OWM-Fachtagung :
Jürgen Blomenkamp: "Media wird zum Vertrieb"

Der Chairman Germany der Mediaagentur GroupM, Jürgen Blomenkamp, definiert auf der OWM-Fachtagung die künftige Rolle der Mediaagenturen.

Text: Rolf Schröter

Jürgen Blomenkamp, Chairman Germany GroupM
Jürgen Blomenkamp, Chairman Germany GroupM

"Media wird zur virtuellen Regalfläche", sagt Jürgen Blomenkamp. Auf der Fachtagung der OWM in Berlin skizziert der GroupM-Chef die künftige Rolle der Mediaagenturen im Verhältnis zu Kunden und Medien.

Blomenkamp beginnt allgemein und spricht von dem "großen Bild" in der Kommunikationsindustrie. "Wir werden deutlich weniger Regeln haben", so Blomenkamp; Jeder könne künftig anbieten, was er will. Das heißt: "Es gibt nicht mehr DEN Königsweg." Und: "Es gibt kein Leitmedium mehr." Mediapläne würden damit nicht mehr einander ähnlich sein. Die Fragen nach Reichweite und Qualität seien der Versuch, auf Stabilität zu hoffen. Aber: "Es gibt nicht mehr das, was man machen MUSS."

Der Übergang von manuellem auf automatisierten Einkauf erlaube eine ganz neue Formen der Steuerung der Marketing-Investitionen. Die Tatsache, dass hunderttausende Entscheidungen pro Millisekunde getroffen werden, zeige: "Unser Handwerk ändert sich total." Alles könne richtig sein; alles könne falsch sein, so Blomenkamp. Weil Media bisher Handwerk war, bestand die Rolle der Mediaagenturen bisher darin, der verlängerte Arm der Werbungtreibenden zu sein, so Blomenkamp. Doch die Aufgaben hätten sich geändert. Kommunikation sei heute nicht mehr Handwerk, sondern maßgeblich businessentscheidend.

"Media ist eine virtuelle Regalfläche", sagt Jürgen Blomenkamp. Weil Mediaentscheidungen immer öfter direkt in Abverkäufen gemessen werden können. Deshalb werde Media immer stärke Vertrieb. Das erfordere ein Upgrade sowohl auf Agenturseite als auch auf Kundenseite. "Kommunikation darf nicht zur Procurement-Aufgabe verkommen", so Blomenkamp. Der GroupM-Chef sagt, er wolle kein Procurement-Bashing betreiben. Dass die Einkaufsabteilung in Unternehmen heute eine "wahnsinnig" starke Rolle spiele, sei richtig und wichtig. Aber: "Procurement wird nicht die strategischen und organisatorischen Fragen beantworten können." Alle zwei Jahre eine Pitch-Entscheidung zu treffen, sei zu wenig.

"Übernehmen Sie Leadership!", ruft Jürgen Blomenkamp den rund 250 versammelten Werbungtreibenden zu. Media und Kommunikation könne man nicht outsourcen, so der GroupM-Chef; digitales Know-how könne man nicht delegieren. "Wie können wir Sie auf Ihrem Transformationsprozess unterstützen?", fragt Blomenkamp. "Weg vom Handwerk, hin zur Beratung", sei die Devise. Organisationen müssten raus aus den vertikalen Silos. "Wir müssen in eine horizontale Ebene kommen", so Blomenkamp. Media sei "Investment-Management Realtime."


Autor:

Rolf Schröter
Rolf Schröter

Als Leiter des Marketing-Ressorts der W&V und neugieriger Kurpfälzer interessiert sich Rolf Schröter prinzipiell für alles Mögliche. Ganz besonders mag er, was mit Design und Auto zu tun hat.