Apple vs Android:
Offene Beziehung mit Apple: Es lohnt sich!
Macbook, iPad und über vier Jahre iPhone: W&V-Redakteur Frank Zimmer liebt die Marke Apple für ihr konsequentes Designkonzept, ihren Qualitätsanspruch und ihren zuverlässigen Komfort. Trotzdem ist er jetzt stolzer Samsung-Galaxy-Besitzer. Hier erklärt er, warum.
Es ist schön, wenn Marken geliebt werden. Sie sind dann "emotional aufgeladen", wie es im Werber-Sprech heißt. Wenn wir im Batterie-Bild bleiben wollen: Die Marke Apple ist jetzt so emotional aufgeladen, dass man allmählich um den Stromkreiskauf fürchten muss. Apple oder Android, iPhone oder Samsung Galaxy, Schwarz oder Weiß, alles oder nichts, entweder, oder: Sind das wirklich die Kategorien, in denen wir denken sollten?
Ich mag Apple. Nein, das ist noch zu vorsichtig formuliert. Ich liebe die Marke Apple für ihr konsequentes Designkonzept, ihren Qualitätsanspruch und ihren zuverlässigen Komfort. Ich kann mich noch immer über die gut durchdachten Details an meinem Macbook freuen, und ich genieße mein iPad wie am ersten Tag. Trotzdem habe ich mir gestern ein Android-Smartphone von Samsung gekauft. Und mein iPhone ausgemustert. Warum? Weil ich zwar gerne Apple-Kunde bin, aber trotzdem keiner Sekte angehören möchte. Drei Überlegungen waren für mich ausschlaggebend:
1. Rationalität: Das iPhone ist nett, mittlerweile aber absurd überteuert. Für mein erstes Modell, das damals aktuelle iPhone 3G, habe ich nach meiner Erinnerung Anfang 2009 als Telekom-Kunde einen Euro gezahlt. Das iPhone 4 kostete zwei Jahre später schon 149 Euro - bei gleichem Tarif, wohlgemerkt. Beide Modelle waren damals die aktuellsten. Für 149 Euro bekomme ich heute im gleichen Tarif nur noch das ausgemusterte iPhone 4S. Beim iPhone 5 würden mehrere Hundert Euro fällig (ich habe verdrängt, wie viel genau, und es interessiert mich auch nicht mehr). Warum also nicht zum Galaxy S3 für 49 Euro greifen? Es sieht nicht schlecht aus, liefert gute Testergebnisse, ich kann damit telefonieren, digital kommunizieren und fotografieren. Also das, wofür man ein Smartphone so braucht. Und das ist der Punkt: Ein Smartphone des Jahres 2013 ist kein aufregendes Gadget mehr, für das man unvernünftig viel Geld ausgeben möchte. Es ist ein alltäglicher Gebrauchsgegenstand geworden, bei dessen Anschaffung zumindest rudimentäre Kosten-Nutzen-Abwägungen eine Rolle spielen dürfen.
2. Neugier: Man kann viel über Android lesen. Man muss es aber erleben. Wie soll man Android und die Google-Strategie dahinter sonst auch beurteilen können? Also: Berufliches Interesse und technische Neugier sprechen für ein Android-Gerät im Haushalt. Bis jetzt hat mich einiges angenehm überrascht, anderes verstehe ich noch nicht. Aber das wird sich zeigen. Auf jeden Fall ist es spannend, eine neue Welt jenseits des Apple-Horizonts kennenzulernen. Sehr gut klappte übrigens die Synchronisierung meiner iTunes-Inhalte über eine App namens Double Twist. Schauderhaft ist eine bestimmte Ansicht des Google-Kalenders. Aber das kann man dem Gerät vielleicht noch abgewöhnen. Wir werden sehen.
3. Die Liebe zu Apple. Das klingt als Begründung für ein Android-Handy ziemlich bescheuert, aber: Jeden Tag auf drei Endgeräten dasselbe Apple-Antlitz stumpft selbst den größten Design-Fan irgendwann ab. Der typische Sättigungseffekt eben. Auf welches Schnitzel soll ich mich noch freuen, wenn ich nichts anderes mehr vorgesetzt bekomme? (Gut, im Büro ist da noch dieser Windows-PC, aber das ist ein anderes Kapitel). Immer mal wieder ein bisschen Abwechslung als Garant für eine stabile Beziehung: Das wäre wahrscheinlich keine gute Strategie für eine Ehe. Aber in der digitalen Welt passt das schon.
3a. Ein Argument derjeniger, die Apple zu lieben glauben. "Toll, wenn plötzlich alle Samsung-Smartphones kaufen, dann sind wir Apple-Fans endlich wieder was Besonderes.“ Liebe so genannte Apple-Fans, seit ich vor zwei Jahren die erste rosafarbene iPhone-Hülle gesehen habe, die der Prinzessin-Lillyfee-Zeichner im Vollrausch entworfen haben muss, weiß ich: Ein iPhone wird nie wieder etwas Besonderes sein. Und wenn ihr das wirklich glaubt, dann will ich euch nicht dabei stören.
Übrigens: Vielleicht möchte Apple selbst ja auch nichts mehr Besonderes mehr sein. Der neue iPhone-Spot könnte jedenfalls genau so gut von Samsung, HTC oder Nokia stammen: