Ralf Junge :
Was macht eigentlich der interne Kritiker von Frank Behrendt?

Frank Behrendts "10 ernsthaften Ratschläge wie man lockerer durchs (Berufs-)Leben kommt" wurden in den Medien gefeiert, für die Crea Credentials Awards nominiert - und in der eigenen Agentur nicht ganz ernst genommen. Ralf Junge, interner Kritiker von Behrendt, schreibt auf W&V Online, wie es ihm ergangen ist und was beim Employer Branding für Agenturen falsch läuft.

Text: W&V Leserautor

- 16 Kommentare

Frank Behrendts "10 ernsthaften Ratschläge wie man lockerer durchs (Berufs-)Leben kommt" wurden in den Medien gefeiert, für die Crea Credentials Awards nominiert - und in der eigenen Agentur Fischer Appelt nicht ganz ernst genommen. Ralf Junge, interner Kritiker von Behrendt, schreibt auf W&V Online, wie es ihm ergangen ist, und was beim Employer Branding für Agenturen falsch läuft.

Was bisher geschah:

"Die Arbeitgebermarke kann nicht einfach von der Geschäftsleitung definiert werden"

Text: Ralf Junge

Die Arbeitsbedingungen in Kommunikationsagenturen beschäftigten das Netz in den letzten Wochen intensiv. Damit wird eine langanhaltende Diskussion über die Arbeit in Kommunikationsberufen fortgesetzt. Und das ist gut so. Denn es geht darum, Tabus aufzubrechen und die Arbeit zu zeigen, wie sie wirklich ist: abwechslungsreich, außergewöhnlich, lehrreich, intensiv, fordernd, eben keine 9-to-5-Beschäftigung, sondern manchmal auch weit über die normalen Arbeitszeiten hinaus.

Unmittelbar nach der Veröffentlichung meines Beitrags gab es einen ersten internen Austausch zum Thema und von beiden Seiten auch den Willen, das Thema weiterzuverfolgen. Dabei ist es dann aber geblieben. Die Diskussionen in den verschiedensten sozialen Netzwerken waren scheinbar zu aufreibend, weshalb man sich darauf verständigt hat, sich öffentlich nicht mehr zu dem Thema zu äußern.

Die tatsächlich folgenden Aktionen waren dann die Verkündung, dass ein Buch zu den Thesen geschrieben würde und nun die Nominierung für den Crea Credential Award in der Kategorie Employer Branding. Wobei ich mich ernsthaft frage, was darin kreativ ist bzw. inwiefern die Einstellungen eines Einzelnen, die sich mit der Realität der Mitarbeiter nicht annähernd decken, als Employer Branding aufgefasst werden können. Es klafft eine große Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit – diese 10 Thesen leisten weder einen langfristigen positiven Beitrag für das Unternehmen als Arbeitgeber noch werden sie intern gelebt.

Sie führen vielmehr zu einer vollkommen falschen externen Wahrnehmung der Arbeit in Agenturen, eine Verhöhnung der Arbeit einer ganzen Branche und nicht zuletzt auch der Kunden. Denn welcher Kunde möchte schon gern hören, dass mit seinen Budgets "Monopoly für Erwachsene" gespielt wird? Zum gleichen Thema wurde die Aktion "Don’t be part of the Working Dead" von Pink Carrots ebenfalls für den Crea Credential Award nominiert und ist für mich wirklich auszeichnungswürdig – gute Idee, gutes Konzept und gute Umsetzung.

Machen wir uns doch nichts vor. Die Arbeitsbedingungen in der Agenturlandschaft sind uns allen bekannt. Das wird sich auch vorerst nicht ändern. Wir wussten vorher, worauf wir uns einlassen. Ich habe mich auch gar nicht über diese Bedingungen beschwert. Ganz im Gegenteil: ich habe gern bei Fischer Appelt gearbeitet und viel gelernt, nicht umsonst zählen sie zu einer der besten Kommunikationsagenturen.

Das eigentlich Schlimme an den Thesen ist, dass insbesondere die großen Agenturen noch immer ein Phantasiebild unserer Arbeit kommunizieren, das von der Realität sehr weit entfernt ist. Daher sind diese Thesen für mich ein Paradigma für die vielen Fehler, die nach wie vor im Employer Branding gemacht werden. Sie zeigen, dass dieses Thema von vielen leider noch immer nicht verstanden wird. 

Employer Branding ist kein Top-Down-Prozess, die Arbeitgebermarke kann nicht einfach von der Geschäftsleitung definiert werden, das sollte aus einem kontinuierlichen Dialog mit den Mitarbeitern entstehen. Mitarbeiter mischen sich ein, sind engagiert und wollen die Arbeitsbedingungen mitgestalten, statt sie nur zu akzeptieren. Sie schaffen eigene Regeln und gestalten Prozesse mit. Dazu brauchen wir eine gesunde Diskussionskultur, um gemeinsam Wege zu finden, Lösungsmöglichkeiten zu zeigen, Ideen und Impulse zu geben. Denn das macht gelebtes Employer und Employee Branding wirklich aus.

Als Folge auf meinen Beitrag habe ich viel Zuspruch erhalten, von den eigenen Kollegen sowie auch aus anderen Agenturen. Darunter war auch das Angebot von Brandpunkt. Die Gespräche mit den beiden Geschäftsführern und den Mitarbeitern haben mich schnell überzeugt – insbesondere die dialogorientierte Arbeitsatmosphäre und die Arbeitsbedingungen. Die Entscheidung zu wechseln fiel daher nicht schwer. Und nach meinen ersten Arbeitstagen kann ich bestätigen, dass es keine leeren Versprechungen waren. Das Vertrauen in meine Erfahrungen und Fähigkeiten ist groß. Die Zusammenarbeit mit den Kunden und die Unterstützung in deren Kommunikationsarbeit stehen hier über persönlichen Befindlichkeiten oder Ego-Tripps. Brandpunkt ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass es auch anders geht. Es war also die richtige Entscheidung.

Im Februar 2016 heuerte Ralf Junge bei der Agentur Brandpunkt aus Berlin in. Dort ist er als Teamleiter tätig. 

Hier sind noch einmal Frank Behrendts Thesen, die zuerst im Magazin "Clap" erschienen:

10 ernsthafte Ratschläge wie man lockerer durchs (Berufs-)Leben kommt

1. Mach dir jeden Morgen noch mal klar, dass wir im Job nur Monopoly für Erwachsene spielen. Egal, was wir hier machen oder nicht machen – die Welt dreht sich weiter. Deshalb sollten wir uns bei aller Ernsthaftigkeit selbst nicht zu wichtig nehmen.

2. Schaff dir Atempausen während des Arbeitstages. Audiobook im Auto hören statt rumzutelefonieren, im Flieger Bestseller auf dem Kindle lesen statt die letzte Sales-Statistik.

3. Nichts begeistert mich mehr als meine Familie. Deshalb lieber den letzten Flieger oder den Nachtzug zurück nach Hause nehmen, anstatt im Hotel zu übernachten. Das Frühstück mit denen, die wirklich wichtig sind, ist unbezahlbar und der beste Start in den neuen Tag.

4. Abendessen mit Geschäftspartnern minimieren. Es gibt abends nix zu besprechen, was man nicht auch beim Lunch erledigen kann. Statt Business-Dinner lieber ins Kino mit der Gattin, Kicker mit den Kids vorm Einschlafen spielen oder entspannt Fußball auf Sky schauen.

5. Hol dir den Happiness-Kick von früher zurück. Fast jeder hat in der Kindheit glückliche Momente erlebt. Wenn Mama die Lieblingsspielzeuge inzwischen verschenkt hat – hol sie dir auf Ebay. Das Matchboxauto von damals auf dem Schreibtisch lässt einen jede noch so langweilige Telefonkonferenz spielerisch überstehen.

6. Ruf an den eher spaßbefreiten Tagen einfach mal spontan ehemalige Lieblingskollegen an, die heute woanders sind. Das amüsante Telefonat über die besten Anekdoten von früher macht auch einen grauen Tag direkt heller.

7. Geh mal mit Leuten zum Mittagessen, die auf den ersten Blick keine Business-Relevanz haben. Der gechillte Talk mit dem Schülerpraktikanten über seine Lieblinge auf Youtube bringt oft mehr als der traditionelle Larifari-Lunch mit dem Key-Account-Manager eines Dienstleisters, der dich wieder mal zum Essen einladen möchte, um sich auszutauschen.

8. Lösch die Abwesenheitsnotiz auf deinem Mailaccount. Ich finde es stressiger, vor dem Urlaub Übergaben zu machen und nach der Rückkehr wieder alles aufzuarbeiten. Unter der Palme im Urlaub zweimal täglich Mails zu checken und die wichtigen weiterzuleiten oder kurz zu beantworten ist kein Ding, wenn man das Phone dann wieder in den Safe legt und an den Strand geht. Ab- und Umschalten kann man trainieren – und zwar im Kopf, nicht am Gerät.

9. Mein Kürzel lautet fb und nicht cc. Befrei dich vom Informationswahn. Vertrau den Mitarbeitern und lasse dich von ihnen lieber regelmäßig persönlich updaten. Das ist effizienter und gibt im Face-to-Face auch Räume für die wichtigste interne Währung: ein Lob.

10. Liebe deine Familie, deine Freunde, dich selbst und das Leben. Aber nie deinen Job.


Autor:

W&V Leserautor

W&V ist die Plattform der Kommunikationsbranche. Zusätzlich zu unseren eigenen journalistischen Inhalten erscheinen ausgewählte Texte kluger Branchenköpfe. Einen davon haben Sie gerade gelesen.



16 Kommentare

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Anonymous User 5. Juli 2016

Ich habe die Zehn Thesen gelesen und bin der Meinung, dass diese Haltung absolut erstrebenswert ist.

Anonymous User 22. Februar 2016

Hallo Frank,

ich kann nicht folgen. Entweder sind das IHRE persönlichen, privaten Thesen, oder Sie reichen das beim Crea als strategische PR/Employer Branding für ihre Agentur ein.

Oder gibt's beim Crea die Kategorie "Größte Welle"?

Anonymous User 12. Februar 2016

Lieber Frank,
nix für ungut. Aber weder will ich mir von Dir etwas abschauen, noch ausführlich erklären lassen - ist ja auch DEINE Haltung, nicht MEINE. Success- und Motivationsbücher hab ich auch schon bessere gelesen...soviel Kritik darf unter uns ehemaligen "Betbrüdern" ja sein! Der Kommentar von tanjak trifft es: das Thema ist durch... Was mich vielmehr nachdenklich stimmt, dass sich so viele hier zum Thema Mitarbeiter und Führung in Agenturen unter Decknamen äußern. Lässt ja dann schon tief blicken!

Anonymous User 10. Februar 2016

Ich mag den Frank Berehndt. Schade, dass man in manchen Agenturen kontrolliert wird und wie am Fließband ohne Eigenverantwortung arbeitet. Das ist nicht modern. Den Frank hätte ich gerne als Chef.

Anonymous User 10. Februar 2016

Ralf Junge hat sich falsch verhalten. Er hätte niemals seinem Chef öffentlich in den Rücken fallen dürfen, sondern hätte den Dialog suchen sollen. So aber ist das alles sehr peinlich und Herr Behrendt wurde hier abgeurteilt und als weltfremd dargestellt. Dabei geht es tatsächlich nun um sein Erfolgsrezept und ein solches lässt sich nie 1 zu 1 adaptieren. Jeder muss seine zehn Punkte finden.

Anonymous User 9. Februar 2016

Hey Folks,
ich glaube immer mehr dass Sportsfreund Ralf Junge ein Frank-Behrendt-Trauma hat. Der ist nämlich erfolgreich, lässig und entspannt - und er selbst ist es eben nicht. Weil er gerne auch so wäre wie der Meister, arbeitet er sich unablässig an seinem Idol ab. Junge,Junge - ich rufe Dir zu: Sei entspannt wie der Behrendt, mach Dich locker und widme Deine Zeit lieber Dir selbst, Deiner Familie oder dem Leben - oder den Kunden Deines neuen Arbeitgebers:)

Anonymous User 9. Februar 2016

Super Kommentar von Frank Behrendt, denn so sind die Thesen ja schlichtweg zu verstehen. Sein Geheimnis des Erfolgs!

Warum auch immer die bei cherrypicker das zum Anlass nehmen einen Crea zu vergeben. Noch schlimmer: ist FischerAppelt so verzweifelt das dort einzureichen und so zu tun als sei das eine geplante Maßnahme/Kampagne gewesen. Oh je, es steht schlimm um die einstige Vorzeigeagentur. Wer aktuell ab und zu mal beim Arbeitsgericht auftaucht, weiß wovon ich schreibe.

Anonymous User 9. Februar 2016

"Liebe niemals Deinen Job". Ein unmißverständliches Arbeitsethos, dessen Zukunftsfähigkeit von Interesse bleiben wird.

Anonymous User 9. Februar 2016

Schlimm, wie hier verletzte Gefühle so offensichtlich Oberhand gewinnen. Als Kommunikationsberater sollte man sich - vor allem, wenn man sich thematisch involviert fühlt - davon lösen können. Schwierig wird es vor allen Dingen, wenn man seinen aktuellen Arbeitgeber zulasten der alten Agentur über den grünen Klee lobt, obgleich man erst seit ein paar Tagen dort angestellt ist.

Anonymous User 9. Februar 2016

Ich sehe Schwarz. Ist das Alles? Was wird da bloß für eine Welle draus gemacht? Krämer, bleib beim Kram.

Anonymous User 9. Februar 2016

Öch no, die wievielte Runde ist das jetzt? So langsam nehmen sich beide Seiten nicht mehr viel in Sachen Eigen-PR.

Anonymous User 9. Februar 2016

Mensch Herr Junge, was ist das denn für ein Stil nachzutreten? Haben Sie nichts eigenes zu erzählen als immer auf den Thesen von Herrn Behrendt rumzureiten?? Ihr neuer Arbeitgeber wird schon sehen was er sich da für eine Laus in den Pelz gesetzt haben. Aber Sie haben sicher noch Probezeit:)

Anonymous User 9. Februar 2016

"Die Zusammenarbeit mit den Kunden und die Unterstützung in deren Kommunikationsarbeit stehen hier über persönlichen Befindlichkeiten oder Ego-Tripps." Ich hoffe für Brandpunkt, dass sich das durch Ego-Tripp-Ralfie nicht ändert.

Anonymous User 9. Februar 2016

boah, das Thema ist doch langsam mal durch.

Anonymous User 9. Februar 2016

Ach, da isser wieder der Ralf Junge:) Er surft weiter als Trittbrettfahrer auf der Welle meiner 10 Thesen, aber leider hat sie immer noch nicht verstanden:) Es ging und geht mir nicht um Arbeitsbedingungen in Agenturen, eine Blaupause für fischerAppelt, Arbeitszeiten und irgendein Bild das da gezeichnet werden sollte. Es ging vielmehr darum, dass ICH meine ganz persönliche HALTUNG aufgeschrieben habe, mit der ICH MEIN (Berufs)Leben seit vielen Jahren so gestalte, dass ich für mich die richtige Balance gefunden habe. Auch die wiederholte Fehlinterpretation mit der Monopoly-Thematik nervt langsam: Da geht es nicht um das sorglose Umgehen mit Budgets von Kunden, oder eine Non-Performance aufgrunnd von mangelnder Ernsthaftigkeit, sondern um die Haltung SICH selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Und auch das habe ich zunächst erstmal auf mich bezogen. Meine Thesen sind auch nie als copy paste Vorlage gedacht gewesen, sondern als Impuls. Viele haben das zum Glück genau richtig verstanden. Und in meinem Buch werde ich meine Haltung, den Weg dahin und was man sich davon abschauen kann ausführlich erklären. Ich bin sicher, dann versteht`s auch Ex-Kollegen Junge endlich richtig:)

Anonymous User 9. Februar 2016

Leider kann ich das bestätigen. Bei fischerAppelt wird viel publiziert und wenig nach innen gelebt. Die interne Kommunikation ist ähnlich schlecht wie in vielen anderen Agenturen und wirklich innovative Ideen haben dort auch keine Chance. Man ist dort zu sehr mit der Außenwirkung der Agentur beschäftigt. Diese 10 Thesen sind nett, aber man kann sie nicht ernst nehmen. Was schade ist. Aber Rumgeheule von geplagten Mitarbeitern oder die übliche Ausrede "man weiß ja worauf man sich einlässt" bringen auch nicht weiter. Einfach mal um sich selbst kümmern. Nein sagen und nachhause gehen. Das wirkt mit der Zeit wunder.

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