Kombi-Lösung. Eine Lösung wäre die Kombination aus individuellem Agenturangebot und einem „standardisierten Leistungsverzeichnis“ pro Agenturkategorie – ähnlich wie das GWA- Kalkulationsschema für Filmproduktionen. Der erste Teil zeigt die Kompetenz des Anbieters, indem der agenturspezifische Nutzen für den Kunden, die individuellen Prozessschritte und die Gesamtkosten für das Projekt dargestellt werden. Im zweiten Teil wird in dem für alle Anbieter standardisierten Leistungsverzeichnis aufgeführt, wie sich die Aufwände für die Positionen und Funktionen im Einzelnen zusammensetzen. Somit wäre eine Transparenz hinsichtlich Kompetenz und Preis hergestellt und damit ein Beitrag für mehr Vertrauensbildung gegeben.

Ursula Schneider, geschäftsführende Gesellschafterin bei Grosse Liebe in Hamburg, hält mit vier Argumenten dagegen:

Vielfalt. Wir unterstützen selbstverständlich den Wunsch nach größtmöglicher Transparenz. Aber es gibt nicht den genormten Königsweg für die Lösung einer Kommunikationsaufgabe. Es muss jeweils der beste Weg zum Ziel führen und nicht der, der preislich am einfachsten vergleichbar ist.

Gespräch. Wir bieten Kunden Preislisten für Zeiteinheiten wie auch für Maßnahmen – aber erst nachdem wir ihre Vorstellungen und unsere Empfehlungen besprochen haben. Bei Pitches sind solche Preislisten, die der Kunde passgenau für seine Aufgaben aufsetzt, ja üblich. Auch dort suchen wir das Gespräch, bevor wir Standards runterschreiben. Kein Kunde ist Standard.

Strategie. Es gibt völlig unterschiedliche Ansätze, eine Strategie zu entwickeln. Wir haben beste Erfahrungen damit gemacht, die strategischen Eckpfeiler und das Briefing mit Kunden in Workshops gemeinsam zu entwickeln. Wie sollen solche individuellen Prozesse in genormte Preiseinheiten gepresst werden?

Austauschbarkeit. Ein Vorsprung durch passgenaue und intelligente Differenzierung – das ist doch eines der ganz großen Ausrufezeichen, um das es in unserer Kommunikationsarbeit geht. Das gelingt nicht mit einer Agentur, die sich austauschbar aufstellt. Eine Standardisierung im Angebotsbereich führt aber zur höheren Standardisierung der Arbeit und damit zur größeren Austauschbarkeit.

Dieser "Pro & Contra"-Artikel erschien als erstes im "Kontakter".