Neue Serie :
Werber in der Walachei: Agenturen abseits der Metropolen

Für viele Kreative ist ein Job außerhalb der klassischen Werbemetropolen undenkbar. Dabei können Agenturen in der Provinz durchaus attraktive Arbeitgeber sein. Wie das geht? W&V Online befragt in einer neuen Serie ab sofort Agenturchefs. Heute: Zebra aus Chemnitz. Der Online-Fragebogen.

Text: W&V Redaktion

19. Dec. 2012

Für viele Kreative ist ein Job außerhalb der klassischen Werbemetropolen undenkbar. Dabei können Agenturen in der Provinz durchaus attraktive Arbeitgeber sein. Wie das geht? W&V Online befragt in einer neuen Serie ab sofort Agenturchefs. Heute: Zebra-Chef Tino Lang aus Chemnitz. Der Online-Fragebogen.

Wie erklären Sie einem Bewerber, wo Chemnitz liegt?

Chemnitz ist dieser verschlafene Ort, wo das Pro-Kopf-Einkommen in Sachsen am höchsten ist. Man verdient da also sein Geld im Schlaf.

Ist Chemnitz für Sie (und Ihr Team) eigentlich inspirierend? Wenn ja: Warum?

Ich sag´s mal so: Mein vierjähriger Sohn malt und baut die kreativsten Dinge. Dabei war er noch nie im Guggenheim, nie bei einem Rolling Stones-Konzert und auch nicht auf einer Weltausstellung. Sichtlich reicht dem wachen und neugierigen Gehirn ein normales Umfeld, um schöpferisch zu sein. Zumal es im 21. Jahrhundert in keiner Stadt mit 200.000 Menschen an Impulsen mangeln dürfte. Wobei hier auch nachgeholfen werden kann: Die Chemnitzer Kunstsammlungen wurden zum Beispiel als Deutschlands "Museum des Jahres" ausgezeichnet.
 
Haben Sie im Team Mitarbeiter, die sich bewusst für Sie und gegen eine der großen oder angesagten Dickschiffe entschieden haben?

Von mir weiß ich es. Die anderen habe ich nicht gefragt. Aber bei Zebra haben sich gute Leute zusammengefunden, die auf nationalem Niveau arbeiten. Und das steckt junge Leute an, die sich entwickeln wollen. Auf die Art hat sich Zebra in Ostdeutschland einen Namen gemacht. Unsere Kunden sind oft Marktführer, inzwischen sind wir eine Agentur-Gruppe mit über 70 Mitarbeitern in Chemnitz, Dresden und Leipzig, betreuen erste internationale Kunden, gewinnen von Zeit zu Zeit Awards und sind 2012 um 30 Prozent gewachsen. So gesehen sind wir im Umkreis von 200 km fast schon ein angesagtes Dickschiff.

Was bieten Sie Ihren Mitarbeitern, um sie nach Chemnitz zu locken?

Harte Arbeit, pingelige Chefs, erfolgsverwöhnte Kunden. Also alles, damit es sich nicht nach Provinz anfühlt. Obendrauf gibt’s bei uns noch eine Sterne-Köchin, die uns jeden Mittag ein fantastisches Essen kocht.  

Wie hoch ist die Fluktuation bei Ihnen?

Sehr gering. Vielleicht liegt es aber am fehlenden ICE-Anschluss, dass die Leute einfach nicht richtig wegkommen.

Haben Sie denn selber schon mal Fernweh gehabt und über einen Umzug in eine der Werbemetropolen nachgedacht?

Als wacher und neugieriger Mensch habe ich natürlich auch Fernweh und sogar über einen Umzug nach Hamburg oder Berlin nachgedacht. Aber die Pendelei zu zebra nach Chemnitz wäre mir zu teuer und unpraktisch.

Wie sieht's bei Ihnen eigentlich aus?

Hohe Decken und flache Hierarchien: So sieht‘s aus in der Zebra-Villa in Chemnitz. In die sind wir vor zwölf Jahren gezogen, weil wir nicht auf Krampf hip erscheinen wollten. Unsere Kunden wissen die solide Hülle mit ihrem frischen, unprätentiösen Innenleben sehr zu schätzen. Das macht ja eine gute Marke aus, dass sie Stabiles und Dynamisches miteinander vereint. Das hat bis jetzt so gut funktioniert, dass der Platz im Haus inzwischen knapp wird.


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