5 Thesen von Rainer Balensiefer, Accenture Interactive :
Warum Beratungsfirmen jetzt mit Agenturen konkurrieren

Unternehmensberatungen werden für Agenturen zunehmend zur Konkurrenz. Mit W&V sprach Rainer Balensiefer von Accenture Interactive über die Zukunft der Werbung. Wir fassen seine 5 Thesen zusammen.

Text: Conrad Breyer

Rainer Balensiefer leitet als Managing Director Accenture Interactive in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Rainer Balensiefer leitet als Managing Director Accenture Interactive in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Deutschlands Unternehmen sind verunsichert. Weil sich in der Kommunikation neuerdings alles um den Verbraucher dreht, sollen sie etablierte Strukturen und Prozesse aufgeben, sich neu erfinden, on- wie offline Markenerlebnisse schaffen, die individuell auf die Konsumenten zugeschnitten sind. Der Beratungsbedarf ist hoch. Unternehmensberatungen nutzen ihre Chance, drängen massiv ins Geschäft mit der Kommunikation und stellen das Modell Agentur infrage.

Rainer Balensiefer leitet Accenture Interactive, laut "Ad Age" die größte Digitalagentur der Welt. Der Agenturmarkt, so kündigt es der Unternehmensberater im Gespräch mit der W&V an, werde sich dramatisch verändern. Seine Thesen:

1.

Unternehmensberatungen werden in Zukunft ein Wörtchen mitreden

Weil sich das Marketing zunehmend automatisiert und personalisiert, müssen Unternehmen verschiedene Touchpoints in die Kundenerlebniskette integrieren. Klassische Unternehmensberatungen könnten das besonders gut, sagt Balensiefer, weil sie technisch, strukturell und strategisch in der Lage seien, Projekte in Unternehmen zu verankern, die mit der digitalen Transformation zu tun haben. Und die digitale Transformation verunsichert die Kunden mehr als alles andere. Zudem hätten Consultants Zugriff auf das C-Level in Unternehmen, anders als Agenturen.

2.

Auch Unternehmensberatungen können Kreative in ihre Reihen integrieren

Unternehmensberatungen haben in den vergangenen Jahren mehr und mehr Zusatzleistungen aufgebaut und/oder aufgekauft, um die Wertschöpfungskette, die Kommunikation möglichst vollständig abzudecken. Allein Accenture biete Dienstleistungen an wie Strategie, Consulting, Digital, Technologie, Operations. Da sei es nur logisch, dass gerade Consultants in der Lage seien, unterschiedliche Kulturen im Team zu integrieren. Sie hätten schlicht Erfahrung damit. Im Zweifel bekommt - wie bei Fjord - der Designer eben seine eigene Umgebung. Ein Miteinander in der Verschiedenheit.

3.

Content-Kreation bleibt im Kern Sache der Agenturen

Im Storytelling, im Content, im Entwicklungsbereich gebe es natürlich viele Dienstleister, die eine lange Historie haben. Balensiefer weiß nicht, ob Unternehmensberatungen das kurzfristig in ihr eigenes Portfolio aufnehmen sollten. Was Accenture schon macht: Content-Produktion und -Distribution, sobald Texte da sind, und die spielen sie in den passenden digitalen Formaten aus. Die Content-Kreation, dieser erste Schritt, der echte Kreativteil, wenn es um die Entwicklung von Kampagnenmotiven, Live-Ideen, Claims und so weiter geht, die werde auch weiter im Kern von Kreativagenturen übernommen werden.

4.

Der Kunde schätzt den Wettbewerb zwischen Beratern und Werbern

Jeder Dienstleister, der sich im Markt für Customer-Experience-Services, Strategieberatung, Technologie, IT bewegt, muss sich laut Balensiefer fragen: "Was sind die Kerndienstleistungen, die ich einbringen kann und die auch in diesem Puzzle für den Kunden eine differenzierende Rolle spielen?" Natürlich finde hier Wettbewerb statt. "Am Ende entscheidet der Kunde."

5.

Unternehmensberatungen werden ihre Rolle spielen, den Markt aber nicht dominieren

Der Markt konsolidiert sich. Aber die Konsolidierungen, die da stattfinden, das sind ja nicht Marktteilnehmer, die sich von zehn auf fünf Anbieter reduzieren, glaubt Balensiefer, "sondern Sie haben ja noch wirklich eine hohe Bandbreite. Wir sind weit entfernt von mono- oder oligopolistischen Marktstrukturen." Und das findet er auch gut so.

Das komplette Interview lesen Sie in der W&V-Ausgabe 40/2016 vom 4. Oktober.

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Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.


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