Haul-Videos: Werbekosmetik auf YouTube
Sie sind jung, Mode-Verrückt und bloggen was das Zeug hält über Beauty-Themen – kein Wunder, dass die sogenannten „Hauler“ in den Blick der Kosmetikfirmen rücken.
Junge Mädchen reden online über ihre neue Wimperntusche, präsentieren ihre Kosmetik-Sammlung oder zeigen, wie sie den perfekten Lidstrich ziehen – was sich nicht nur für die meisten Männer nach gähnender Langeweile anhören dürfte, hat sich zu einem Online-Phänomen entwickelt, das von Unternehmen zunehmend ernst genommen wird. Denn tausende Zuschauerinnen vertrauen auf das Urteil der Schmink-Profis.
In ihren Haul-Videos (das englische haul steht für Fang, Ausbeute) zeigen die jungen Mädchen ihre neuesten Einkäufe, führen ihre Mode-Favoriten der Saison vor oder erklären, welchen Nagellack sie derzeit gut finden. Die meisten von ihnen haben einen eigenen Youtube-Kanal und erreichen 50, 60 oder 70.000 Views pro Video. Ihre Besonderheit ist, dass sie authentisch wirken und die Zuschauerinnen ihnen Schmink-Kompetenz zusprechen.
Kein Wunder, dass Kosmetikfirmen wie L´Oreal die Szene aufmerksam beobachten und mit den Bloggerinnen Kontakt aufnehmen. Die Kanäle „ergänzen die Berichterstattung der klassischen Medien, da sie häufig ausführlichere Informationen für Verbraucher zur Verfügung stellen“, so Christine Balke, PR-Leiterin der L`Oréal-Marken Maybelline Jade und Garnier. Mit welchen Haulerinnen sie zusammenarbeitet, will sie nicht preisgeben, erklärt aber, dass die jungen Frauen zu Presseevents eingeladen und ihnen Produkttests zugeschickt werden. Auch ein Blick hinter die Kulissen gewährt das Unternehmen ausgewählten Kosmetik-Fans.
Für deren Glaubwürdigkeit ist das nicht unbedingt zuträglich. Eine von ihnen (im echten Leben arbeitet sie bei Douglas) sah sich daher veranlasst, einen Kommentar zu filmen. Darin erklärt sie, wie Kosmetikfirmen sie umgarnen und wie sie mit zugeschickten Produkttests umgeht. Denn die Zuschauerinnen reagieren empfindlich, wenn sie merken, dass ihnen eine „gekaufte Meinung“ untergejubelt wird.