Gibt es schon erste Erfahrungswerte?

Nein, die Aktion läuft erst seit Anfang des Jahres. Ein Job ist noch im Testing und der andere vier Tage her – da ist leider noch nichts gekommen. Aber in einem halben Jahr werde ich mehr wissen. Bis zum 24. Juni habe ich mir für das Experiment Zeit gegeben.

In Ihrem begleitenden Blog haben Sie ein interessantes Entlohnungsmodell beschrieben, das an einem dieser Freitage ausgeheckt wurde: Wenn eine Ihrer Ideen von einer Agenturen für einen Pitch genommen wird, bekommen sie anteilig eine höhere Entlohnung.

Das stimmt, ich erhalte Geld, sowohl, wenn die Agentur den Pitch gewinnt und dann noch einmal mehr, wenn die Agentur mit meiner Idee gewinnt. Dann bin ich reich.

Dann können Sie sich auch mehrere Nullrunden am Freitag leisten?

Genauso ist es. Aber ich habe auch wirklich keine besonderen Erwartungen an dieses Experiment. Ich bin wirklich offen.

Was sagen ihre bestehenden Kunden,  die Auftraggeber der anderen vier Tage zu dem Experiment?

Die finden das eigentlich ganz innovativ und ich habe ihnen auch ganz klipp und klar gesagt: Ihr könnt mich nicht buchen, ich arbeite am Freitag nicht für Leute, für die ich sonst arbeite. Was ganz gut ist, sonst würden sie mich buchen und wahrscheinlich nur die Hälfte zahlen.

Das kann ja auch nach hinten losgehen für Ihre Kunden, wenn Sie nach dem Experiment teurer werden und noch kräftig eins auf die bisherigen Preise draufschlagen?

In dem Fall ist es wohl besser, sich neue Kunden zu suchen, die von Anfang an andere Preise zahlen.

Wer sind Ihnen die lieberen Auftraggeber – große oder kleinere Agenturen?

Lieber die kleineren Agenturen. Ich habe ja damals für Jung von Matt gearbeitet und da haben sich viele mit kleinen Agenturen selbstständig gemacht. Mit kleineren Agenturen ist es teilweise ein gemütlicheres Arbeiten als in den Fabriken. Primär mag ich am Freelancer-Dasein auch den Wechsel – also nach der kleinen Agentur gern auch mal wieder ein Großer.

Wie gehen die Agenturen eigentlich mit dieser ungewohnten Freiheit um? Fragt dann nicht doch mal einer verunsichert nach einem Anhaltspunkt, wie viel Honorar Sie sonst nehmen?

Ja, es hat tatsächlich jemand gefragt. Aber dem habe ich gesagt, das verrate ich erst, nachdem er mich bezahlt hat. Sonst ist das Spiel kaputt. Das hat der Kunde dann auch akzeptiert. Natürlich werden auch Interessierte auf meinem Blog keine konkreten Zahlen oder Projekte finden – da können sich die Auftraggeber auf mich verlassen.

Wenn am 24. Juni das Projekt zu Ende geht, wie sieht im Idealfall Ihre Bilanz aus – sollte alles gut gelaufen sein?

Grundsätzlich möchte ich um Erfahrungen reicher sein, möchte im Idealfall auch meine Preise und meine Arbeit selbstbewusster vertreten können. So dass ich nicht immer nach Zeit abrechnen muss, sondern nach Leistung. Daraus verspreche ich mir mehr Spaß an der kreativen Arbeit.


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Eines davon dreht sich um ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.