WPP-Chef Martin Sorrell: "Scholz & Friends muss die eigenständige Identität wahren"

Vor einem Jahr hat WPP-Chef Sir Martin Sorrell das deutsche Agentur-Dickschiff Scholz & Friends gekauft. Mit W&V-Redakteurin Daniela Strasser sprach der Chef des weltweit größten Werbekonzerns über die Zukunft der deutschen Gruppe, den Konkurrenten Omnicom und neue Übernahmepläne in Deutschland.

Text: Uli Busch

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Sir Martin Sorrell, Inhaber des britischen Werbekonzerns WPP und damit Chef von Agenturen wie Ogilvy & Mather, GreyJWTY&R und der Group M, saß während des Gesprächs mit W&V am Berliner Flughafen und wollte zunächst wissen, wie die neue Lufthansa-Werbung in Deutschland ankommt. Er hat Scholz & Friends besucht - die Agentur hatte den Lufthansa-Pitch vor einiger Zeit als Nummer zwei verloren.

Für Sorrell ist das bedauerlich, aber kein Problem. Die Agentur entwickele sich gut, sagte er. "Nicht nur in der Werbung, auch im digitalen Bereich und in der PR". Nach wie vor hat er eine klare Vorstellung vom künftigen Kurs der Agentur: Es sei wichtig, die "eigenständige Identität" von Scholz aufrechtzuerhalten und ihre "Positionierung als unabhängige Agentur und nicht als Teil des WPP-Networks."

Vor einem Jahr hatte sich WPP ein Bieterrennen um die Scholz & Friends-Mutterholding Commarco mit der französischen Publicis-Gruppe unter der Führung von Maurice Lévy geliefert. Zum Schluss hatte Publicis mit dem deutlich höheren Angebot von Sorrell nicht konkurrieren können. Warum er bereit war, so viel zu zahlen? Um sicherzustellen, dass WPP "die stärkstmögliche Position in Deutschland" hat. Er kann sich auch einen Seitenhieb auf den Konkurrenten Omnicom nicht verkneifen, nach Umsätzen zweitgrößter internationaler Werbekonzern nach WPP: "Die sagen in ihrer Jahresbilanz doch überhaupt nichts zum deutschen Markt", sagt Sorrell, "obwohl es doch angeblich ihr zweitstärkster ist."

Trotz des kostspieligen Kaufs von Scholz & Friends will Sorrell weiter in Deutschland investieren. Sowohl organisch wie auch über Akquisitionen soll sein Konzern wachsen. Es gäbe konkrete Gespräche. Äußern will er sich dazu nicht. Aber er wolle das digitale Angebot und den Bereich Consumer Insight in Deutschland ausbauen, kündigt Sorrell an. Unter "Consumer Insight" fasst WPP den Bereich Marktforschung zusammen.

Insgesamt entwickelten sich die WPP-Geschäfte im deutschen Markt gut, so Sorrell. Ein Umsatz von über 900 Millionen Euro und 7.000 Mitarbeitern dürfte WPP 2011 "mit Abstand zur größten Networkgruppe" in Deutschland machen, glaubt er - die Konkurrenz meldet keine Zahlen. Zu verdanken hat Sorrell das jedenfalls auch Scholz & Friends. Die Agentur arbeitet derzeit für den krisengeplagten Autobauer Opel. Ob ihm die neue Opel-Werbung gefalle? Sorrell äußert "keine Sichtweisen zu Kampagnen". Es bringe ihn in Schwierigkeiten. 

Das ausführliche Interview mit Martin Sorrell und mehr zur Einjahresbilanz von Scholz & Friends lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von W&V (Heft 21/2012). Noch kein Abo?


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