Gastbeitrag:
Kritik an den "Dmexco-Kritikern"

Denkwerk-Geschäftsführer Marco Zingler schaltet sich in die Dmexco-Debatte ein. Der Vize des Digitalverbands BVDW findet: die Messe ist nach wie vor ein gutes Geschäft.

Text: W&V Redaktion

Denkwerk-Chef Marco Zingler
Denkwerk-Chef Marco Zingler

Seit zwei, drei Jahren reibe ich mir jeden Sommer – die Dmexco in Sichtweite – die Augen. Mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Messe ist offenbar auch ein neues Jobprofil entstanden: der „Dmexco-Kritiker“. Wirft man jedoch einen genaueren Blick auf deren Argumente, bleibt nicht viel übrig, um diese Neubewertung des Erfolgsmodells zu rechtfertigen. Ein paar dieser Kritikpunkte möchte ich aus meiner Sicht als langjähriger Aussteller näher beleuchten:

  1. Die Kosten als Aussteller hätten sich „vervielfacht“: Denkwerk ist seit der Vorgängermesse OMD mit einem eigenen Messestand vertreten – eine vervielfachte Steigerung unserer Kosten konnten wir nicht feststellen. Folglich stimmt diese Behauptung nicht. Vielleicht hat Jemand sein Setting geändert und dadurch seine Kosten selbst hochgetrieben?
  2. Früher war der Messeeintritt umsonst. Heute schreckten die 99,- Euro interessante Messegäste ab: Die Dmexco samt Kongress wird bisher finanziell komplett von den Ausstellern getragen. Die Aussteller wollen mit dieser Investition erreichen, dass sie mit Entscheidern über echte Geschäfte sprechen. Wer als Fachbesucher nicht mal 100 Euro aufbringen kann, um an diesen Gesprächen teilzuhaben, hat per Definition kein Geschäft, oder ist nicht mal im kleinsten Rahmen entscheidungskompetent – daher auf einer Geschäftsmesse falsch.
  3. Es sei auf dem Kongress und der Messe zu voll geworden: Aus diesem Grund wird kontinuierlich die Fläche erweitert und der gebührenpflichtige Eintritt wird hoffentlich denen, die Geschäfte machen wollen, mehr Raum schaffen.
  4. Der Nachwuchs komme aufgrund der Eintrittspreise zu kurz: Der Nachwuchs ist immer ein gutes Thema. In meiner Welt ist die Förderung des Nachwuchses eine sehr wichtige Aufgabe für alle Geschäftsführer. Aber das ist doch nicht Aufgabe der Messeveranstalter. Zehn Tickets kosten 1000 Euro – ist dieser Invest in den Nachwuchs wirklich nicht drin?
  5. Der nationale Markt komme zu kurz: Diese Kritik wurde aufgenommen und schon im aktuellen Programm verbessert. Und das könnte aus meiner Sicht noch etwas prägnanter werden. Aber eins ist auch klar, wir arbeiten im World Wide Web und Internationalität gehört zu unserer Branche.

Wir und die anderen Aussteller freuen uns daher auch dieses Jahr wieder auf die Dmexco und hoffen, dass wir erneut so gute Geschäfte machen wie in allen vorangegangenen Jahren zuvor.

Mit ihrem diesjährigen Verzicht auf einen Messestand hatte die Düsseldorfer Agentur Mediacom die Debatte um Europas größte Online-Messe wieder angefacht.

Ein Streitgespräch zwischen Dmexco-Initiator Christian Muche und Kritiker Christian Wilkens lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von W&V.


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