So viel zum Thema Medaillenspiegel.

Ob das Cannes-Festival insgesamt auf dem richtigen Weg ist? Zweifel gibt es. Social Cases liegen stark im Trend. Solange dahinter echte Budgets stecken, ist dagegen im Grunde nichts einzuwenden. Im Gegenteil: Es ist zu begrüßen, wenn Unternehmen sich um gesellschaftliche Anliegen oder Dinge wie Nachhaltigkeit kümmern und dies dann auch entsprechend nach außen kommunizieren.

Aber das, was vor zwei Jahren geschah, könnte sich für das Festival noch zu einem Eigentor entwickeln. 2013 wurde die Sicherheitskampagne eines S-Bahn-Betreibers mit 5 Grand Prix und 18 Gold-Löwen überhäuft. Auch wenn man sich über die Definition von "Social Campaigns" trefflich streiten kann - Fakt ist: So etwas war vorher tabu. Ein Grand Prix für eine Social-Kampagne, das war ein absolutes No-Go. Mit dem Siegeszug von "Dumb Ways to Die" hatte sich dies plötzlich verändert. Die Schleusen waren geöffnet.

Natürlich sind Tabus dazu da, regelmäßig hinterfragt zu werden. Und die Werbeindustrie ist darüber hinaus einem unglaublichen Zwang zur Veränderung ausgesetzt. Viele fürchten, die Werbung könnte zur Tabakbranche des 21. Jahrhunderts werden. Noch nie wurde Werbung so reguliert wie heute. Und es geht weiter mit den Verboten.

Trotzdem darf es das Festival mit den Social Cases nicht übertreiben. Schon gar nicht aus einem politischen Kalkül heraus. Bonuspunkte für die guten Absichten eines Absenders darf es niemals geben.



Markus Weber, Redakteur W&V
Autor: Markus Weber

ist in der Online-Redaktion für Agenturthemen zuständig. Bei W&V schreibt er seit 15 Jahren über Werbeagenturen. Volontiert hat er beim Online-Marketing-Titel „E-Market“. 2010 war er verantwortlich für den Aufbau der W&V-Facebookpräsenz. Der Beinahe-Jurist mit kaufmännischer Ausbildung hat ein Faible für Osteuropa.


Aktuelle Stellenangebote