Im Anschluss an dieses Screening gibt die App alle zwei Wochen eine fundierte Einschätzung darüber ab, ob und wie stark ausgeprägt Symptome einer Depression vorliegen.

Das Screening findet per Smartphone und in Echtzeit statt. So umgeht die App das Problem, das in der Psychotherapie als Erinnerungsverzerrung bekannt ist: Betroffene sprechen beim Therapeuten rückblickend über ihre Emotionen und Gedanken. Moodpath zeichnet Stimmungsverläufe auf und erkennt Symptome. "Wenn man zweimal schlecht geschlafen hat, denken viele Menschen rückblickend, sie hätten 14 Tage schlecht geschlafen", erläutert Psychologe und Mit-Gründer Mark Goering.

Nutzer können über die App nicht nur langfristig ihren Stimmungsverlauf abbilden: Kurse der App bieten Übungen und Techniken aus der Verhaltenstherapie, die jederzeit abrufbar sind.

Pläne für 2019

Während seiner Ausbildung zum Psychotherapeuten beobachtete Mark Goering, dass selbst schwer depressive Patienten mit stark vermindertem Antrieb ihr Smartphone immer griffbereit haben. Das kann man in der Diagnostik nutzen, fand er. Auch Felix Frauendorf, der zuvor bereits einige Startups mit aufgebaut hat, erkannte das Potenzial einer solchen App.

Zusammen entwickelten sie das Konzept für Moodpath und gründeten 2016 ihr Unternehmen. Als ein Team, das psychologische und unternehmerische Expertise vereint, konnten sie bereits namhafte Investoren von sich überzeugen und insgesamt 2,7 Millionen Euro aufnehmen, darunter Holtzbrinck Ventures und Heartbeat Labs.

Das Berliner Startup arbeitet nach eigenen Angaben eng mit Kliniken und Forschungsunternehmen wie der Dr. Becker Klinikgruppe, der Schön Klinik und der Charité Berlin zusammen. Der Gedanke dahinter: Eine Psychotherapie soll durch Moodpath nicht ersetzt, sondern ideal begleitet und unterstützt werden. Weitere Studien und Projekte mit der FU Berlin, der Columbia University in New York und dem Max-Planck-Institut in München laufen oder stehen kurz vor dem Abschluss.

Der nächste Schritt: Moodpath will eine weltweit führende Technologie entwickeln, die alle Schritte der Versorgungskette digital begleitet und eine klassische Gesprächstherapie sinnvoll ergänzt. Eine Expansion in neue Regionen wie Lateinamerika ist geplant und auch die bereits bestehenden Märkte in den USA und Asien sollen weiter ausgebaut werden.


Autor:

Belinda Duvinage

legt ein besonderes Augenmerk auf alle Marketing-Themen. Bevor die gebürtige Münchnerin zur W&V kam, legte sie unter anderem Stationen bei burdaforward und dem Münchner Merkur ein, leitete ein regionales Magazin in Göttingen und volontierte bei der HNA in Kassel. Den Feierabend verbringt sie am liebsten mit ihren drei Jungs in der Natur, auf der Yogamatte, beim perfekten Dinner mit Freunden oder, viel zu selten, einem guten Buch.