Umfrage von Marketo :
DSGVO: Die Angst der Verbraucher vor Datenmissbrauch

Am Ende geht es um Vertrauen. Und das bröckelt: Laut Umfrage sind drei Viertel der Konsumenten besorgt. Und dennoch recht offenherzig mit Daten.

Text: Susanne Herrmann

Ohne Cookies und Datenübertragung kommt kaum eine Seite im Netz aus - schwierig in Zeiten von "Always on" und stets vernetzt. Am 25. Mai tritt die neue Datenschutzgrundverordnung DSGVO in Kraft.
Ohne Cookies und Datenübertragung kommt kaum eine Seite im Netz aus - schwierig in Zeiten von "Always on" und stets vernetzt. Am 25. Mai tritt die neue Datenschutzgrundverordnung DSGVO in Kraft.

75 Prozent der Verbraucher machen sich Sorgen: Laut einer Umfrage, die das Softwareunternehmen Marketo in Deutschland, Großbritannien und Frankreich von der Londoner Marktforschungsagentur Loudhouse durchführen ließ, sind drei Viertel der Verbraucher besorgt über die Menge an persönlichen Informationen, auf die Unternehmen zugreifen können

. Mehr als drei Viertel (79 Prozent) würden den Kontakt zu einem Unternehmen beenden, wenn ihre persönlichen Daten missbraucht würden.

Immerhin: 42 Prozent der europäischen Verbraucher vertrauen dennoch darauf, dass Unternehmen mit ihren persönlichen Daten verantwortungsvoll umgehen

. Und 64 Prozent - mehr als doppelt so viele Verbraucher wie die Unbesorgten ausmachen dürften - gaben in der Umfrage an, dass sie ihre Daten im Austausch für Rabatte und Vorteile gerne weitergeben. Marketo, Anbieter von Engagement-Marketing-Software und -Lösungen, ließ mehr als 3000 Verbraucher und 300 Marketingentscheider in Unternehmen in den drei europäischen Ländern befragen. Anlass: die am Ende dieser Woche ablaufende Frist für die Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).

Die zwiespältigen Gefühle, die der Datenschutz offenbar bei den Konsumenten hervorruft, ist eine Chance fürs Marketing von Unternehmen. 

Jamie Anderson, President EMEA bei Marketo: "Die DSGVO-Gesetzgebung bietet Marketern eine der seltenen Möglichkeiten, Kundenbeziehungen aufzubauen, indem sie Vertrauenswürdigkeit und Klarheit demonstrieren."

Noch nie sei die Unzufriedenheit der Verbraucher über den Umgang mit ihren Daten so hoch gewesen. Anderson: "Um in einer Post-DSGVO-Welt erfolgreich zu sein, müssen Marketer ihr Verständnis dafür auch in ihren Maßnahmen unter Beweis stellen, durch sinnvolle, personalisierte Kommunikation an jedem Berührungspunkt."

Datenschutz: Wunsch nach Transparenz

73 Prozent der Befragten wünschen sich regelmäßige Informationen über die personenbezogenen Daten, die von den Unternehmen gespeichert werden können.

Allerdings gaben zum Befragungszeitpunkt (April) erst 28 Prozent der Unternehmen an, dass sie vollständig DSGVO-konform sind. Die Frist für die Umsetzung der DSGVO endet am 25. Mai 2018.



Die Mehrheit der befragten Unternehmen (55 Prozent) sieht die DSGVO als Marketingchance. Sie wollen zu diesem Anlass "Compliance als Chance nutzen, um durch smarteres Marketing Kunden oder Interessenten besser anzusprechen", so Marketo. Die Softwarespezialisten nennen den Ansatz "Marketing First". Die restlichen 45 Prozent verfolgen einen juristischen Ansatz: Sie versuchen, die DSGVO zu erfüllen, und wollen anschließend ihre Marketingstrategie daran ausrichten ("Legal First").

Beide Ansätze hat Marketo verglichen. Von den "Marketing First"-Antwortgebern haben 34 Prozent ihre Prioritäten neu definiert, verglichen mit nur 13 Prozent der "Legal First"-Unternehmen, fast die Hälfte (49 Prozent) hat neue Systeme und Marketinginstrumente implementiert, verglichen mit 33 Prozent der "Legal First"-Firmen.

DSGVO als Chance fürs Marketing

Beide Gruppen gingen aber nicht davon aus, dass die DSGVO ihr Geschäft behindert: 96 Prozent der Unternehmensbefragten gehen davon aus, dass sie ihre Ziele bis zum Jahresende erreichen. Die größte Herausforderung dabei ist nach Ansicht von 40 Prozent der Unternehmen die Abhängigkeit von der Zustimmung der Kunden.

Peter Bell, Senior Director of Marketing bei Marketo, schlägt vor, dass sowohl bei Marketing als auch Legal First der Kunde im Mittelpunkt stehen müsse und dass Sie sinnvolle, auf Vertrauen basierende Erfahrungen bieten." Denn das  Vertrauen der Verbraucher sei zwar "gering, aber nicht unwiederbringlich verloren". Unternehmen, die es Verbrauchern ermöglichen, Kontrolle über ihre Daten zu haben, und den Datenschutz als Chance nutzen, sich besser mit den Kunden auszutauschen, werden Bell zufolge "in den kommenden Jahren durch den Aufbau dauerhafter Beziehungen erfolgreich" sein. 

Die Studie lässt sich (auf Englisch) bei Marketo gegen Angabe der Kontaktdaten hier herunterladen.

Praxis-Check für Ihre Daten nötig? Hier geht's zum W&V DSGVO-Report. 


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.