Kommentar :
Bobby & Carl verhilft Thjnk zu internationaler Bedeutung

Mit der Customized Agency Bobby & Carl für Thyssenkrupp hat Thjnk den nächsten großen Schritt Richtung Internationalisierung gemacht, findet W&V-Redakteurin Lena Herrmann.

Text: Lena Herrmann

W&V-Redakteurin Lena Herrmann kommentiert das Joint-Venture von Thjnk und Thyssenkrupp.
W&V-Redakteurin Lena Herrmann kommentiert das Joint-Venture von Thjnk und Thyssenkrupp.

Bobby & Carl heißt das Joint Venture von Thjnk und Tyssenkrupp. Gerade erst haben die Macher der Agentur Einblick in erste Arbeiten, Räumlichkeiten und Pläne gegeben.

Doch was nach einer ganz normalen Customized Agency klingt, ist in Wirklichkeit so etwas wie die Internationalisierungs-Strategie der Hamburger Kreativagentur Thjnk. Schon länger bastelt Vorstand Michael Trautmann an einem Plan für weltweite Büros, jetzt wird der Kunde Thyssenkrupp so etwas wie die Triebfeder und der Geldgeber für die Expansion. Bisher kann Thjnk immerhin das kleine New Yorker Büro vorweisen. Seit einem Jahr gibt es auch eine Agentur in Zürich. Beide Büros haben bereits erste Kunden gewonnen, beide Standorte zeigen allerdings auch, dass es für deutsche Agenturen nicht einfach ist, in lukrativen Städten Fuß zu fassen, wo bereits etablierte einheimische Agenturen um die Kunden wetteifern.

Doch die Hamburger wollen internationaler werden - schon, um hiesigen Kunden mehr bieten zu können - und Bobby & Carl ist die große Chance dazu.

Bobby & Carl als Sprungbrett für den nächsten, internationalen Schritt zu nutzen, ist klug und völlig frei von einem "Gschmäckle", wie es Trautmanns schwäbischer Thjnk-Vorstandskollege Armin Jochum formulieren würde. Erstens wäre es nicht auf Kosten des Industriekonzerns. Vielmehr hätte Thyssenkrupp auch ziemlich viel davon - arbeiten die Essener doch seit ein paar Jahren darauf hin, ihre Marke weltweit zu vereinheitlichen und aus einem Guss zu kommunizieren. Dependancen der hauseigenen Agentur in den wichtigen globalen Städten vor Ort zu haben, würde die Sache deutlich vereinfachen und Abstimmungswege verkürzen. 300 Leute arbeiten bei Thyssenkrupp weltweit in der Kommunikation. Mit einem Ansprechpartner vor Ort auf Agenturseite wäre ihnen sehr geholfen.

Zudem würden weitere Büros weltweit das Geschäft der maßgeschneiderten Agentur ankurbeln. Fünf Millionen Euro Umsatz plant Bobby & Carl für das Jahr 2017, relativ schnell soll er sich auf sieben Millionen Euro erhöhen. Mittelfristig darf Bobby & Carl auch für externe Kunden tätig werden. Damit könnte Thjnk auch Konkurrenzkonflikte mit Bobby & Carl beseitigen.

Diese Customized Agency ist eine Win-win-Situation für alle. Und sie ist der nächste Schritt für Thjnk, international bedeutsam zu werden.


Autor:

Lena Herrmann
Lena Herrmann

schreibt als Redakteurin für das Marketingressort der W&V unter anderem über Sportmarken und Reisethemen. Beides beschäftigt sie auch in ihrer Freizeit. Dann besteigt sie Berge, fährt mit dem Wohnmobil durch Neuseeland, wandert durch Weinregionen oder sucht nach der perfekten Kletterlinie.