Vor Jacobs stellte Gary Shapiro, Chef des CES-Veranstalters Consumer Electronics Association (CEA), die diesjährigen Trends vor: Connected TV, Ultrabooks und Digital Health. Mithilfe der elektronischen Geräte könne man lernen richtig zu schlafen und sich gesund zu ernähren, erklärte Shapiro. Auch für die Umwelt bieten technische Innovationen einiges, genauso wie für Entwicklungsländer. In Indien werden Frauen von Technologieherstellern unterstützt, ihr eignes Business zu gründen. "Mit mehr als 3.100 Unternehmen, die hier über 20.000 neue Produkte vorstellen, ist die International CES 2012 die weltweit größte Drehscheibe für Innovationen im Bereich Consumer Technology“, so Shapiro.

Dann ging das Licht aus. Doch nicht Internet-Visionär Jacobs, sondern die Gewinner der MTV-Show "America´s Best Dance" Crew, die Tanzgruppe Jabawockeez, betrat die Bühne, und legte zu zackigen Rhythmen einen futuristischen Robotertanz aufs Bühnenparkett - in den dann schließlich Paul Jacobs platzte: Der Qualcomm-Chef nahm einem der Tänzer ein Tablet aus der Hand und hielt es dem vermeintlich verdutzten Shapiro hin. Der drückte den Knopf - und die Tanztruppe gab eine Zugabe. Toller Show-Effekt mit Beifall. Klar, schließlich ist es Vegas!

Doch abseits des Scheinwerferlichts war der Glamour schnell verschwunden, Connected TV hin, Tablet her. Die Busse, die die Teilnehmer von den Sälen des Venetian und Hilton - dort werden die Keynotes abgehalten - zum Las Vegas Convention Center bringen sollten, waren überlastet. Fahrgäste standen sich die Beine in den Bauch. Doch während dann an den Bussen auf Hochglanz polierte Stretchlimousinen vorbeirauschten, kamen die sperrigen Fahrzeuge inmitten des Staus auch nicht recht vorwärts. Die Fahrer baten ihre Gäste daher, vorbei an den für Las Vegas typischen Vermittlern für Prostituierte, zu Fuß weiter zu gehen. Manche Panel-Teilnehmer stießen daher verspätet und verschwitzt zum Podium - natürlich aufgrund des absolvierten Spaziergangs.

Das Gros der CES-Besucher schien über die sportlichen Herausforderungen des Events bereits im Bild zu sein. Zu Anzug oder Jeans trugen Männer bequemes Schuhwerk. Frauen zu Kleid über Strumpfhose flache Stiefeletten oder Pumps. Wichtigstes Accessoire neben Handtasche und Smarthphone: die Wasserflasche in der Hand. Presse-Vertreter bekamen dazu im Pressecenter ein praktisches Utensil: einen CES-gebrandeten Rucksack.

Aufmunternd - und sehr amerikanisch - war vor allem ein Ratschlag an die Teilnehmer, der während der Sessions und Vorträge immer wiederkehrte. "Ermuntert zum Risiko und erlaubt Fehler!“


Autor: Irmela Schwab

ist Autorin bei W&V. Die studierte Germanistin interessiert sich besonders dafür, wie digitale Technologien Marketing und Medien verändern. Dazu reist sie regelmäßig in die USA und ist auf Events wie South by Southwest oder der CES anzutreffen. Zur Entspannung macht sie Yoga und geht an der Isar und in den Bergen spazieren.