Gastbeitrag :
Norbert Lindhof über Einkauf versus Agenturen: "Wenn beide recht haben aber es trotzdem nicht klappt"

Mehr Miteinander statt Übereinander. Norbert Lindhof, Inhaber der Agenturberatung Allerbest aus Hamburg, wehrt sich gegen Pauschaulurteile. Einkauf und Agenturen müssten keine Feinde sein, seien es auch in den meisten Fällen nicht. Beide Seiten sind schon weiter als die gängigen Klischees behaupten.

Text: W&V Leserautor

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Norbert Lindhof berät Kunden bei ihrer Agenturauswahl mit Allerbest.
Norbert Lindhof berät Kunden bei ihrer Agenturauswahl mit Allerbest.

„Stimmen Sie Norbert Lindhof zu?”

Dieser Gastbeitrag ist Teil der Debatte Preis schlägt Idee: Agenturen und Einkauf im Clinch.

Irgendwie ist es ja bezeichnend, dass zwei so herausragende Persönlichkeiten der Kommunikations-Industrie über ein an sich so banales Thema streiten. Beide haben mit ihren Argumenten in weiten Teilen Recht. Beide argumentieren nicht falsch. Aber beide argumentieren - aus Sicht einer eher neutralen Beratung - zu einseitig und unterstellen dem jeweiligen Gegenüber - wenn man es nett ausdrückt: Unkenntnis - und wenn man es drastischer beschreibt: keine Ahnung vom Weg der richtigen Vorgehensweise zu haben.

Nimmt man einmal die "Brille der Voreingenommenheit" ab, wird man feststellen, dass

1. beide Diskutanten gar nicht so weit auseinander liegen
2. eher Vorurteile angeführt und unterstellt werden und
3. ein Miteinanderreden (vielleicht unterstützt durch professionelle Moderation)

ganz sicher schnell und zielgerichtet zu Ergebnissen kommt, mit der Agentur und Einkauf
(sicher auch Marketing) nicht nur leben, sondern gut leben können.
Nach meiner Erfahrung sind die Einkaufsverantwortlichen der Unternehmen heute in den allermeisten Fällen schon sehr viel weiter und emanzipierter bei der Bewertung von Agentur-Leistungen als es der eine oder andere Agentur-Manager wahr haben möchte.

Das alte Zitat "Kommunikations-Leistungen einzukaufen ist halt anders als der Einkauf von Schrauben oder Servietten" zählt längst nicht mehr. Im Gegenteil, wir machen zunehmend die Erfahrung, dass mögliches Nichtwissen durch Offenheit und Beratungs-Akzeptanz ausgeglichen wird. Gute Einkäufer reden – falls sie das Thema nicht komplett durchdringen – mit Leuten die davon Ahnung haben. Mindestens ein Dutzend solcher Beratungen haben allein wir in den letzten 18 Monaten begleitet.

Und auch bei vielen Agentur-Verbänden und vor allem Agentur-Managern hat sich inzwischen herumgesprochen, dass gute "Relationship-Berater" auch für Agenturen viele Vorteile bieten. Ein professionell angelegtes Auswahlverfahren braucht immer seltener den Pitch (obwohl dieser so schrecklich auch nicht sein muss, wenn er richtig geführt wird).

Es gibt da so viel bessere, schnellere und kostengünstigere Vorgehensweisen (gilt für Einkauf und Agenturen) wenn Marketing, Einkauf und Agenturen dafür offen sind. Würden diese nur konsequenter angewendet, gäbe es sicher viel weniger Anlass für "Streitgespräche" dieser Art. Wären die Argumente (bitte nicht verwechseln mit gegenseitigen Unterstellungen und Vorurteilen) sicher präziser und zielführender.

Aber eines braucht es dazu, vor allem in unserem Lande, eine Kultur des nicht alles "Alleinbesserwissens" und die persönliche Fähigkeit, neutralen Rat anzunehmen und umzusetzen. In den USA, in England und auch auf dem europäischen Festland gibt es Nationen, wo das Miteinander von Marketing und Einkauf und auch der richtige Einsatz der Agenturen viel zielgerichteter und kostengünstiger begleitend organisiert und durchgeführt wird. Alte Regel: Miteinander reden, statt übereinander.

Aber das führt zu weniger Streitgesprächen – oder?!!

„Stimmen Sie Norbert Lindhof zu?”


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W&V Leserautor

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