist es bald verwirkt", teilt der Verband am Dienstag mit. Just jetzt wird bekannt, dass mit Sportschau.de und Boerse.ard.de zwei weitere Online-Offerten an den Start gehen sollen. Burda betont zudem, dass die Werbebeschränkung auch für ARD-Hörfunk gelten müsse.
Der VDZ setzt sich nun über den Werbestopp hinaus für "eine Debatte über einen fairen Wettbewerb zwischen gebührenfinanzierten Medien und Printmedien in den sich neu entwickelnden Online-Märkten" ein. Diese seien für Zeitungen und Zeitschriften überlebensnotwendig. Dazu bedürfe es einer kritischen Beleuchtung der Gesamtstruktur des Dualen Systems, heißt es abschließend. Bevor die Vorschläge in den nächsten Staatsvertrag einfließen könnten, müssen ohnehin noch viele Hürden genommen werden - wie der Kontakter-Blog zum Thema erahnen lässt.