Nämlich die, wen bitte das alles überhaupt noch interessieren soll! Ich meine, mal ehrlich, egal welchen Namen wir dem Kind geben, am Ende reden wir über Werbung oder das, was in meinen Kindertagen noch verheißungsvoll Reklame hieß! Und die hat nun einmal – da macht der respektlose Lauf der Welt einfach keinen Halt vor – ihre gesellschaftliche Relevanz und Strahlkraft in einer Weise verwirkt, die kein Meister Propper oder General je wieder aufpolieren wird.

Einerseits weil sie einfach zur normalsten Sache der Welt geworden ist und jeder Grundschüler mittlerweile begriffen hat, wofür man früher noch BWL studieren musste. Nämlich die 'großen' Zusammenhänge von Marken, Kommunikation und letztlich auch den Medien, die spätestens als sie auf der letzten Seite der Hörzu die Reichweiten-Hits aktueller Sendeformate abzudrucken begannen, jeden auf die Idee brachten, dass es Zusammenhänge geben könnte zwischen der Begeisterung, die er einem Fernsehprogramm entgegenbringt, und der Dauer des Werbeblocks, den er über sich ergehen lassen muss.

Werbung ist keine Rocket Science

Andererseits aber weil wir vielleicht mittlerweile größere Probleme haben, brennendere Themen und verletztere Tabus, als dass es länger Werbekampagnen wären, die besagten Grundschülern in ihrer großen Pause, Kollegen beim Mittagessen in der Kantine oder den Gästen egal welcher Party noch Gesprächsstoff liefern könnten.

Nochmal: Werbung ist keine Rocket Science - übrigens ganz unabhängig davon, wie unermüdlich wir sie gerade gegenüber Kunden zu verwissenschaftlichen versuchen -, sondern sie ist die normalste Sache der Welt. Umso erstaunlicher also, dass sie, und damit zurück zu Thomas Streraths Ausgangspunkt, überhaupt immer wieder so hitzig diskutiert wird, als ginge es um den Nobelpreis für Bob Dylan.

Begreifen wir unseren Job also doch einfach als einen Beruf wie jeden anderen, machen uns wieder an die Arbeit und hören wir auf, uns über andere in einer Weise zu ereifern, wie es kein A wie Arzt oder Z wie Zeitungsverkäufer über seinesgleichen je tun würde. Und damit komme auch ich zum längst überfälligen Ende eines Beitrags, den ich eigentlich gar nicht hätte verfassen sollen. Aber na gut, W&V hatte mich ja gefragt."

„Klappe halten, an die Arbeit! Hat der Autor mit seiner Einschätzung recht?”


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.