Kommunikation im Raum :
Warum der FAMAB beim Ranking der Eventagenturen nachbessern muss

Die Kritik am Ranking der Agenturen für Live-Kommunikation und Kommunikation im Raum ist ungebrochen: Nur wenige Agenturen machen mit. Immer wieder werden Vergleichbarkeit und Stichhaltigkeit der Ergebnisse in Frage gestellt. Der FAMAB gerät deswegen immer stärker unter Druck.

Text: Conrad Breyer

FAMAB-Geschäftsführer Jan Kalbfleisch: "Die Grenzen verschwimmen."
FAMAB-Geschäftsführer Jan Kalbfleisch: "Die Grenzen verschwimmen."

Der Markt für Live-Kommunikation und Kommunikation im Raum wächst seit Jahren solide. Auch 2015 haben die meisten Agenturen davon profitiert. Sie liefern längst mehr als bloß Events: Sie entwickeln Marken. Bei den Kunden kommt das gut an, sie brauchen Beratung. Live-Events sollen schließlich stets auf die eigene Marke einzahlen; ein einheitliches Markenerlebnis bieten. Kaum sonstwo kann ein Unternehmen so nachhaltig Eindrücke hinterlassen wie auf einem Event.

Die Agenturen konnten entsprechend gut zulegen, wie das jüngste Ranking von FAMAB, W&V und "Horizont" zeigt. Lesen Sie dazu auch die Geschichte in der aktuellen W&V-Ausgabe Nr. 38/2016 vom 19. September (hier geht's zur Einzelheftbestellung)

Doch nicht bei allen Agenturen kommt die Umsatzerhebung gut an. Johannes Milla etwa, CEO von Milla & Partner in Stuttgart, hat im vergangenen und vorvergangenen Jahr nicht am Ranking teilgenommen. "Obwohl wir gerne unsere Zahlen veröffentlichen. Denn Transparenz ist gut für den Markt." Doch Milla findet das Ranking "methodisch schwierig", auch wenn die Zahlen inzwischen dank einer Steuerprüferin nicht mehr so dreist gefälscht würden wie früher. Deshalb hat er in diesem Jahr wieder geliefert.

Milla steht mit seiner Kritik am Ranking nicht alleine da. Nachfolgend drei Gründe, warum der Fachverband FAMAB aus Sicht seiner Kritiker beim Ranking nachbessern muss.

1) Wenig Relevanz

An der Spitze des Rankings stehen immer dieselben. Avantgarde, Vok Dams und Uniplan waren schon im Vorjahr Top 3. Das Feld darunter ist volatil. Es ist geprägt von treuen Agenturen, die immer wieder einreichen, von Neu- und Wiedereinsteigern wie Doit beziehungsweise Full Moon, Milla & Partner. Wichtige Namen fehlen im Ranking allerdings wie Triad, Atelier Markgraph, Mutabor, Schmidhuber, Insglück, KMS Blackspace. 2016 haben nur 21 Firmen mitgemacht. Selbst FAMAB-Mitglieder stellen deshalb immer wieder die Relevanz des Rankings infrage, auch die Stichhaltigkeit der Zahlen. Ulrich Roth von Roth & Lorenz in Stuttgart hält das Ganze beispielsweise für "grenzwertig". Der FAMAB arbeitet daran, das Ranking attraktiver zu machen. Der Verband selbst soll interessanter werden. "Wir sind 50 Jahre alt und drehen jetzt mal an ein paar Schrauben", sagt Geschäftsführer Jan Kalbfleisch. Konkreter wird er nicht. Der FAMAB überdenkt sein Beitragsmodell, das war schon im "Kontakter" (Ausgabe 16/2016) zu lesen. Jetzt will er kleineren Agenturen bei der Internationalisierung helfen. Eine gute Idee. Denn der Verband leidet unter einem Imageproblem.

2) Von Birnen und Äpfeln

Die Agenturen, die der FAMAB für seine Jahresumschau zulässt, kommen aus ganz unterschiedlichen Ecken. Uniplan zum Beispiel ist mit Messebau groß geworden. Avantgarde verdient viel Geld mit Personaldienstleistungen. Vok Dams macht Events, wie alle anderen zunehmend begleitet im Netz. Um einmal die drei größten Agenturen zu nennen. Das, sagen Ranking-Gegner, gehe nicht. Die Leistungen seien zu unterschiedlich, nicht vergleichbar. Insbesondere Colja Dams, CEO von Vok Dams hat in der Fachpresse immer wieder betont, er könne aus seiner Erfahrung nicht bestätigen, dass die Abgrenzung zwischen Live- und Kommunikation im Raum verschwimme. Dieses Jahr hat er es gegenüber W&V wiederholt. Der FAMAB entgegnet: "Die Grenzen fallen", so Jan Kalbfleisch. Im Zentrum der Kommunikation steht die Idee, die Marke, nicht der Kanal. 

3) Die Zahlen stimmen noch immer nicht

Zwar schaut sich inzwischen eine Steuerberaterin die Zahlen an, Karin Schernus aus Preetz. Kritiker aber finden noch immer, dass manche Angaben nicht stimmen können. "Alles über 90.000 Euro Honorarumsatz pro Mitarbeiter muss man misstrauisch betrachten", sagt Johannes Milla. Das wären die Ergebnisse von knapp einem Drittel der gelisteten Agenturen.

Doit etwa weist 158.000 Euro aus. Geschäftsführer Ercan Aslan sagt: "Wir beraten eben viel." Der FAMAB sagt: "Genauer gehe es nicht mehr." Der Faktencheck ist offenbar auch ein Grund dafür, warum einige Agenturen heute nicht mehr melden, die früher dabei waren. Es fehle am Willen, die Zahlen offenzulegen, vermuten viele.

Das Ranking der Agenturen für Live- und Kommunikation im Raum wird es deshalb auch im kommenden Jahr wieder schwer haben. Es fehlt an Akzeptanz und Relevanz. Milla droht gar: "Sollte sich nichts ändern an den Methoden, machen wir nicht mehr mit." Seine Agentur habe aufgrund unseriöser Meldungen anderer Agenturen schlechter abgeschnitten als erwartet. Auf Platz acht bis zehn hätte sich die Agentur gern gesehen, gelandet ist Milla & Partner auf Rang 14.

Hier geht's zum vollständigen Ranking.


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.