Aufklärungsanzeigen:
Zu intim für Lokalblätter? Dr. Wolff blitzt erneut mit Scheidencreme-Anzeige ab
Fast 20 Zeitungen verweigerten erneut die Veröffentlichung einer Vagisan-Anzeige mit dem Hinweis auf Verletzung der selbstauferlegten Richtlinien.
Trotz Anzeigenflaute gerade im Tageszeitungsbereich kommt die Pharmafirma Dr. Wolff mit einer Aufklärungskampagne zu Scheidentrockenheit bei Regionalblättern einfach nicht zum Zuge. "Fast 20 Zeitungen verweigerten erneut die Veröffentlichung der Anzeige für die Feuchtcreme Vagisan mit dem Hinweis auf Verletzung der selbstauferlegten Richtlinien", teilt das Bielefelder Unternehmen mit. Motto: "Intimzensur geht weiter." Der Moralkodex unter anderem bei den westfälischen Lokalblättern "Die Glocke" und "Westfälische Nachrichten" scheint sehr streng zu sein. Für Dr. Wolff sei diese Reaktion "unverständlich, die Richtlinien erscheinen antiquiert". Es stelle sich die Frage, ob alle Entscheider Männer seien und gerade auch solche, die das Thema nicht interessiere.
Der Werbebann für Vagisan in den Zeitungen vor Ort ist für Dr. Wolff und Eva Gertz, Pressereferentin der Gruppe, ein Novum. Seit zwei Jahren seien Motive veröffentlicht worden – in Frauenzeitschriften, aber auch in großen überregionalen Zeitungen wie "Bild" oder "Süddeutsche Zeitung". Aktuell hätten die lokalen Zeitungen innerhalb von zwei Wochen zwei verschiedene Motive der Reklamewelle abgelehnt – mit denen immerhin eine Drittelseite belegt wird. Dabei würde "nichts gezeigt", die Motive hätten lediglich aufklärenden Charakter, betont Gertz gegenüber W&V Online.
Schon Anfang Juni ist dem Pharmakonzern die "Doppelmoral" der Regionalblätter aufgestoßen. Sie hätten Vagisan-Anzeigen unter Hinweis auf den Moralkodex zwar abgelehnt, über den Oralsex von Michael Douglas und den Zusammenhang mit seiner möglichen Kehlkopferkrankung allerdings berichtet. Gerade die regionalen Tageszeitungen seien für die Mediapläne des Unternehmens wichtig, heißt es bei Dr. Wolff, denn ältere Frauen, die über die Problematik Scheidentrockenheit aufgeklärt werden müssten, würden viel häufiger ein Lokalblatt als eine überregionale Tageszeitung lesen. Aber auch mit dem zweiten Motiv ist Dr. Wolff an fast 20 Zeitungen gescheitert.
Die Mehrheit der Tageszeitungen ist weniger zimperlich. Daher setzte und setzt Dr. Wolff dann doch noch seine Printkampagne um, die zusammen mit Brandmeyer Markenberatung entwickelt worden ist. "In den folgenden Tagen verdoppelten sich die Verkaufszahlen für den Marktführer Vagisan Feuchtigkeitscreme", ziehen die Bielefelder ihr Fazit.