Unternehmenskultur :
Warum Wieden + Kennedy jetzt die Arbeitszeiten regelt

40-Stunden-Woche, E-Mail-Verbote, Meetingstopp: Wieden + Kennedy London bekämpft seinen miesen Ruf als Arbeitgeber und führt Arbeitsregeln ein. 

Text: Frauke Schobelt

14. Mar. 2016 - 9 Kommentare

Mit zahlreichen preisgekrönten Kampagnen hat sich Wieden + Kennedy London einen Ruf als exzellente Kreativagentur erarbeitet. Ihr Ruf als Arbeitgeber ist jedoch ziemlich mies: Die Agentur gilt als Ausbeuter, unbezahlte Überstunden sind an der Tagesordnung, nicht umsonst lautet ein Spitzname "Weekend & Kennedy". Nun will W+K London das schlechte Arbeitgeber-Image bekämpfen und hat eine Liste mit Regeln erstellt, die für ein besseres Arbeitsklima sorgen sollen. 

Wie das Fachblatt "Campaign" berichtet, will Wieden + Kennedy das Team mit den Regeln auch vor sich selbst schützen. So soll künftig die wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden eingehalten werden. Um Mitarbeiter davon abzuhalten, zu früh zur Arbeit zu erscheinen und bis in die späten Abendstunden am Schreibtisch zu hocken, sind in den kommenden Monaten Meetings vor 10 Uhr und nach 16 Uhr nicht mehr erlaubt. Außerdem sollen Mitarbeiter keine E-Mails mehr nach 19 Uhr lesen oder verschicken. Das Team wird von der Führung auch ermuntert, freitags das Büro schon um 16.30 Uhr zu verlassen und ins Wochenende zu gehen. Wie das bei der Fülle an Aufgaben gelingen soll, wird nicht näher erklärt. 

Das neue soziale Gewissen hat Wieden + Kennedy natürlich nicht ohne Grund: Eine bessere Arbeitskultur soll der Agentur im Kampf um neue Talente helfen. Denn vor allem Tech-Giganten wie Google machen der Branche zunehmend das Personal streitig. In diesen Konzernen wird zwar auch viel vom Mitarbeiter verlangt, aber deutlich besser gezahlt. Mit einer besseren Work-Life-Balance und einer neuen Wohlfühlatmosphäre versuchen viele Agenturen nun gegenzusteuern. Denn mit dem Problem steht Wieden + Kennedy London nicht alleine da. Auch andere Kreativschmieden haben entlarvende Spitznamen: Bartle Bogle Hegarty (BBH) wird in britischen Werberkreisen gerne GBH ("grivous bodily harm" - "schwere Körperverletzung") genannt, 72andSunny hat den Beinamen "72andSunday". 

Zu den Kunden von Wieden + Kennedy London zählen unter anderem Honda, Arla, Lurpak, Nike sowie Procter & Gamble. Die Honda-Kampagne "The Other Side" wurde kürzlich vom Gunn Report zur meistprämierten Digitalkampagne 2015 gekürt. 


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.



9 Kommentare

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Anonymous User 15. März 2016

Ich arbeite gerne und lange. Abends komme ich auf bessere Ideen. Sitze dann zu Hause und aufgrund einer anderen Umgebung habe ich eine ganz andere Motivation. Für mich ist Kreativität keine Energieform, die sich in eine Agentur pressen lässt.

Anonymous User 15. März 2016

@p
Du sprichst etwas Wichtiges an. Die Agenturen haben meistens kein wirkliches Vertrauen in ihre Mitarbeiter. Denn wäre das Vertrauen gegeben, würde man sich eher an Termine orientieren und es dem Kreativen überlassen, wo er die beste Lösung für das Briefing findet.
Ich gehe lieber pünkltlich nach Hause und arbeite dann dort weiter.

Mein Traum wäre ohnehin: Mehr Homeoffice, wenn man mal nicht weiterkommt, einfach die PS4 anwerfen und 30 Minuten zocken. Dann wieder arbeiten. Kaffee trinken. Arbeiten. Ich habe das notgedrungen schon so gemacht (Wochenende) und ich war wirklich besser, weil ich wusste: Wenn ich jetzt schnell bin, dann zocke ich eine Runde. Und wenn ich keine Idee habe, dann sieht das jetzt keiner, aber Hauptsache ich habe sie dann zur Abgabe.

Die Agenturen handeln aber nicht so, weil die meisten GFs davon überzeugt sind, ihre Agentur wäre so wahnsinnig kreativ gestaltet und dasss man nur dort sehr gut arbeiten kann. Falsch.

Anonymous User 15. März 2016

Tja, altes Thema immer wieder neu hochgekocht. Kreative Arbeit lässt sich ja nun wirklich schwerlich in Formen pressen. Aber kreative Arbeitet braucht auch Freiräume und die gibts nicht, wenn man 16 Stunden im Büro abhängt. Das hat aber auch immer mit guter Planung und leider auch Disziplin zu tun. Wie gesagt, es gibt keine ideale Form. Jeder muss seinen eigenen Flow entwickeln. Aber die Zeiten von "Das Wochenende ist der Freund der guten Idee" sind einfach vorbei. S&J, JvM und PuK, G&P, LLR et cetera wachen auch noch eines Tages auf und merken, dass man ohne gesundes und loyales Personal aussterben wird. Oder die Chefs können wieder alles selber machen. Machen sie ja eh am liebsten, weil alle anderen in ihren Augen zu doof sind.

Anonymous User 15. März 2016

Ich arbeite gerne und lange. Abends komme ich auf bessere Ideen. Sitze dann zu Hause und aufgrund einer anderen Umgebung habe ich eine ganz andere Motivation. Für mich ist Kreativität keine Energieform, die sich in eine Agentur pressen lässt.

Anonymous User 14. März 2016

Muss ja ein echter Saftladen sein, wenn man diese Regeln braucht. So wie viele andere Agenturbiotope in Deutschland auch, wo Menschen mit Neurosen und anderen Persönlichkeitsstörungen bis in die Puppen abhängen - und das auch von ihren Teams verlangen, weil zu Hause ohnehin niemand auf sie wartet.

Nur schön, wenn denen qua Nachwuchsmangel langsam aber sicher der Saft ausgeht. Gute Nacht.

Anonymous User 14. März 2016

definiere gutes level?
und wo hast du gearbeitet - in der kreation?
dann vermute ich, vier mal ungefähr sechs monate?

Anonymous User 14. März 2016

JEDE deutsche Agentur? Also ich war bis jetzt in 4 Stück, große Networks und kleine inhabergeführte - alle auf einem guten Level - und ich habe nirgends mehr als 45 Stunden gearbeitet.

Vielleicht solltest du deine Arbeitgeberwahl überdenken @werberei

Anonymous User 14. März 2016

Die sind also so schlimm wie JEDE deutsch agentur? shame. und das, wo man bei w&k wirklich die benchmark-kommunikation macht. nicht wie hier. der bericht sollte eher fragen, warum das hier niemand tut.

Anonymous User 14. März 2016

Jail V M...

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