Kollaboration :
Umfrage: Wie Agenturen künftig intern und extern zusammenarbeiten

Obgleich sich die Kommunikationswelt rasant ändert, nutzen Agenturen nur verhalten alternative Formen der internen und externen Zusammenarbeit. Das Interesse daran ist groß, aber an der Umsetzung hapert es. Die ausführlichen Ergebnisse der Online-Befragung von Agenturberater Hans-Gerhard Kühn, dem Verband Aika sowie W&V Online finden Sie hier.

Text: Frauke Schobelt

30. Oct. 2013 - 2 Kommentare

Die Kommunikationswelt ändert sich rasant, die neuen Rahmenbedingungen und technischen Möglichkeiten stellen Agenturen und Networks vor große Herausforderungen. Doch wie müssen sie heute arbeiten, um diesem Wandel gerecht zu werden? Was bedeutet dies für die interne und externe Zusammenarbeit? Das Thema treibt die Branche um, 90 Prozent der Inhaberagenturen beschäftigen sich mit alternativen Formen der Zusammenarbeit, fast zwei Drittel sogar intensiv. Das ist ein Ergebnis einer Online-Befragung, die Berater Hans-Gerhard Kühn gemeinsam mit dem Verband Aika sowie W&V Online im September dieses Jahres durchgeführt hat. Ausgewertet wurden die Angaben von 71 Teilnehmern, allesamt Inhaber oder Geschäftsführer.

Viele Agenturen führen aufgrund von Marktentwicklungen und zunehmendem Wettbewerb alternative Formen der internen und externen Zusammenarbeit ein bzw. testen sie - darunter Freelancer, Teilzeitbeschäftigung, Mobile Working, Homeoffice, Crowdsourcing, Netzwerke. Die Umfrage zeigt jedoch auch, dass das Interesse an alternativen Formen der Zusammenarbeit zwar groß ist, die Bereitschaft, neue oder auch flexiblere Wege wirklich zu gehen, dagegen eher mäßig. So gibt es in 18 (projektbezogen 25 Prozent) der befragten Agenturen keine Teilzeitkräfte. Und bei den Networks sind Mobile Working und der Arbeitsplatz daheim lediglich in 19 Prozent der Fälle gelebter Alltag.

Vor allem kleinere und mittelgroße inhabergeführte Agenturen kollaborieren mit Netzwerken - gleichermaßen in fester wie in temporärer Form. Diese Art von Unterstützung wird für sie zum spielentscheidenden Instrument. Rund ein Viertel von ihnen will diese Art der Zusammenarbeit verstärken. Selbst die Network-Agenturen werden künftig mehr mit Netzwerken arbeiten.

Lediglich 45 Prozent der Inhaberagenturen nutzen Crowdsourcing-Plattformen, allerdings 40 Prozent der Networks. Offenbar wird die Entwicklung von Crowdsourcing im Web nicht wahrgenommen oder ignoriert. Denn fast alle bekannten Marken und Projekte sind mittlerweile dort vertreten. Die Industrie probiert, testet und sammelt Erfahrungen. Nicht so die Agenturen. Ein Zustand, der sich so schnell wohl nicht ändern wird. Lediglich 17 Prozent der befragten Inhaber-Agenturen und 27 Prozent der Networks wollen sich künftig mehr mit dem Thema auseinandersetzen.

Gerade für kleinere und mittlere Inhaberagenturen sind alternative Modelle der Zusammenarbeit zwingender als für große und Network-Agenturen, meint Agenturberater Hans-Gerhard Kühne. Er fordert mehr Mut für Veränderungen und fasst seine Ansicht in der aktuellen Werben & Verkaufen in zehn teils provozierenden Thesen zusammen. W&V-Redakteur Peter Hammer hat außerdem mit Agenturchefs über neue Wege der Zusammenarbeit gesprochen, die diese bereits erfolgreich testen. Mehr dazu gibt es in der aktuellen Ausgabe der Werben & Verkaufen Nr. 44. 

Die Ergebnisse der Umfrage finden Sie auch in diesem PDF.


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.



2 Kommentare

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Anonymous User 3. November 2013

Da scheint viel Energie für Veränderungen in designenergie zu stecken ;-) und in der Zwischenzeit wohl auch positive Erfahrungen. Als größte Hindernisse erlebe ich u.a. die Befürchtungen der Agenturinhaber, loszulassen, Kontrolle zu verlieren, Kundenanforderungen nicht sofort erfüllen zu können. Eine in sich geschlossene Agentur zu führen, verlangt zudem ein anderes Verständnis und andere Fähigkeiten als ein Netzwerk zu gestalten. Hier fehlen vielen Agenturmanagern Mut, Konzepte und Fähigkeiten. In der Zwischenzeit gibt es aber viele Erfahrungen und Modelle auf die jeder zugreifen kann.

Anonymous User 31. Oktober 2013

Ist sehr interessant. ich befasse mich seit fast 10 Jahren mit diesem Thema. In meiner Werbeagentur arbeiten wir seit etwa 5 Jahren an einem veränderten Mitarbeiterkonzept. Wir haben 3 Standorte und unsere Mitarbeiter arbeiten wo sie wollen.
es gibt Programmierer die sich bei schwierigen Jobs ans Meer zurück ziehen, andere arbeiten zu Hause wegen Ihrer Kinder ... Absprachen erfolgen über Videokonferenz-System, auf Jobmappen wird digital zugegriffen und Stundenzettel haben wir abgeschafft. Mitarbeiter werden nach Projekten bezahlt und nicht nach Anwesenheitszeiten.

Am Anfang ein gewagtes Risiko und bei neuen Kollegen erfordert die Einarbeitung viel Zeit, weil man erst lernen muss mit dem großen Freiheitsgrad verantwortungsvoll umzugehen.
Insgesamt werden Aufträge schneller und besser abgearbeitet, alle Beteiligten haben einen hohen Zufriedenheitsgrad und eine optimale Balance aus Arbeit und Freizeit.
Ich würde es nie wieder anders machen wollen.

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