Kinofilm "Hitman: Agent 47" :
Von Ludwigsburg nach Hollywood: Interview mit Aleksander Bach

"Und irgendwann kam dann eben Hollywood": Regisseur Aleksander Bach hat an der Filmakademie in Ludwigsburg Werbefilm studiert - und danach für RWE, Mercedes-Benz, Nike, Nivea und das Internationale Rote Kreuz gedreht. Jetzt läuft mit "Hitman: Agent 47" sein erster Blockbuster in den Kinos. Der Regisseur im Interview.

Text: W&V Leserautor

Der deutsch-polnische Regisseur Aleksander Bach hat an der Filmakademie in Ludwigsburg Werbefilm studiert - und danach unter anderem Spots für RWE, Mercedes-Benz, Nike, Nivea und das Internationale Rote Kreuz gedreht.

Durch den viel beachteten Spot "Stars" für das Rote Kreuz wurde Hollywood auf Bachs Talent aufmerksam. Seit Ende August läuft nun mit "Hitman: Agent 47" von 20th Century Fox sein erster Blockbuster in den Kinos. Die Hauptrollen in dem Actionthriller spielen Rupert Friend, Hannah Ware, Zachary Quinto und Thomas Kretschmann.

Hier der offizielle Trailer:

Im nachfolgenden Gespräch, das David Korte (Oliver Schrott Kommunikation, hier geht es zum Blog der Kölner Agentur) mit dem Hollywood-Regisseur geführt hat, erzählt Aleksander Bach, wie bei ihm alles anfing, wie er nach Hollywood kam und was Werbe- und Kinoproduktionen alles gemeinsam haben. Zu den aktuellen Entwicklungen beim Thema Bewegtbild meint der studierte Werbefilmer: "Was bei Vimeo und Youtube abgeht, zeigt, dass gute Produktionen häufig auch mit einfachen Mitteln zu stemmen sind, solange man mit Herzblut bei der Sache ist und mit einer packenden Geschichte zu überzeugen weiß."

Wie fühlt es sich an, ein Teil von Hollywood zu sein?

Anfangs war das alles noch irgendwie surreal. Jetzt, wo ich das Ganze erst so richtig begriffen habe, ist es einfach nur ein tolles Gefühl. Ich fühle mich geehrt.

Wolltest du schon immer was mit Film machen?

Mein Vater ist Fotograf und ich war begeistert von seiner Arbeit. Das war natürlich ein erster, wesentlicher Baustein. Ich habe damals allerdings nie verstanden, wieso sich die Bilder nicht bewegen. Mein Interesse galt also eigentlich von Anfang an dem Film. Später habe ich dann Bild- und Tontechnik studiert. Der Fokus lag dabei jedoch auf der Musik, meiner zweiten großen Leidenschaft, wenn man so möchte. Erst als ich einen Professor aus dem Bereich des Dokumentarfilms kennenlernte, ging der Weg verstärkt in Richtung Bewegtbild, obwohl ich immer schon mit VHS, Super 8 und Hi-8 experimentiert habe.

Nachdem ich dann die ersten Videos gedreht hatte, konnte ich einfach nicht genug bekommen. Ich wollte mehr davon. Mein Traum war es, Regie zu führen. Das war aber irgendwie immer etwas Unerreichbares für mich. Etwas, was man nicht einfach studieren konnte, sondern was man ganz pragmatisch über Jahre hinweg erlernen muss. Viel später erst habe ich erfahren, dass man Regie tatsächlich auch studieren kann. Ich habe mich sofort beworben und wurde zu meinem Glück an der Filmakademie in Ludwigsburg angenommen, um schließlich Werberegie zu studieren. Und irgendwann kam in den letzten Jahren dann eben Hollywood.

Wie hat dich Hollywood gefunden?

Scheinbar läuft das in diesem Fall genauso wie im Weltfußball: Die großen Vereine haben überall auf der Welt ihre Talent-Scouts rumlaufen. Man hatte meinen Schwarzweißfilm "Red Cross" gesehen und wurde dadurch auf mich aufmerksam. Fox wendete sich daraufhin mit einer Spielfilm-Anfrage direkt an meine Managerin. Zwei Wochen später habe ich den Präsidenten von Fox International im Adlon in Berlin getroffen, und der drückte mir das Drehbuch von "Hitman: Agent 47" in die Hand. Er war der Meinung, dass ich dem Protagonisten, einem Auftragskiller namens "47", auf eine filigrane und glaubhafte Art und Weise mehr Humanität geben könne. Es folgten Gespräche mit den Produzenten und dem Studio.

So eine Premiere ist ja durchaus eine besondere Herausforderung – wie hast du dich der Aufgabe genähert?

Ich habe mit der Zeit festgestellt: Hollywood und Werbung haben durchaus Parallelen. Am Ende musst du eine packende Story erzählen, welche die Leute in ihre Sitze presst und mit auf eine emotionale Reise nimmt. Zeitgleich musst du aber auch die Entscheider davon überzeugen, dass das, was du vorhast, auch das ist, was sie brauchen – im Grunde also ähnlich wie in der Werbebranche. Nur dass eine Hollywood-Produktion wesentlich aufwändiger ist und man nicht einen Film für ein Produkt macht, sondern der Film selbst das "Produkt" ist.

Planst du trotz des Hollywood-Engagements weiterhin auch Werbung zu machen?

Ja, klar. Werbung macht mir einfach Spaß, und bei Werbefilmen habe ich die Chance, kreative Ideen schneller umzusetzen und auch mal neue Dinge, Stilistiken und Erzählstrukturen auszuprobieren. Außerdem dauert es nicht so lange wie bei einem Spielfilm, um etwas fertig zu stellen. Ich mag das Format einfach. Spielfilm und Werbung sind einfach zwei unterschiedliche Möglichkeiten, Geschichten zu erzählen. Die Vielfalt ist toll. Und ich habe auch viel in Hollywood gelernt, was für die Werbung relevant ist.

Was zum Beispiel?

Erstens: Der geläufige Begriff "Filmbusiness" hat mich gelehrt, dass "Film" und "Business" in Hollywood äquivalent nebeneinander stehen. Filmbusiness sagt eigentlich schon aus, dass ein guter Studiofilm durch eine ausgewogene Kombination aus Kunst und Unterhaltung mit kommerziellem Hintergrund funktioniert. Ein ähnliches Prinzip also, nach dem auch Werbung funktioniert. Wir sprechen hier nicht von Arthouse- oder Independent-Filmen. Filmstudios machen kommerzielle Filme: "That's what Studios do".

Zweitens: Pedantische Vorbereitung ist zwar unerlässlich, manchmal heißt gutes Directing aber auch, einfach mal Dinge passieren zu lassen. Woody Allen hat das ganz treffend formuliert: "No direction is the best direction". Die Regiearbeit liegt zum größten Teil in der Vorbereitung. Die Künstler am Set, die Schauspieler, die Kameraleute, die Visagisten, der Production Designer, einfach alle: Das sind alles talentierte Künstler, die man nach meinem Briefing laufen lassen muss, anstatt alles zu kontrollieren. Sie alle wollen genau wie du nur das Beste für den Film und ja, sie werden dich überraschen, wenn du es nur zulässt.  

Drittens: Es ist wichtig, Emotionen authentisch zu transportieren. Die Arbeit am Skript und an den Charakteren ist essentiell. Ebenso der Dialog mit den Schauspielern. Sie müssen die Rolle verinnerlichen, und der Zuschauer muss sich in ihnen wiedererkennen. Emotionen sind und bleiben in dieser Hinsicht der Anker des Erfolgs.

Viertens: Film ist eine Kombination verschiedener Kunstformen. Und nur wer bei dieser Orchestrierung sämtliche Disziplinen gleichermaßen im Auge behält, schafft es, das Bild, welches er transportieren möchte, auch auf die Leinwand zu bringen.

Wohin geht deiner Meinung nach die Reise für das Thema Bewegtbild generell?

Meiner Meinung nach werden wir alle zugepflastert mit Bewegtbildmaterial. Und vieles davon ist einfach nicht gut. Ich frage mich dann manchmal, wie man die jeweiligen Entscheider überhaupt von diesen Ideen überzeugen konnte. Es passiert immer wieder, dass die Zuschauer unterschätzt werden. Das muss sich ändern! Ich bin fest davon überzeugt, dass ein gelungenes Storytelling in Zukunft über den Erfolg entscheidet. Was bei Vimeo und Youtube abgeht, zeigt, dass gute Produktionen häufig auch mit einfachen Mitteln zu stemmen sind, solange man mit Herzblut bei der Sache ist und mit einer packenden Geschichte zu überzeugen weiß.

Marken werden immer mehr mit Content arbeiten, weil die Zuschauer nicht mit Blödsinn berieselt werden wollen. Was produziert wird, muss sich echt anfühlen. Auch Werbefilme müssen deshalb ein hohes erzählerisches Niveau bereithalten. Stichworte wie Medienkonvergenz oder crossmediale Durchdringung tun ihr übriges. Ich lege mich also fest: Die Reise geht weiterhin in Richtung einer authentischen Story.

Und dein persönlicher Ausblick: Wohin soll es für dich gehen?

Ich möchte weiterhin Geschichten erzählen. Geschichten, die emotionalisieren und die den Zuschauer mitnehmen – egal ob im Kino oder in der Werbung. Es wäre der absolute Wahnsinn, wenn Leute tatsächlich irgendwann einmal in die Kinos gehen, um einen Film zu sehen, weil er von mir kommt, oder dass man mich bucht, weil ich für eine besondere Leistung stehe. Mein größtes Ziel aber ist es, Filme zu erschaffen, die eine Spur hinterlassen und den Zuschauern etwas mitgeben. Dies war mein erster Film, und ich werde von Film zu Film dazulernen und meine Handschrift herausarbeiten können.

Interview: David Korte (Oliver Schrott Kommunikation)

P.S.: Aleksander Bachs zweiter Hollywood-Film ist bereits in Arbeit: "Revoc" (für Lionsgate) wird ein Science-Fiction-Film über eine drohende Aliens-Invasion.


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W&V Leserautor

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