Kommentar zur Effie-Affäre :
Der GWA liefert eindeutig zu wenig

428 Wörter umfasst die Pressemitteilung des GWA zur angeblichen Aufklärung der Effie-Affäre. Allein drei Mal kommt der Begriff "eindeutig" vor. Tatsächlich sind das Ergebnis und die Rehabilitation von Jung von Matt nicht so eindeutig, wie der GWA es uns glaubend machen will. Eine Kommentar. 

Text: W&V Redaktion

- 13 Kommentare

428 Wörter umfasst die Pressemitteilung des GWA zur angeblichen Aufklärung der Effie-Affäre. Allein drei Mal kommt das Wort "eindeutig" vor, die Headline noch nicht eingerechnet. Das Ergebnis der juristischen Prüfung sei "eindeutig", heißt es gleich mehrmals, und: "Es gibt keinerlei Interpretationsspielraum".

Gibt es doch. Wenn man sich nicht allein auf die "eindeutige" GWA-Kommunikation verlässt.

Im offiziellen GWA-Communique steht im Wesentlichen dies:

  1. Philipp und Keuntje ist alleiniger, rechtmäßiger Gold-Preisträger beim Effie-Wettbewerb.
  2. Jung von Matt konnte aus formalen Gründen nicht nachnominert werden.
  3. "Sonstige öffentlich geäußerte Vorwürfe, insbesondere dass Beteiligte Unterlagen absichtlich manipuliert und gefälscht hätten, haben sich nach der Prüfung der Rechtsanwälte nicht bestätigt".
  4. Alles ist irgendwie blöd gelaufen und soll beim nächsten Mal besser werden.

Mit den "öffentlich geäußerten Vorwürfen" meint der GWA den spektakulären offenen Brief von Scholz-&-Friends-Chef Frank-Michael Schmidt, der Jung-von-Matt-Vorstand Thomas Strerath Manipulationen an der Effie-Auswahl vorgeworfen hatte.

Es waren diese massiven Vorwürfe eines der angesehensten Agenturchefs des Landes, die die Effie-Affäre ausgelöst und Strerath zum Rücktritt von seinen GWA-Ämtern bewogen haben. Es war vom "Selbstbedienungsladen Effie" die Rede. Es ging um Vertrauen, Glaubwürdigkeit, Compliance. Dass weder Schmidt noch Strerath in der abschließenden Stellungnahme des GWA namentlich erwähnt werden, klingt eher nach Nordkorea als nach Kommunikationsagenturen.

So viel zum PR-Stil, jetzt aber zur Sache. Das juristische Gutachten zur Effie-Affäre ist nämlich nicht so eindeutig, wie der GWA uns glauben machen will. Die Anwälte der Kanzlei Oppenhoff sehen Streraths Rolle durchaus kritisch. Sie stellen beispielsweise fest:

"Bei der Behandlung des fehlerhaften Astra-Cases in Person von Hr. Strerath bestand ein Interessenkonflikt wegen seiner doppelten Rolle als Jury-Präsident des GWA einerseits und Vorstand der Agentur Jung von Matt andererseits, und zwar völlig unabhängig davon, ob Hr. Strerath sich tatsächlich von fremden Interessen leiten ließ. Insofern wäre es geboten gewesen, dass nicht er die Behandlung dieses Falles übernimmt. Dies haben weder Hr. Strerath noch Hr. Faecks berücksichtigt."

Die Kanzlei sieht zwar "keine Anhaltspunkte für ein absichtsvolles, planvolles Vorgehen zur Verheimlichung von Handlungen", aber so "eindeutig", wie der GWA diesen Satz zitiert, ist das Gutachten nicht. Denn im gleichen Absatz urteilen die Juristen:

"Die Änderung der Finalisten-Liste im Nachgang zu der Vereinbarung über die Behandlung des Astra-Cases erfolgte nicht mit der gebotenen Transparenz".

Gar nicht eindeutig ist auch dieses Ergebnis:

"Dass es bei der Aufklärung des Vorganges und der Abstimmung der Lösung zu einem Bruch der Verschwiegenheitspflichten durch Hr. Strerath oder andere Beteiligte gekommen ist, können wir weder bestätigen noch ausschließen (beide Möglichkeiten sind plausibel)".

Noch bedenklicher ist, dass das Thema Compliance überhaupt nicht untersucht wurde. Es sei "nicht Teil des Auftrages gewesen", schreiben die Anwälte Jürgen Hartung und Günter Seulen in ihrem Gutachten.

Man muss das wohl so verstehen: Die Agenturbranche staunt über schwere und justiziable Vorwürfen gegen einen ihrer wichtigsten Repräsentanten, und der GWA konzentriert sich bei der juristischen Untersuchung auf Satzungsformalitäten bei der Effie-Verleihung. Das ist entweder weltfremd oder einseitig. Auf jeden Fall ist es zu wenig. Eindeutig.


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W&V Redaktion
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13 Kommentare

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Anonymous User 31. März 2016

@Günther:
Die New Business hat die PM weitestgehend abgetippt:

Ein beeindruckender Mix aus Erdogan-artiger Pressearbeit (Der große Führer ist reingewaschen, netterweise verklagen wir FM Schmidt nicht) und peinlicher Prinzipienreiterei gegenüber PuK (mimimimi, wir akzeptieren, obwohl ja eigentlich.....)

Anonymous User 29. März 2016

@Günther: Die Pressemeldung von JvM habe ich auch nicht finden können - es gibt da einen Artikel im Handelsblatt, wo JvM zu dem Thema zitiert wird:
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/dienstleister/goldener-effie-zoff-um-werbepreis-beendet-zumindest-formal/13366124.html
Beste Grüße

Anonymous User 29. März 2016

Gibt es die Pressemeldung von JvM eigentlich auch offiziell zu sehen? Auf ihrer Website schweigen sie sich aus. Im Web finden sich nur tolle Thesen zu Adblockern. Ich finde den Content und die Diskussion für unsere Branche wichtig. Ganz im ernst, über das Verhalten in der Branche wird viel zu wenig ernsthaft gesprochen. Immer nur Phrasen, und wenn es ernst wird..... Stille.

Anonymous User 25. März 2016

In den letzten Wochen haben uns in der Presse und im Social Web doch diverse JvM Köpfe von ihrer tollen Einstellung in Sachen Anstand, Neidgehabe, Loben etc. erzählt. Es wäre eine gute Gelegenheit für Taten gewesen. So glaubt euch keiner. Auch wenn ihr noch Leute im Stall habt, denen ich es sogar abnehme.

Anonymous User 25. März 2016

Ich würde den JvM Neidern gerne widersprechen, weil mir diese Kommentare oft sehr auf den Zeiger gehen. Kann ich aber leider nicht. Peinliche Vorstellung in mehreren Akten. :-(

Anonymous User 25. März 2016

Wollen wir doch mal kurz festhalten, warum das Ganze an's Licht gekommen ist. Weil sich Herr Schmidt gemeldet hat.

Wenn er dabei Dinge gesagt hat, die nicht zu 100% nachweisbar sind, ist mir das lieber als dieses Gekungel der anderen Egos. Und mal ehrlich, so unwahrscheinlich sind seine Behauptungen nicht. Ein wenig von diesem Mut zu klaren Ansagen hätte vielleicht auch JvM in den letzten Wochen geholfen.

Anonymous User 25. März 2016

"Von Klage absehen"? JE SUIS S & F !

Anonymous User 24. März 2016

Nicht einmal nach schallender Ohrfeige eine Prise Demut - nein, Scheuklappen eng und dann in großer Geste "von einer Klage gegen S&F absehen"- ah ja. Sicher schlotterten den Scholzis die Knie bis zu dieser Begnadigung durch diejenigen, die das Gesetz ja für sich beanspruchen.

Solch lächerliche Nordkorea- PR und solche selbst-Isolation, das wäre unter Pallas nicht passiert, schade, dass die Integrität von Bord geht. Nur ein bisschen Haltung - nur ein Stück die Eier wie Hr Faecks, wäre das so schwer gewesen?

Anonymous User 24. März 2016

Ich hab schon Pferde kotzen sehen. Heute war es ein altes, grünes Pferd.

Anonymous User 24. März 2016

PR geht heute anders, JvM. Provokante Thesen sind nett, aber nicht alles. Wo ist denn die Haltung und der Respekt hin?

Anonymous User 24. März 2016

Mit der Reaktion hat sich JvM doch selbst keinen Gefallen getan. Das ist schade, hätte das Ganze gerne beendet gesehen. Sie waren anscheinend auf dem Weg der Einsicht und verzichten auf auf weitere Schritte. Neben erster Einsicht wäre ein wenig mehr Haltung in der Branche sicher besser angekommen. Oberflächliches mag bei anderen Themen ok sein. Hier ist es einfach nicht angebracht.

So denkt sich jeder seinen Teil - Freunde, Neider und Kunden. Und besonders gute Gedanken werden das nicht sein. Holt bitte jemand die alte Garde und ihren Geist zurück.

Anonymous User 24. März 2016

Vermutlich ist das Gutachten in seiner ganzen Länge im Hause JvM einem Adblocker zum Opfer gefallen?

Anonymous User 24. März 2016

Dem ist wenig hinzuzufügen, Herr Zimmer. Nach Nordkorea klingt vor allem die Interpretation seitens JvM. Schade, dass die JvM Pressestelle die von Ihnen zitierten Passagen zu Compliance im Gutachten offenbar gar nicht erst gelesen hat sondern sich auf die 428 Worte des GWA beschränkt hat.

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