Plagiatsvorwurf :
Alles nur geklaut? Überground wieder Opfer mit Tipp 24

Schon BMW hat sich bei Übergrounds Freeletics-Kampagne bedient. Jetzt hat sich Lotto 24 inspirieren lassen - und zwar von Übergrounds Arbeit für Tipp 24, "Danke-Million".

Text: Conrad Breyer

Lotto 24: identisch bis ins Detail.
Lotto 24: identisch bis ins Detail.

Schlägt sich, verträgt sich - so ist das unter Verwandten. Auch Tipp 24 und Lotto 24 waren mal Teil einer großen Familie, bis man 2012 den Kontakt abbrach. Das war eine ganz bewusste Entscheidung. Tipp 24 sollte den internationalen Markt, Lotto 24 den deutschen Markt beackern.

Denn es war absehbar, dass mit dem neuem Glücksspielstaatsvertrag, der am 1. Juli 2012 in Kraft trat, das Geschäftsmodell von Tipp 24 in Deutschland nicht mehr zulässig sein würde. Die machen als so genannte Zweitlotterie Wetten auf den Ausgang von Lotterien und halten eine in England zugelassene Buchmacherlizenz. Tipp 24 sitzt heute in London. Jahre lang war alles harmonisch zwischen den beiden, man hat sich gepflegt ignoriert. Jetzt gibt es Krach.

Worum es geht? Um Geld natürlich, Wertschätzung und enttäuschte Liebe. Vor wenigen Tagen hat Tipp 24 in Deutschland seine neue Werbekampagne vorgestellt mit der "Danke-Million". Wer mit Tipp 24 spielt und richtig tippt, bekommt mit dem gewonnen Jackpot eine Million oben drauf. Das Geld darf der Gewinner aber nicht selbst behalten – er muss es bereits bei der Tippabgabe jemanden widmen, dem er Danke sagen möchte. Eine kluge Marketingidee, die sich gut in Szene setzen lässt. Überground in Hamburg hat die Kampagne gemacht und sich hübsch ins Gespräch gebracht. Die Newcomer-Agentur um Jo-Marie Farwick war 2017 Rookie-Agentur des Jahres beim ADC. 

Tipp 24: Ganz schön frech

Lotto 24 hat vor eineinhalb Wochen eine Kampagne geschaltet, die der von Tipp 24 sehr ähnlich ist, um nicht zu sagen: identisch. Die Idee, das Wording, die Key Visuals - alles gleich, wie ein einfache Suchabfrage nach "Danke-Million" auf Google ergibt. Sind die neidisch? Jo-Marie Farwick jedenfalls ärgert sich: "Wir sind es ja mittlerweile fast gewohnt, mal vorsichtig ausgedrückt, remixed zu werden. Aber das Dingen ist schon ganz schön frech", sagt sie in Anlehnung an die Spot-Duplette von BMW vergangenen Herbst.

Allerdings sieht die Werberin darin auch einen Beweis für die gute Arbeit, die ihre Agentur auf dem Kunden leistet. "Also: Danke, geil. Wir tun gar nix, außer 'ne Pulle Schampus aufmachen auf den Erfolg. Und ein bisschen grinsen."

Lotto 24: Die Idee ist nicht neu

Die Konkurrenz grinst nicht mit. Im Gegenteil: Den Plagiatsvorwurf will sie nicht auf sich sitzen lassen. "Die Idee gab es schon, als wir noch zusammen waren", sagt Vanina Hoffmann, Investor & Public Relations Manager der Lotto 24 AG in Hamburg. Nur sei die nie umgesetzt worden. Die Marke "Danke-Million" sei außerdem keineswegs geschützt und Nachahmung erlaubt, solange sie nicht unlauter sei. Und schließlich dürfe Tipp 24 als Zweitlotterie mit englischer Lizenz ohnehin nicht in Deutschland werben. "Um das mal klar zu machen."

Sieht Tipp 24 freilich anders: Susanne Keller, Head of Brand and Marketing Communication für Tipp 24 bei Elbsurfer Marketing, sagt, das Staatsmonopol Lotterei sei in der EU rechtlich nicht haltbar. "Wir leben in einem offenen Europa, das Internet überwindet Grenzen, entsprechend stellt sich die Frage, ob man heutzutage noch Menschen vorschreiben sollte, wo sie welche Lotterien spielen dürfen. Tipp 24 meint nein."

Auch der EuGH habe die restriktiven Regelungen in Deutschland in seiner jüngsten Entscheidung für weitgehend unanwendbar erklärt. Demgegenüber steht die Spielsuchtprävention, mit dem Deutschland das Staatsmonopol begründet. Schwierige Sache.

Die Aktion um die "Danke-Million" stellt Lotto 24 jetzt trotzdem ein. Wegen Tipp 24? "Nein", sagt Vanina Hoffmann. "Einfach, weil uns die Kampagne nichts bringt." Wie gesagt: Schlägt sich, verträgt sich.


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.