Eventreport CES 2012: Atemlos durch Las Vegas
Mobile Geräte, versprechen Hersteller auf der CES, bringen Schwung ins Gesundheitswesen, helfen im Umweltschutz und in der Entwicklungsarbeit. Klingt gut, doch gegen überfüllte Busse und Stau auf den Straßen von Las Vegas sind sie (noch) machtlos. W&V-Autorin Irmela Schwab berichtet.
Die erste Lektion gab es im Flieger nach Las Vegas. "Please power off all electronic devices“, schnurrte die Stewardess durchs Mikro - und holte tief Luft: "That means your Phone. Your iPod. Your iPad.“ Dann, ein wenig entnervt: "Even your Kindle is an electronic device.“
Für die meisten der Passagiere an Bord, die widerwillig den Ausknopf drückten, war diese Information zwar kein Novum. Sie hatten einfach keine Lust sich von ihrem Personal Device zu trennen: Gekleidet in dunkle Businessanzüge oder aber - je nach Rang und Position - leger in Jeans und Pulli waren sie auf dem Weg zur CES 2012 - wo sie als einer der rund 140.000 Besucher am Dienstag, dem offiziellen Start der weltweit größten Consumer Electronics Messe empfangen wurden.
Was die von der Stewardess aufgezählten Geräte im Innersten zusammenhält, erklärte dort Paul Jacobs, CEO von Qualcomm, in seiner morgendlichen Key Note im Palazzo Ballroom des Hotel The Venetian. Nämlich der Snapdragon-Chip des Unternehmens, der bereits in einer Stückzahl von sieben Milliarden an Hersteller von Smartphones und Tablets verkauft wurde. Die Geräte seien auch weiterhin ein boomender Markt. "Wussten Sie“, fragte er das Publikum, "dass Smartphone-Besitzer im Schnitt 150 mal täglich auf ihr Handy gucken? Das sind sechseinhalb Minuten pro Tag“, sagte er, und ermunterte sein Publikum, ruhig weiter auf ihren Geräten zu tippen. "Im Gegensatz zu vielen anderen Rednern macht mir das nichts aus“, rief er ihnen zu, und erntete Gelächter. Der erste Witz gefiel.
Vor Jacobs stellte Gary Shapiro, Chef des CES-Veranstalters Consumer Electronics Association (CEA), die diesjährigen Trends vor: Connected TV, Ultrabooks und Digital Health. Mithilfe der elektronischen Geräte könne man lernen richtig zu schlafen und sich gesund zu ernähren, erklärte Shapiro. Auch für die Umwelt bieten technische Innovationen einiges, genauso wie für Entwicklungsländer. In Indien werden Frauen von Technologieherstellern unterstützt, ihr eignes Business zu gründen. "Mit mehr als 3.100 Unternehmen, die hier über 20.000 neue Produkte vorstellen, ist die International CES 2012 die weltweit größte Drehscheibe für Innovationen im Bereich Consumer Technology“, so Shapiro.
Dann ging das Licht aus. Doch nicht Internet-Visionär Jacobs, sondern die Gewinner der MTV-Show "America´s Best Dance" Crew, die Tanzgruppe Jabawockeez, betrat die Bühne, und legte zu zackigen Rhythmen einen futuristischen Robotertanz aufs Bühnenparkett - in den dann schließlich Paul Jacobs platzte: Der Qualcomm-Chef nahm einem der Tänzer ein Tablet aus der Hand und hielt es dem vermeintlich verdutzten Shapiro hin. Der drückte den Knopf - und die Tanztruppe gab eine Zugabe. Toller Show-Effekt mit Beifall. Klar, schließlich ist es Vegas!
Doch abseits des Scheinwerferlichts war der Glamour schnell verschwunden, Connected TV hin, Tablet her. Die Busse, die die Teilnehmer von den Sälen des Venetian und Hilton - dort werden die Keynotes abgehalten - zum Las Vegas Convention Center bringen sollten, waren überlastet. Fahrgäste standen sich die Beine in den Bauch. Doch während dann an den Bussen auf Hochglanz polierte Stretchlimousinen vorbeirauschten, kamen die sperrigen Fahrzeuge inmitten des Staus auch nicht recht vorwärts. Die Fahrer baten ihre Gäste daher, vorbei an den für Las Vegas typischen Vermittlern für Prostituierte, zu Fuß weiter zu gehen. Manche Panel-Teilnehmer stießen daher verspätet und verschwitzt zum Podium - natürlich aufgrund des absolvierten Spaziergangs.
Das Gros der CES-Besucher schien über die sportlichen Herausforderungen des Events bereits im Bild zu sein. Zu Anzug oder Jeans trugen Männer bequemes Schuhwerk. Frauen zu Kleid über Strumpfhose flache Stiefeletten oder Pumps. Wichtigstes Accessoire neben Handtasche und Smarthphone: die Wasserflasche in der Hand. Presse-Vertreter bekamen dazu im Pressecenter ein praktisches Utensil: einen CES-gebrandeten Rucksack.
Aufmunternd - und sehr amerikanisch - war vor allem ein Ratschlag an die Teilnehmer, der während der Sessions und Vorträge immer wiederkehrte. "Ermuntert zum Risiko und erlaubt Fehler!“