Kreation des Tages :
Kontrolle über die innere Stimme - und die Spotify-Playlist

Klasse Botschaft, handwerkliche Perfektion und eine Story, die wir alle nachfühlen können: Das wurde vom New York Festival mit Silber für HFF-Studenten belohnt.

Text: Susanne Herrmann

Prämierter Spot von HFF-Studenten: Jenny zweifelt an sich - und hört auf die falschen Leute.
Prämierter Spot von HFF-Studenten: Jenny zweifelt an sich - und hört auf die falschen Leute.

Jeder von uns war einmal ein Heranwachsender (oder ist es noch). Nicht alle von uns sind Mädchen, nicht alle spielen wir leidenschaftlich gern Fußball - aber die Geschichte, die dieser Spot erzählt, ist dennoch universell. Denn irgendwann auf unserem Weg haben wir erlebt, wie es sich anfühlt, nicht gut genug zu sein. Und wir haben (hoffentlich) gelernt, dass uns das nicht aufhalten darf, dass wir besser auf unsere innere Stimme hören.

Davon handelt der Spec Spot "Keep on playing", den Filmstudenten der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) für den potenziellen Kunden Spotify gedreht haben. Er erzählt von einem Mädchen, das diesen Prozess gerade durchlebt.

"Jeder von uns hat seinen Traum. Doch auf dem Weg dorthin werden wir oft mit Gegenstimmen konfrontiert. Stimmen, die uns einreden wollen, dass wir scheitern werden. Dabei verlieren wir oft die eine wichtige Stimme: die eigene", erklärt Regiestudent Benjamin Leichtenstern.

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Was das mit dem Musikstreamingdienst Spotify zu tun hat? "Die Geschichte 'Keep on playing' lässt uns miterleben, wieder selbst die Kontrolle darüber zu haben, auf wen oder was man hört. Das gleiche Erlebnis, das Spotify seinen Nutzern mit einer Auswahl von Millionen Songs bietet."

Das schildert der eindringliche Film natürlich nicht so schlicht, wie es klingt. Im Gegenteil. Es geht um Vertrauen und Selbstvertrauen um ein Vorbild und Bindung. Zu der unter anderem die Musik verhilft.

"Der Schwerpunkt lag für uns bei den Figuren der Geschichte", sagt Leichtenstern. Das merkt man, und deshalb ist die Geschichte so nah an einem dran. Glänzend besetzt haben die HFF-Studenten die beiden Hauptrollen mit Emilia von Heiseler und Thekla Hartmann.

Jury beim New York Festival würdigte die Kameraarbeit

Dass es einen Preis beim Kreativwettbewerb NYF in New York gab, hat das HFF-Team vor allem seinem Kameramann Karl Kürten zu verdanken. Die Jury zeichnete "Keep on playing" mit Silber in der Kategorie Studentenfilm/Werbung/Kamera aus. Kürten erklärt, worauf es bei dem Werbevideo ankam: "Bei der visuellen Umsetzung war es uns besonders wichtig, den Zuschauer in die Welt unserer Figuren eintauchen zu lassen. Wir wollten, dass die Zuschauer die Nähe zu den Figuren in jedem Bild spüren."

Gelungen ist ihm das, indem er vor allem mit Weitwinkel mit hoher Tiefenunschärfe gearbeitet hat und physisch nah an den Schauspielern dran war - das sei grundsätzlich für Werbung eher ungewöhnlich, sagt Kürten. Hinzu kommen ein dokumentarisch anmutender Kamerastil, der für Realitätsnähe sorgen sollte, und der Einsatz einer Handkamera.

Nicht zuletzt - wo es bei einem speculative Spot für Spotify ja auch um Musik geht - haben die HFF-Filmemacher sehr großen Wert auf Sounddesign und Musik gelegt. Die Musik wurde extra für den Spot von Ina Meredi Arakelian komponiert und mit der Sängerin Lotte Friedrich (Loriia) produziert.

Das Drehbuch stammt von Maximilian Baumgartner (Konzept/Idee), als Produzentin wirkte Anabella Eileen Peiffer.

Wo wir gerade dabei sind: Das Team ist aktuell nicht das einzige bei der HFF, das sich über eine Auszeichnung freuen darf. Zwei HFF-Filme holten Preise bei den Internationalen Wirtschaftsfilmtagen. Eine "Victoria" gab es für den konsumkritischen Film "Schwarzes Loch" (Gold in der Kategorie Studentenfilm), der Spot "Stör mich" zum Thema Depression gewann eine goldene Victoria in der Kategorie Social-Media- und Kurzvideos.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.