Streaming-Boom :
Briten geben mehr für Digital als für Print aus

Netflix & Co sorgen in Großbritannien für ein starkes Umsatz-Plus im Entertainment-Segment. Die Ausgaben für Print sinken dagegen.

Text: Franz Scheele

Erstmals haben die Briten im vergangenen Jahr mehr Geld für Musik, Videos und Spiele ausgegeben als für Print-Produkte wie Bücher, Zeitschriften und Zeitungen. Einen wesentlichen Anteil daran haben Streamingdienste wie Netflix, Amazon Prime Video und Spotify. Hier sei ein "enormes Wachstum" zu verzeichnen, heißt es im aktuellen Jahrbuch der britischen Entertainment Retailers Association (ERA).

Danach gaben die britischen Konsumenten 2017 insgesamt 7,2 Milliarden Pfund (8,1 Mrd. Euro) für Entertainment in Form von Musik, Videos und Games aus – von CDs und DVDs über Vinyl-Platten und Spiele-Software bis hin zu Abonnements für Musik-, TV- und Streamingdienste. Dies ist ein Plus gegenüber dem Vorjahr um 8,8 Prozent und im dritten Jahr in Folge ein neuer Rekordwert.

Für Print-Produkte wie Bücher, Zeitschriften und Zeitungen summierten sich die Ausgaben auf 7,1 Milliarden Pfund (knapp 8 Mrd. Euro). Die Konsumenten-Ausgaben für Print-Produkte ("Printed Word") hatten ihren Höhepunkt mit 8,3 Milliarden Pfund (9,3 Mrd. Euro) im Jahr 2007 erreicht, seither stagnieren beziehungsweise fallen die jährlichen Ausgaben in diesem Bereich.

Laut ERA belegen die Daten zugleich die "drastischen Veränderungen" im Konsumentenverhalten – weg vom Kauf physikalischer Produkte und hin zur Nutzung digitaler Formate über Access-Angebote. Noch vor fünf Jahren, so die ERA, wurden mehr als 80 Prozent der Umsätze im Entertainment-Segment durch Käufe ("Buy to own") von physikalischen Produkten wie DVDs, CDs sowie Kauf-Downloads generiert. Jetzt liege der Anteil der Digitalumsätze aus Access-Angeboten wie Videostreaming- und Musikstreaming-Abos, Video-on-Demand oder Abos für Online-Multiplayer-Spiele bereits bei 56 Prozent.


Autor:

Franz Scheele
Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.