Dokyo :
SXSW: Inspiration und Ideen ohne Ende

Tobi Oebel, Julian Schienemeyer, Laura Claus und Julia Brinkmann von der Agentur Dokyo berichten täglich vom SXSW aus Austin (Texas).

Text: W&V Leserautor

Julian Schienemeyer, Laura Claus, Julia Brinkmann und Tobi Oebel (v.l.) berichteten täglich vom SXSW.
Julian Schienemeyer, Laura Claus, Julia Brinkmann und Tobi Oebel (v.l.) berichteten täglich vom SXSW.

Tobi Oebel, Julian Schienemeyer, Laura Claus und Julia Brinkmann von der Hamburger Agentur Dokyo berichten täglich vom SXSW aus Austin (Texas).

Marc Jacobs (Fashion Designer)

Modedesigner Marc Jacobs (Bild: Dokyo)

Modedesigner Marc Jacobs (Bild: Dokyo)

Dass Marc Jacobs beim SXSW auf der großen Bühne Platz nahm, war auch für die Veranstalter ein besonderer Moment. Interviewt wurde er von Sally Singer (Creative Digital Director Vogue). In einem sehr unterhaltsamen Austausch gab sich der Modeschöpfer nett und zugänglich. Anstatt als Instagram-Vollprofi aufzutreten, gestand er seine unbeholfene Art im Umgang mit dem Foto-Kanal und dem iPhone an sich: "I receive information through people, through my friends. And through that phone. Whoever is inside this phone chooses my news." Aber genau das macht es bei ihm eben wieder authentisch und dadurch erfolgreich. Inspiration zieht er aus allem. Also auch aus den Dingen die auf seinem iPhone passieren. Sein Lieblingsemoji ist übrigens der Geist und sein Lieblingschannel super witzig: www.instagram.com/earlboykins/.

Das zeigt einmal mehr, wie erfolgreich "hilarious content" ist und warum die Schlange bei @fuckjerry am nächsten Tag mit der bei Joe Biden vergleichbar war.

Marc Jacobs und Sally Singer (Vogue) auf der Bühne (Bild: Dokyo)

Marc Jacobs und Sally Singer (Vogue) auf der Bühne (Bild: Dokyo)

Keynote: Adam Grant gehört zu den 25 "Most influential management thinkers"

Grants Keynote ist ein Plädoyer für Nonkonformität und Kreativität.

Wie auch in seinem Buch "Originals: How Non-Conformists Move the World" zeigt der erfolgreiche Psychologe der Wharton School, wie Genialität und außerordentliche Ideen zustande kommen und was die größten Feinde von Innovationen in Wirtschaft, Gesellschaft und Medien sind.

Dabei verblüfft er mit spannenden Einsichten, wie zum Beispiel, dass Schwächen wichtiger sein können als Stärken oder gibt Denkanstöße wie man selbst zu mehr Kreativität und zu einer besseren Bewertung von Ideen kommt.

Dass Originalität direkt mit Erfolg verbunden ist, zeigt er an Beispielen wie Startups, deren Kapital die neuartigen und von der Norm abweichenden Ideen sind. Die clevere und sympathische Art seiner Vorträge und seine anschaulichen Beispiele sind selbst höchst originell und sein Erfolg beweist so quasi seine These.

Promostand American Gods mit Blick auf das JW Marriott

Promostand American Gods mit Blick auf das JW Marriott

Die Zukunft des Handels

In dieser Diskussionsrunde mit Aarthi Ramamurthy (Gründerin und Chefin von Lumoid), Steve El-Hage (Gründer und Chef von Massdrop) und dem Investor Tim Chang ging es um nichts geringeres als die Zukunft des (elektronischen) Handels.

Da es in den USA im Offline- und Online-Handel relativ wenige Player gibt und die Handelsstruktur abweicht, ist die Situation zwar nicht eins zu eins auf Deutschland übertragbar. Dennoch kann man aus der Diskussion auch für den deutschen Handel einiges ableiten.

In den USA liegen 50 Prozent des Online-Handels in den Händen von Amazon. Kaum ein Mitbewerber kann bei Auswahl, Lieferzeiten und Preisen mithalten. Daher haben El-Hage und Ramamurthy einen kreativen Ansatz gewählt und verfolgen mit ihren Startups gänzlich andere Ansätze als Amazon, um in den anderen 50 Prozent eine Rolle zu spielen.

Eine Spezialisierung auf Gemeinschaft und Fantum bei Massdrop, eine ausgeklügelte Mischung aus Service, Mietservice und Testplattform bei Lumoid machen diese Unternehmen erfolgreich.

Laut der Gründer ist ein großer Teil des Erfolgsgeheimnisses, sich abzuheben gegenüber Amazon. Das geht vor allem durch das Schaffen von persönlichen Markenmomenten und Geschichten, mehr Emotionalität, eine Spezialisierung auf einen Premium-Sektor und das genaue Hören auf Feedback und Wünsche der Kunden

Aber nicht nur in diesen Bereichen weichen die erfolgreichen Firmen von Amazon ab: Statt Direktverfügbarkeit und Sofortkauf setzen sie auf Kickstarter-ähnliche Finanzierung von Neuprodukten, Pre-Order, Direktlieferung und Trials. Statt auf Marketing und große Quantitäten an Traffic bauen sie auf Qualität des Traffics, organisches Wachstum und eine starke Gemeinschaft.

Impression aus der Straße: Aufkleber (Bild: Dokyo)

Impression aus der Straße: Aufkleber (Bild: Dokyo)

Fotos, Fotos, Fotos

Wir berichteten schon, dass die Amerikaner Profis in Foto-Ops und Promo-Ständen sind. Auf die Spitze brachte es der Stand von Animal Kingdom, einer neuen Serie von TNT, die eine sehr große Fläche mit einer Bar, einer Vans-Individualisierungsbude, und einem Gegenstrom-Surf-Simulator belegten. Dass das alles fotografiert wird, war klar. Aber für eine bessere Sicht, haben sie auch noch eine Bühne aufgestellt mit direktem Blick auf den Surfstand. Damit man eben bessere Fotos machen kann.

Überall wurde geknipst. Alles und jeder auf einem Bild festgehalten. Auffällig dazu war die Snapchat-Brille, die leider immer noch nicht in Deutschland erhältlich ist. Hier sah man gefühlt mehr Leute damit übers Festival laufen, als je eine Google Glass besaßen. In den verschiedensten farblichen Ausführungen. Und sie hält, was sie verspricht: Spaßige, freihändige Aufnahmen, die man sofort teilen kann.

Schlaraffenland der Inspiration

Was nimmt man von der SXSW mit? Sehr viel. Vieles wird auch bei der täglichen Arbeit immer wieder aufpoppen, denn mehr Inspiration geht nicht. Als Kreativer zieht man sich Inspiration aus vielen Dingen und hier hatte man das Gefühl, das wird alles gebündelt. Persönlichkeiten auf und vor der Bühne, Themen, Ansätze, Innovationen, Cases, Ausstellungen, Filme... irgendwie alles. Und darum wird SouthBy zu Recht gehyped. Nirgendwo sonst können sich Kreative so vielseitig inspirieren lassen und aufladen. Wenn man nur ein bisschen von dem Drive und Machertum mitnimmt, dann hält das auch bis zum nächsten SXSW.

Das "Land der faulen Affen" ist das hier mit Sicherheit nicht, im Gegenteil, es ist eher die Stadt der Vorantreiber. Dafür gibt's anstatt Milch und Honig ohne Ende Inspiration und Ideen. Und das muss man einfach selbst erleben.

Roboter unterhalten sich im Japan House (Bild: Dokyo) sich im Japan House (Bild: Dokyo)

Roboter unterhalten sich im Japan House (Bild: Dokyo)

Das Autorenteam:

Tobi Oebel (26, Hauptautor), verantwortlich für Creative Concept bei DOKYO, entwickelt Ideen, Konzepte, Strategien und Content - vorwiegend digital und für die Generation Y. Bei der SXSW sucht er die ultimative Inspiration: Trends und den heißen Sch**ß von übermorgen.

Julian Schienemeyer (33), Senior Digital Consultant, Berät Kunden und seine Kollegen bei DOKYO in digitalen Projekten und sagt, welchen heißen Sch**ß man wirklich braucht. Neben einem Überblick über Neues, möchte er von der SXSW ein bisschen von der genialen Macher- und Wir-können-alles-Atmosphäre der amerikanischen Szene mit nach Deutschland bringen.

Laura Claus (28), Senior Project Manager, liebt neuen digitalen Quatsch, den sie nicht aussprechen kann. Hofft bei der SXSW mit Inspirationen, neuen kreativen Ansätzen und Burritos überschüttet zu werden. 

Julia Brinkmann (34), Senior Project Manager, betreut ganzheitlich Kunden aus dem Bereich Food&Beverage und ist DOKYOs Spezialistin für Events und Live- Kommunikation. Sie freut sich insbesondere auf spannende Neuheiten, kreativen Input und einen inspirierenden Austausch mit anderen Teilnehmern.


Autor:

W&V Leserautor

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