Die Angeklagten hatten argumentiert, die Blankokarten selbst seien keine zur Piraterie geeigneten Mittel und würden daher nicht gegen das Gesetz verstoßen. Damit kamen sie jedoch nicht durch, zu viele Beweise und Indizien sprachen gegen sie. 1.850.000 Euro Schadenersatz müssen der zu 18 Monaten Haft Verurteilte sowie eine juristische Person zahlen. Der mit acht Monaten Haft Bestrafte wurde zu einer Zahlung von 180.000 Euro verpflichtet. Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden.

AEPOC-Präsident Philippe-Olivier Rousseau kommentiert: „Anhand des Urteils wird deutlich, wie schädlich Piraterie für die Pay-TV-Branche ist. Der hohe Schadensersatzanspruch, der alleine in diesem Fall zugesprochen wurde, belegt den stark kriminellen Charakter der Pay-TV-Piraterie.“

Die Verurteilten verstießen insbesondere gegen das flämische Rundfunkdekret. Dieses Gesetz umfasst auch die Vorschriften der EU-Richtlinie zum Schutz von Conditional Access (CA) – also Zugangskontrollvorrichtungen wie Verschlüsselungssysteme für Pay-TV. Die CA-Richtlinie bildet den Grundstein der EU-Gesetzgebung zum Schutz von Pay-TV-Angeboten. Weitere Rechtsgrundlagen des Prozesses waren das Urheberrecht sowie das belgische Strafgesetzbuch, das auch die gewaltigen Geldwäschetransaktionen der Piraten erfasst, die zwischen Belgien und Aachen in Deutschland ausgeführt wurden.

In anderen EU-Ländern werde die Richtlinie zu lasch gehandhabt, beklagt Rousseau : „Selbst bei solch komplexen Auseinandersetzungen wie Pay-TV-Piraterie mit Handel über mehrere Landesgrenzen hinweg erweisen sich das belgische Gesetz und der belgische Gesetzesvollzug als äußerst effektiv. In vielen anderen EU-Staaten hingegen funktioniert die Umsetzung der CA-Richtlinie nicht derart zufriedenstellend. AEPOC arbeitet daher innerhalb der Europäischen Union darauf hin, Gesetze und Vollzugsmaßnahmen stärker zu harmonisieren – und geringst mögliche Schwellenwerte für Sanktionen einzuführen, um so die Schwere des Delikts Pay-TV-Piraterie herauszustellen.“


Autor: Frauke Schobelt

koordiniert und steuert als Newschefin der W&V den täglichen Newsdienst und schreibt selber über alles Mögliche in den Kanälen von W&V Online. Sie hat ein Faible für nationale und internationale Kampagnen, Markengeschichten, die "Kreation des Tages" und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.