Crowdsourcing :
Bei Vodafone darf jeder mitpitchen

Werbeideen gesucht: Bei einer Web-Ausschreibung lockt Vodafone mit einem Umsetzungsbudget von bis zu 50.000 Euro. Es geht um Ideen zur Vermarktung von Vertrags- und Prepaid-Produkten. Jeder darf mitmachen.

Text: Markus Weber

Baut Vodafone eine neue Konkurrenz zu Agenturen auf?
Baut Vodafone eine neue Konkurrenz zu Agenturen auf?

Vodafone sucht neue Werbeideen. Im Rahmen einer Web-Ausschreibung lockt Vodafone jetzt mit einem Umsetzungsbudget von bis zu 50.000 Euro. Gefragt sind Ideen zur Vermarktung von Vertrags- und Prepaid-Produkten. Mitmachen darf jeder. Die einzige Voraussetzung: Alle Teilnehmer müssen über 18 Jahre alt sein.

"Wir bieten dir die Chance auf eine Finanzierung und die gemeinsame Realisierung deines Projekts, mit dem Ziel einer langfristig erfolgreichen Kooperation", heißt es auf der Website des sogenannten "Vodafone Wanted Programms".

Das Unternehmen legt Wert auf die schnelle Umsetzbarkeit und Nachhaltigkeit der Idee. Die Anforderung lautet: "Das Konzept ist im 4. Quartal 2016 - spätestens aber im 1. Quartal 2017 - umsetzbar und kann mit einem realistischen Sales-Forecast belegt werden." Außerdem müsse das Konzept auch langfristig Erfolg versprechen - etwa, indem es sich auf andere Bereiche und Tarife übertragen lasse. Einsendeschluss ist der 30. November.

Die Vodafone-Leadagentur heißt übrigens Jung von Matt. Deren Agenturvorstand Thomas Strerath spricht von einer Crowdsourcing-Aktion und hat damit offenbar keine Probleme.

Vor vier Jahren, damals noch als Ogilvy-Chef, hatte Strerath seine Branchenkollegen zum Deichmann-Boykott aufgerufen. Der Schuhhändler hatte zuvor 20 Agenturen angeschrieben und für Kommunikationsideen zum 100-jährigen Firmenjubiläum ein Honorar von maximal 12.000 Euro in Aussicht gestellt.

Ralf Pioch, Chef der Berliner Agentur Adwing, kritisiert dagegen die Vodafone-Aktion: "Was sich hier vermeintlich als Chance für Kreative darstellt, ist nicht nur ein Pitch für lau, sondern ein Thinktank für kleines Geld. Wenn man sich vorstellt, dass vielleicht hunderte Kreative viele Stunden und Hirn investieren, lässt sich der Schaden kaum mehr beziffern, der durch solche Aktionen entsteht."

Ihn erinnere das Ganze an Tom Sawyer und Huckleberry Finn: Kommt alle Zaun streichen - das macht Spaß. 


Autor:

Markus Weber, Redakteur W&V
Markus Weber

ist in der Online-Redaktion für Agenturthemen zuständig. Bei W&V schreibt er seit 15 Jahren über Werbeagenturen. Volontiert hat er beim Online-Marketing-Titel „E-Market“. 2010 war er verantwortlich für den Aufbau der W&V-Facebookpräsenz. Der Beinahe-Jurist mit kaufmännischer Ausbildung hat ein Faible für Osteuropa.