Für die Kenner-Schreibe bei "Goal" sorgt Uwe Morawe, Fußballkommentator beim Münchner Sportsender Sport1. Zum Auftakt reibt er sich an der medialen Steinigung der Foul-Könige gerade im spanischen Spitzenfußball, die aber nicht verhindern kann, dass die überehrgeizigen Spieler im Nachgang in die Fußball-Geschichte eingehen. Für Sport1 eine Win:Win-Situation mit Gratis-Werbung, zumal der Sportkanal und sein Pay-TV-Ableger Sport1+ internationalen Fußball zeigen.

Fazit: Eine Marktlücke im Print-Sportsegment hat die Mutter der deutschen Ausgabe der "Micky Maus" auf jeden Fall gefunden. "Goal" ist das gedruckte Pendant zu den diversen TV-Sendungen (beispielsweise auch im Sky-Paket), die sich der globalen Fußball-Elite hierzulande bereits widmet – und kommt rechtzeitig zur Euro 2012 zu einem fairen Preis von 2,99 Euro. Echte Fans kommen sicher auf ihre Kosten; Porträts über schlummernde Potenziale und echte Stars in Fußballschuhen enthalten sehr viel Informationen und sind gut geschrieben. Das Cover des Magazins lockt erst gar nicht mit viel Text und spricht den Fußball-Urinstinkt an: Er wirkt durch Bilder der wichtigsten Stars wie Ronaldo, dem dreifachen Welt-Fußballer Messi oder Fabregas aus Spanien – in knalligen Vereinsfarben (und damit passend zum Verlag mit der großen Comic-Erfahrung).

Als Zugpferd am Kiosk dürften Themen wie das Essay über Bundesligist Mario Götze dienen, dessen Potenzial bei der anstehenden Fußball-EM und überhaupt in den internationalen Ligen hinterfragt wird. Fürs Auge (...damit auch für Frau...), für die weniger Fußball-Affinen und für die Lachmuskeln ist auch so manches geboten: Die Auftakt-Seiten unter dem Titel "Kick-Off" offenbaren verkorkste Sprüche, wilde Nebengeschäfte der Kicker und so manch fiesen Scheitel (Favorit der Redaktion: die Puschel-Matten von Marouane Fellaini, David Luis und Benoit Assou-Ekotto auf Seite 9).

Sehenswert auch die Vorher-Nachher-Fotostrecke der internationalen Fußballstars – zu Beginn ihrer Karriere und zehn Jahre später. Die international tätige Werbeklientel nimmt den männertauglichen Titel offensichtlich schon an – Anzeigen aus den Segmenten Körperpflege, Technik, Games, aber auch Alkohol sind zu finden. Nun muss es noch dem (sehr scharfsichtigen) Leser schmecken; die Druckauflage von 150.000 Exemplaren ist mutig in einem Markt, der vom "Kicker", von "Sport Bild" und von "11 Freunde" schon sehr gut besetzt ist. Die Meinung der Fans ist Ehapa jedenfalls wichtig - im Heft und Online wird danach gefragt.


Autor: Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.