Johannes Ceh über die Native Advertising Days :
6 Gründe, warum Sie gerade jetzt auf Native Advertising setzen sollten

Stell dir vor, in Berlin ist das internationale Gipfeltreffen der Native-Advertising-Branche und kaum ein Deutscher geht hin. W&V-Gastautor Johannes Ceh über verpasste Chancen und aktuelle Möglichkeiten.

Text: W&V Redaktion

Johannes Ceh arbeitet als Strategieberater in München.
Johannes Ceh arbeitet als Strategieberater in München.

Stell dir vor, in Berlin ist das internationale Gipfeltreffen der Native-Advertising-Branche und kaum ein Deutscher geht hin. W&V-Gastautor Johannes Ceh* über verpasste Chancen und aktuelle Möglichkeiten.

Es war ein bizarres Bild: Letzte Woche fand in Berlin das globale Gipfeltreffen der Native Advertising Industrie (Native Advertising Days) statt, doch Deutschlands Agentur- und Marketingentscheider fehlten. Außer vielleicht C3, Hauptsponsor der Veranstaltung. Während sich auf der Konferenz die Global Content Marketing Officers, Strategen und CEO von Linkedin, Google, Buzzfeed, New York Times, Burda, Ebner und Co. einen Wettkampf um die spannendsten Keynotes und Case Studies lieferten, war gerade mal eine Hand voll deutscher Marketingentscheider und Agenturvertreter im Publikum.

War die Veranstaltung nicht ausreichend bekannt? Der Jahresabschluss derart intensiv, dass für Konferenzen keine Zeit bleibt? Oder ist es nicht viel mehr so, dass es in Deutschland ein anderes Verständnis von Native Advertising gibt als in Märkten wie Skandinavien, USA, Australien und UK?

Wie kommt es, dass hierzulande gerade mal vorsichtig Trends kopiert werden, während internationale Player wie Vice, Content King oder Huffington Post diese schon lang wieder verworfen haben und einen Erfolgscase nach dem anderen schaffen? Sind negativen Assoziationen wie Schleichwerbung und Zeitungsbeileger gerechtfertigt oder etwa nur Vorurteile? Was können deutsche Unternehmen von weltweiten Best Practices lernen? Und gibt es bei genauerem Hinsehen nicht sogar ausreichend gute Gründe genau jetzt auf Native Advertising zu setzen? 

1.

Native Advertising ist kein Spam, sondern eine Content Marketing Manufaktur direkt in der Lebenswelt der Zielgruppe

Native Advertising ist kein Spam. Native Advertising bringt die richtigen Personen zusammen: Marken, Verleger und Kunden. Durch diese Kooperation kann Premium-Content entstehen, der mit Schleichwerbung nichts zu tun hat, eine Publikation sogar noch aufwertet. Als ob der Leser von Verlag und Marke eine "Compliments Card" erhält.

2

Native Advertising wird von Nutzern positiv wahrgenommen

Eine Studie der Universität Antwerpen zeigt, dass 86 Prozent der Rezipienten mit Native Advertising einverstanden sind. In Deutschland ergänzt eine Studie von Burda Forward, dass zwei Drittel Rezipienten Native Advertising postiv wahrnehmen.

3.

Entscheider haben das Potential noch nicht voll erkannt

Die größte Bedrohung für Native Advertising sind weder unzufriedene Leser, noch veränderte Nutzerverhalten. 55 Prozent der Verleger bezeichnen laut Native Advertising Institut fehlendes Verständnis der Entscheider als die größte Bedrohung ihres Geschäftes, was dadurch unterstrichen wird, dass diese den selber ebenfalls als größte Herausforderung betiteln. Alleine im B-to-B Bereich wird für 2017 prognostiziert, dass global 70 Prozent der Entscheidungsträger im kommenden Jahr mehr Content produziert werden. Jedoch ist gleichzeitig die Anzahl derjenigen Entscheidungsträger, welche diesen Content voraussichtlich ohne eine Strategie einsetzen werden, genau so groß.

4.

Die technischen Rahmenbedingungen

Die Zeiten des organischen Wachstums auf Facebook und Co. sind vorbei. Adblocker sind auf dem Vormarsch, womit sich die durchschnittlichen Clickraten von Bannerkampagnen oft unter einem Prozent bewegen. Banner werden auf Smartphones nicht angezeigt.

5.

Der Anteil von Native Advertising wird dramatisch zunehmen

Während in 2015 noch rund 11 Prozent des globalen Werbebudgets in Native Advertising fließen konnte, prognostiziert die Untersuchung des Native Advertising Institutes 25 Prozent für 2018.

6.

Native Advertising hat eine messbare Auswirkung auf die Kaufbereitschaft

Zwar ist aktuell mit 60 Prozent Reichweite noch der wichtigste Indikator von Native Advertising, jedoch kann dieses weitaus mehr leisten. 73 Prozent aller Marketing Leads auf Linkedin entstehen durch Content Marketing. Eine Studie von Burda Forward zeigt, dass durch Native Advertising bei 24,2 Prozent der Rezipienten die Kaufbereitschaft erhöht wurde.

Fazit:

Das weitestgehend noch fehlende Verständnis für Native Advertising unter Entscheidungsträgern bedeutet eine große Chance für Agenturen und Unternehmen. Jetzt besteht die Chance, sich als "First Mover" abzuheben und durch relevante Inhalte direkt in der Lebenswelt des Verbrauchers einen positiven Einfluss auf Image und Kaufwahrscheinlichkeit der Zielgruppe herzustellen. Auch 2017 werden die Native Advertising Days wieder in Berlin stattfinden. Es bleibt spannend, welche deutschen Unternehmen und Agenturen bis dahin das Potential von Native Advertising erkannt haben werden.

Der Autor: Johannes Ceh ist gelernter Journalist und arbeitete als Digital- wie Content-Stratege für Unternehmen wie Sport1, Springer & Jacoby, BMW,  Mercedes-Benz, Ogilvy und Havas. Heute unterstützt er als strategischer Berater Unternehmen an der Schnittstelle von Customer Experience, Digitalkultur und Organisationsentwicklung (www.StrengthandBalance.one).


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