Tami Reller:
Microsoft-Marketingchefin räumt Fehler bei Windows 8 ein
Gut ein halbes Jahr nach dem Start von Windows 8 muss Microsoft nachbessern: Wegen mäßiger Absatzzahlen und unzufriedener Kunden arbeitet der Konzern schon an einer Neuauflage: Windows Blue soll es richten.
Das neue Microsoft-Betriebssystem Windows 8 sollte alles können: auf Notebooks und Desktop-Rechner laufen, aber auch auf Tablet-Computern und Kombi-Geräten. Deshalb wurde die Bedienung radikal verändert und stärker auf Touchscreen-Nutzung angepasst. Bei PC-Nutzern und Experten kam dies nicht gut an. Die "Financial Times" vergleicht das schleppende Geschäft mit dem Betriebssystem sogar mit dem Fiasko, das Coca Cola vor 30 Jahren mit seiner "New Coke" erlebte. In den 80er Jahren änderte Coca Cola die Formel für seinen Soft-Drink und musste die neue Cola nach kurzer Zeit wieder vom Markt nehmen, weil die Kunden sie in den Regalen stehen ließen.
Microsoft-Marketingchefin Tami Reller zeigt sich in einem Interview mit der "Financial Times" reumütig und kündigt an, Kernpunkte des Betriebssystems zu ändern. Die Neuerungen sollen mit einem Update - Arbeitstitel "Windows Blue" - bis Ende des Jahres kommen. Dabei wolle Microsoft auch Kundenwünsche berücksichtigen. Reller ging aber nicht direkt auf Medienberichte ein, wonach die nächste Version den "Start"-Knopf zurückbekommen könnte, den viele Nutzer vermissen.
Die Unzufriedenheit mit Windows 8 soll jetzt sogar zu dem bisher stärksten Einbruch des PC-Marktes geführt haben. Das erklären die Marktforscher von IDC. Der Absatz von Notebooks und Desktops war im ersten Quartal um fast 14 Prozent gefallen. Der Markt für klassische Personal Computer schrumpft schon seit rund einem Jahr. Grund ist, dass die Nutzer lieber zu Smartphones und Tablet-Computern greifen. Microsoft und die PC-Hersteller wollen daneben eine neue Klasse von Hybrid-Geräten etablieren. "Der PC ist sehr wohl am Leben und wird immer mobiler", glaubt Reller. Der PC-Markt verändere sich schnell hin zu Kombi-Geräten und Laptops mit Touchscreen-Bildschirmen.
Trotz aller Kritik wurde Microsoft sein neues Betriebssystem Windows 8 in einem halben Jahr 100 Millionen Mal los. Allerdings lief der Verkauf nach einem Schub in den ersten Monaten zuletzt deutlich schleppender. Die Marke von 60 Millionen hatte Microsoft bereits im Januar bekanntgegeben. Mit 100 Millionen Lizenzen nach einem guten halben Jahr liegt Windows 8 in etwa auf der Höhe der Vorgänger-Version. In einer breiten Kampagne hat Microsoft für sein neues Betriebssystem geworben.
Mit der Markteinführung von Windows 8 hatte Microsoft auch eine Download-Plattform für Programme gestartet. In diesem "Windows Store" seien inzwischen 250 Millionen Apps heruntergeladen worden, sagte Reller. Insgesamt gebe es inzwischen 700 Millionen Konten von Nutzern, die sich für Microsoft-Dienste angemeldet haben. Allein das neue Webmail-Angebot Outlook.com, in dem der bekannte Dienst Hotmail aufging, komme auf 400 Millionen Kunden.
fm/dpa