Thomas Gottschalk: "Gottschalk Live“ hat mehr Zuschauer als der "Focus“ Käufer
Beim "Zeit Campus Talk" wirkt Thomas Gottschalk kampfeslustig, aber auch selbstkritisch - was das Ende des ARD-Vorabend-Formats "Gottschalk Live" angeht: "Die Alternative wäre gewesen, so lange zu senden, bis es gefällt.“
Thomas Gottschalk sinniert reichlich über das Ende seines ARD-Vorabend-Talks "Gottschalk Live“. Aktuell beim "Zeit Campus Talk" vor Studenten und mit dem Interviewer Giovanni di Lorenzo. Gegenüber dem Chefredakteur der "Zeit“ zeigt sich der bald 62-Jährige kampfeslustig und betont: Auch wenn große Teile des Publikums nicht die Bereitschaft gezeigt hätten, ihm in den Vorabend zu folgen, „habe ich mit einer Million Zuschauer pro Sendung immer noch mehr Zuschauer gehabt, als der ‚Focus‘ in der Woche an Exemplaren verkauft.“ Das Burda-Magazin hat im ersten Quartal im Schnitt laut IVW rund 550.000 Hefte pro Woche an den Leser gebracht, Gottschalks Talk hat sich aber mittlerweile unter einer Million Zuschauer eingependelt. Er werde sich trotzdem nicht beleidigt in die USA zurückziehen - er fühle sich auch in Berlin noch wohl und werde in Ruhe überlegen, wie er sein Leben künftig organisiere, auch wenn es "reizvoll gewesen wäre, sich in aller Legendenhaftigkeit ins Abendrot zu verabschieden“, so der TV-Mann
Einmal mehr betreibt der Entertainer Ursachenforschung zum Ende von "Gottschalk Live“ am 7. Juni. Er kommt zu dem Schluss: „Die Sendung ist nicht am öffentlich-rechtlichen System gescheitert, sondern daran, dass keiner sie sehen wollte“, zitiert die Nachrichtenagentur „dpa“ Thomas Gottschalk. Ob er sich von ARD-Programmdirektor Volker Herres hintergangen fühle, will Giovanni di Lorenzo wissen. Gottschalk kontert: "Die Alternative wäre gewesen, so lange zu senden, bis es gefällt.“ Er sieht in der quotenstarken ZDF-Konkurrenz am Vorabend eine der Ursachen für den Quotenmangel beim eigenen Format. Gottschalk in typischer Gottschalk-Manier: "Diese Vorabendkrimis - Frauen im besten Alter in Jeans graben überall Tote aus. Halb Deutschland müsste inzwischen ermordet worden sein.“
Thomas Gottschalk gibt zu verstehen, dass er letztlich selbst verantwortlich ist für das Quotendesaster in der ARD. „Nach ‚Wetten, dass..?‘ gab es keinen Weg nach oben mehr“, sagt der Moderator, der im Dezember zum letzten Mal den ZDF-Klassiker präsentiert hat. Mit einer Zuschauerzahl in zweistelliger Millionenhöhe habe er die Abschiedstournee beendet. "Dann hat man mir die Todeszone angeboten. 19.20 bis 19.50 Uhr ist aber keine schlechte TV-Zeit. Unterschätzt habe ich die technischen Schwierigkeiten und diejenigen gestalterischer Art.“ Man habe auch Leute eingeladen, die „nicht so ganz meine Richtung waren“. Er meint damit zum Beispiel Schauspieler Karsten Speck.
Apropos "Wetten, das..?“: Lediglich ein Drittel der Deutschen steht einer repräsentativen Umfrage zufolge der Rückkehr des ZDF-Showklassikers aufgeschlossen gegenüber. 33 Prozent antworten auf die Frage, "Freuen Sie sich, dass die Show ab dem 6. Oktober 2012 wieder im TV zu sehen ist?“, mit "ja“. Dagegen lehnen 62 Prozent ein Showcomeback mit der Antwort „nein“ ab. Am Moderator liegt die skeptische Haltung nicht: 54 Prozent halten Markus Lanz für eine gute Wahl, 30 Prozent bezweifeln dies. Die Marktforschungsfirma TNS Emnid interviewte im Auftrag der TV-Illustrierten "Hörzu“ in repräsentativer Form Ende April 1007 Menschen.